Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Goldgräberstimmung

Der Versuch einer Gegenreaktion auf die hohen Preise am vergangenen Donnerstag scheiterte am großen Zulauf, den die Hausse-Spekulanten z.Z. haben. Weiterhin wird jede Kursschwäche für neue Engagements auf steigende Preise genutzt. Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend fort.

Argumentativ wurden die steigenden Preise durch den neuen Report der IEA (Internationale Energie Agentur) unterstützt. Die Pariser Ölbeobachter erhöhen ihre Nachfrage Prognose für das laufende Jahr und für das zweite Quartal, dem vor kurzem noch ein preisdämpfender Effekt zugesprochen wurde. Begründet wird die neue Einschätzung mit den zuletzt sehr kalten Temperaturen und dem anhaltend starken Wirtschaftswachstums insbesondere in China und den USA. Der Ölverbrauch wird in 2005 auf 84,3 Mio. Barrel pro Tag geschätzt. In den beiden Vorjahren waren es 82,5 und 79,8 Mio. Barrel pro Tag.

Chinas Öleinfuhren lagen eigenen Angaben zufolge im Januar und Februar 13% unter denen des Vorjahres. Einen Preisrückgang konnte diese freundlich klingende Meldung nicht auslösen. Chinas Verbrauch steigt geringer als im Vorjahr allerdings höher als erwartet.

Die Ölversorgung erholte sich im Februar. OPEC und Nicht-OPEC-Staaten trugen zu annähernd gleichen Teilen dazu bei. Kuwait, das krisengeschüttelte Nigeria und Saudi Arabien erhöhten die OPEC-Produktion. In den USA, in der Nordsee und vor allen Dingen in Russland nahm die Produktion bei den Nicht-OPEC-Ländern wieder zu.

Die Bevorratung der OECD-Länder fiel im Januar. Sie ist dennoch besser als ein Jahr zuvor. Die Vorräte reichen 51 Tage lang.

Insgesamt erweist dich die Versorgungslage als ausreichend aber ausgereizt. Überkapazitäten gibt es kaum. Insofern ist die Diskussion der OPEC über die Steuerung der Preise durch Drehen an den Ölhähnen irreführend. Aufzudrehen gibt es so gut wie nichts mehr. Die Vertreter des Kartells treffen sich am Mittwoch, um über den Ausstoß zu beraten. Der liegt z.Z. leicht über dem Soll (Quoten). Das wird sicher so bleiben, denn die Welt braucht das Öl. Die Preise sind für die Lieferanten gut. Der Dollarverfall ist deutlich überkompensiert. Eine Drosselung der Ölzufuhr ließe die Preise explodieren. Das brächte die Weltwirtschaft mit Sicherheit aus dem Takt. Daran haben die OPEC-Länder genauso wenig Interesse wie die Industrieländer.

Die Hochpreis-Spekulanten treibt der Umstand, dass die Zeit der Überkapazitäten vorbei ist, in den Markt. Da diese Situationsbeschreibung keinen Widerspruch findet, obwohl es bezüglich der langfristigen Einschätzung der Ölversorgung unserer Welt große Widersprüche gibt, ist davon auszugehen, dass das hohe Preisniveau noch lange Bestand haben wird. Aktuell sind die Preise leicht überhitzt. Sie werden vermutlich noch heißer werden. Die zwangsläufig folgende Abkühlung wird sie aber nicht weit unter die Marke von 50$ für das Barrel Texasöl zurückführen. Folgt man dem langfristigen Trend, so wird der im Augenblick überhitzte Preis bereits in sechs Monaten ein normaler Durchschnittspreis sein.

Europäische Verbraucher werden vermutlich weiter in den Genuss einer Preisdämpfung durch den Abwärtstrend des US-Dollars kommen. Das Außenhandelsdefizit der USA ist schon wieder höher ausgefallen als erwartet. Gegen die Überschuldung der US-Wirtschaft ist die Dollarabwertung ein brauchbares Mittel.

Der Gasölpreis zeigt sich mit 481$ pro Tonne heute Morgen abwartend. Es gibt allerdings kaum Anlass, an einem weiteren Anstieg im Laufe der Woche zu zweifeln.

Unsere Heizölpreise konnten die am Donnerstag einsetzende Entspannung leider nicht ausbauen. Wieder einmal zeigte sich, dass die Spekulation auf fallende Preise z.Z. äußerst unbefriedigend ist. Außer minimalen Einsparungen bei zufälligen Rücksetzern ist nichts zu ernten. Besser ist es nach wie vor, auf Terminflexibilität von zwei Wochen bei der Belieferung zu setzen. Die bringt eine sichere Einsparung auf Grund geringerer Logistikkosten.

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