Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Griechenland ist wirklich nicht wirklich pleite

Während die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s Griechenland für teilweise zahlungsunfähig erklärten, hat gestern der Internationale Derivatehändlerverband eine Entscheidung über die für die griechischen Staatsanleihen abgeschlossenen Ausfallversicherungen getroffen. Hiernach soll es sich bei dem in Frage stehenden Gesetz nicht um einen Versicherungsfall handeln. Wir erinnern uns. Die Verhandlungen um den griechischen Schuldenschnitt und die Auszahlung des Griechenland-Rettungspakets II kamen deswegen nicht voran, weil ein Teil der privaten Anleger dem freiwilligen Verzicht nicht zustimmen wollten. Diese Anleger hatten eine Versicherung abgeschlossen, die dann zahlt, wenn Griechenland nicht mehr zahlt. Sie wollten ihr Geld entweder von Griechenland oder aus der Versicherung erhalten. Die Lösung dieses Streits konnte in die Zukunft verlagert werden, wodurch dem Rettungspaket II zugestimmt werden konnte. Auch der Bundestag hat am Montag das Geld für Griechenland freigegeben. Eigentlich sollte die Auszahlung an die Beteiligung des privaten Sektors geknüpft werden. Diese Beteiligung ist noch gar nicht erfolgt. Das griechische Parlament hatte nun letzte Woche ein Gesetz verabschiedet, nach dem Gläubiger zum Verzicht gezwungen werden können, wenn nicht genügend Freiwillige gefunden werden. Die Vorbereitung des Zwangs ist noch kein Versicherungsfall, heißt es nun vom Derivatehändlerverband, der über diesen Umstand zu entscheiden hatte. Brisant ist dies aus zweierlei Gründen. Zum einen weiß niemand, welche Banken diese Versicherungen in ihren Portfolios haben. Das ist dasselbe Problem, wie nach der Lehman-Pleite. Damals stand das Finanzsystem kurz vor dem Kollaps. Zum anderen werden die Öffentlichkeit und die Parlamente über die tatsächlichen Voraussetzungen einer weiteren Hilfe für Griechenland getäuscht. Das Gesamtvolumen dieser Ausfallversicherungen beträgt ca. 70 Mrd. Euro. Durch verschiedenste Aufrechnungen bleiben aber nur etwas mehr als 3 Mrd. offen. „Peanuts“ möchte man meinen, aber die Angst der Banken voreinander bleibt.

Die Ölmärkte zogen gestern erheblich an. Ausgelöst wurde der Anstieg durch die Meldung, dass eine wichtige Pipeline in Saudi Arabien explodiert sei. Darauf folgten technische Anschlusskäufe, die die Notierungen weiter nach oben trieben. Die Meldung wurde zwar von der Regierung Saudi Arabiens dementiert, dennoch blieben die Notierungen hoch. In der Region gibt es Spannungen und es handelt sich um einen sozialen Brennpunkt. Mehrere saudische Nachrichtenagenturen hatten vorher diese Nachricht veröffentlicht. Der Euro blieb stabil, sodass sich das Gesamtbild nicht noch weiter verschlechterte. Der so genannte Sarko-Trade, also das billige Verleihen von EZB-Geld an die europäischen Kreditinstitute scheint Spanien in die Hände zu spielen. So musste das Euro-Sorgenkind weniger Zinsen für ihre Staatsanleihen bieten als zuletzt. Auch italienische Banken haben sich vorrangig bedient. Die Hoffnung auf eine Stabilisierung dieser Länder scheint sich vorerst realisiert zu haben.

Der deutsche Heizölverbraucher spürt davon nichts. Der Anstieg der Ölnotierungen war übermächtig. Die Heizölpreise zogen an. Es bleibt festzuhalten, dass es schlimmer hätte kommen können. Die wichtigsten Einflussfaktoren lauten wie folgt:

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Kriegsrasseln in der Iranaffäre
Ausfälle von Lieferungen aus Südsudan, Jemen, Nigeria
Griechenland bekommt die benötigte Staatshilfe
Raffinerieprobleme in Europa
Globale Ölnachfrage wächst

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: IEA wird Reserven bei Ausfall Irans freigeben
Schwache Nachfrage der reifen Industrienationen
Schwere Schuldenkrise in den alten Industrienationen

Unsere Heizölpreise zogen an. Sie folgten damit den Notierungen an den Ölbörsen. Abgebremst wird dies nur durch den stabilisierten Euro. Allerdings haben die Aktionen aus Politik und Bankenwesen eine kurze Halbwertzeit. Aber auch der Ölpreisanstieg scheint etwas zu forsch. Wahrscheinlich werden sich beide Entwicklungen in nächster Zeit die Waage halten, sodass von einem größeren Heizölpreis-Verfall nicht geträumt werden sollte. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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