Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Groß ist bei Entdeckungen relativ

Von Zeit zu Zeit machen Nachrichten über riesige Ölfunde die Runde. Die letzte kam vor einigen Monaten aus Norwegen. Als besonders glücklich im Aufspüren von Ölfeldern zeigt sich Brasilien. Seit 2007 überschlagen sich die Erfolgsmeldungen. Sie vermitteln den Eindruck, dass Darstellungen über knappe Reserven niederträchtige Attacken der Preistreiberei sind. Dabei ist unklar, von welcher Seite die Niedertracht lanciert ist und wem sie schlussendlich dient. Ölkonzerne neigen dazu, Reserven und Ressourcen schön zu zeichnen, damit weder Zweifel an der Sicherheit der Versorgung noch am Wert ihrer Vermögensgegenstände aufkommt. Das eine würde die Kunden verscheuchen, das andere die Investoren. Banken, Pensionsfonds und Versicherungen müssen per Geschäftsgrundsatz für die Steigerung ihrer Anlagen sorgen. Dazu kann die Spekulation auf knappe Rohstoffe temporär hilfreich sein. À la longue ist das Herbeireden von Knappheit mit der Folge exorbitant hoher Preise aber selbst für diese Branche ruinös, da es die Konjunktur und damit die veritable Geschäftsgrundlage aller langfristigen Verträge und Versprechungen zersetzt, somit auch das eigene Geschäft. Einzig der kurzfristig engagierte Spekulant kann ein Interesse an der Verblendung des Publikums haben. Wenn diese auffliegt, sollte er mit seinem Gewinn längst das Weite gesucht haben und an einer neuen Verblendung an anderer Stelle arbeiten.

Über Knappheit von Rohstoffen wird nicht mehr temporär, sondern permanent geredet. Deshalb steigen ihre Preise kontinuierlich. Wie müssen die Erfolgsmeldungen über neue Funde in diesem Umfeld eingeordnet werden? Norwegen freut sich über rund eine Milliarde neu entdeckter Barrel Rohöl. In der Spitze verfügte das Land über Reserven von zwölf Milliarden Barrel. Durch die hohe Förderung schrumpfte die Zahl auf sechs Milliarden. Diese wird durch den Fund nun um eins erhöht. Die Reserven sind dennoch weit von ihrem Hoch vor knapp 20 Jahren entfernt. Brasilien konnte seine ausgewiesenen Reserven mit den Entdeckungen der letzten zehn Jahre um sechs Milliarden Barrel steigern. In einzelnen Erfolgsmeldungen wurden sogar Funde von acht und mehr Milliarden Barrel verkündet. Die derzeit noch unbeherrschbare Tiefe des Öls auf 7.000 Meter unter dem Meeresspiegel relativiert die Botschaft. Bedeutender als dieser Umstand ist allerdings die Einordnung aller gemeldeten Zahlen in die Geschichte der Ölnutzung. Ende der 1930er Jahre wurden Jahr für Jahr Funde in einer Größenordung gut 30 Milliarden Barrel getätigt. Ende der 1940er Jahre waren es sogar 55 Milliarden Barrel. In der 1960er Jahren wurden diese Zahlen fortgesetzt. Dann begannen die Entdeckungen zu sinken, erst langsam, dann immer schneller. Heute ist ein Feld von einer Milliarde Barrel eine bedeutende Erfolgsmeldung. Um 1960 hätte niemand davon Kenntnis genommen, weil es zu klein für besondere Freude war. Während des gesamten Zeitraums wuchs der Ölverbrauch und er wächst weiter, während die Funde sinken. Noch ist reichlich Öl aus alten Entdeckungen vorhanden. Über seine Knappheit zu reden, ist vor dem skizzierten Hintergrund dennoch absolut berechtigt.

Aktuell gibt es gute Gründe, die Knappheit bisweilen zu verdrängen. In den USA steigen die Ölbestände wieder. Das ist Ausdruck einer guten Versorgungslage und einer sinkenden Nachfrage. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten für die abgelaufene Woche in allen Belangen gestiegene Vorräte. Ihre Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +5,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 12,6 (DOE) bzw. 3,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt weiterhin bei 86 Prozent. Die Gesamtbestände sind drei Prozent geringer als vor einem Jahr.

In Europa sieht die Lage weniger rosig aus. Nachdem die Region durch den Wegfall Libyens im letzten Jahr zeitweise sehr hohe Rohölpreise hinnehmen musste, droht nun eine ähnliche Situation durch den sanktionsbedingten Ausfall iranischen Öls. Die USA üben auf ihre Handelspartner mächtig Druck aus, sich an den Maßnahmen gegen das Land zu beteiligen. Wenn dann noch der partielle Ausfall Nigerias, das von schweren sozialen Unruhen lahmgelegt wird, hinzukommt, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Fehlmengen durch andere Lieferanten zu kompensieren. Dann steigt der Preis weiter und deutlich.

Soweit ist es heute Morgen nicht. Die gute Bestandssituation in den USA hat den bullischen Einfluss des Irankonflikts in die Schranken gewiesen. Die Preise befinden sich weiterhin im Seitwärtstrend. Charttechnisch könnten sie innerhalb dieses Trends nun sogar zu einem Rückgang animiert werden. Die Tonne Gasöl kostet 981 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,57 Dollar und in London zu 113,25 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,65 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben geringfügig nach. Dominant ist gleichwohl der strenge Aufwärtstrend. Mit Glück wird dieser in den kommenden Tagen keine Rolle spielen. Vielleicht geben die Preise sogar ein wenig mehr nach. Die Gefahr, dass vom Irankonflikt oder von der Eurokrise negative Impulse auf die Heizölpreise übergreifen, ist aber groß. Da derzeit keine ordentliche Abwärtschance in Sicht ist, macht es keinen Sinn, absehbar notwendige Heizölkäufe aufzuschieben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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