Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Grund genug für fallende Preise

Die Preise geben nach. Auf einen nennenswerten Gewinn warteten Verbraucher bisher aber vergebens. Die große Linie zeigt tendenziell seitwärts. Dabei gibt es starke Gründe, die einen Abwärtstrend allemal rechtfertigten. Die Sorge vor den Auswirkungen der demnächst hereinbrechenden Hurrikane ist allerdings stärker. Sie hält die Preise hoch. Der Dollar befindet sich weiterhin in einer von Zinsphantasien ausgelösten kurzfristigen und unbedeutenden Stärkephase.

Das Handelsinteresse am Rohölmarkt ist ungebrochen hoch. Die großen Spekulanten verlieren dabei ihr bullisches Übergewicht. Noch gibt es einen Überhang an Positionen auf steigende Kurse. Er ist gegenüber der Spitze im April aber um 60 Prozent eingebrochen. Das Interesse am Benzinhandel nimmt seit Wochen deutlich ab.

Argumente für eine gelassenere Sicht der Versorgungslage oder sogar für fallende Preise lieferten ExxonMobil und BP in der letzten Woche. Sie legten Ihre Jahresberichte über den Energiemarkt vor. ExxonMobil ermittelte für den Ölmarkt in 2005 ein stärkeres Wachstum auf der Angebotsseite als auf der Nachfrageseite. Letztere wuchs um 1,2 Prozent. Die Förderung legte um 1,3 Prozent zu. Fast alle OPEC-Länder konnten ihre Produktion steigern. Russland als größtes Nicht-OPEC-Land erhöhte die Förderung um 3 Prozent. Gegen den Trend bewegen sich die USA. Das drittgrößte Förderland musste einen Produktionsrückgang von 4,5 Prozent hinnehmen. Anders sieht es am Gasmarkt aus. Die weltweite Nachfrage stieg um 2,9 Prozent. Das Angebot fiel um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Westeuropa verlor sowohl beim Öl als auch beim Gas Förderkapazitäten.

Die Ölreserven, das sind die wirtschaftlich förderbaren Ressourcen, erhöhten sich um gut ein Prozent. Die aktuelle Reichweite beträgt 45,6 Jahre. Die Zahl ist eine statistische Größe. Sie hat wenig Bedeutung für die tatsächliche Dauer des Ölzeitalters. Diese wird um ein Vielfaches länger sein. Allein die nun in Schwung kommende Anwendung von Öl aus nachwachsenden Rohstoffen wird dem Markt ein völlig neues Gesicht geben. Die Erdgasreserven legten ebenfalls um gut ein Prozent zu. Gewachsen sind auch die Raffineriekapazitäten um deutliche 3 Prozent.

Ein bemerkenswertes Faktum brachte BP mit seinem statistischen Werk ein. Die USA verringerten ihren Energieverbrauch im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Unter anderem sei dieser Umstand den hohen Energiepreisen zu verdanken. Sowohl BP als auch ExxonMobil konstatierten, dass die hohen Energiepreise keinen negativen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung hatten. Während die Zahlen die Verbesserung der Energieeffizienz für die USA anzeigen, stellen sie China als zweitgrößtem Energieverbraucher in dieser Hinsicht ein schlechtes Urteil aus. Bei einem Wirtschaftswachstum von 9,9 Prozent wuchs die Energienachfrage um 9,5 Prozent. Immerhin sei China aber auf dem richtigen Weg. Denn in 2004 wuchs die Energienachfrage bei einem vergleichbaren Wirtschaftswachstum um sagenhafte 15,5 Prozent.

BP bezeichnet den weltweiten Markt als gut funktionierend. Das Urteil folgt hauptsächlich aus den Erfahrungen mit den schweren Hurrikanen in den USA. Die legten fast 30 Prozent der US-Raffineriekapazitäten lahm. Trotz eines derartig massiven Eingriffs gab es keine Versorgungslücken. Der Markt regelte das Problem über den Preis. Der wiederum führt zur wünschenswerten Veränderung von Verbrauchsgewohnheiten.

Die Preissteigerung war in 2005 insbesondere wegen der Hurrikane erheblich. Sie betrug 43 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent. Das war im Wesentlichen ein Effekt der Nachfragesteigerung. Die führte zum Abbau von Überkapazitäten. Es sei derzeit nicht absehbar, dass Überkapazitäten neu geschaffen werden. Daher dürften die Preise hoch bleiben, was nicht bedeutet, dass sie derzeit kein Rückgangspotential hätten.

BP wird in den kommenden zehn Jahren 500 Mio. Dollar in die Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen investieren. Damit unterstreicht das Unternehmen die Bedeutung der Sparte für den Energiemarkt. Die klassischen Förderländer sind besorgt über den Enthusiasmus. Sie fordern von den Industrieländern Nachfragesicherheit nach mineralischem Öl, um Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Die Schlussfolgerung aus den Veröffentlichungen der beiden großen Gesellschaften lautet: Die Märkte sind gut versorgt und sie sind störungsresistent. Die Versorgungskapazitäten sind grenzwertig. Das rechtfertig hohe Preise. Die haben auf dem aktuellen Niveau aber durchaus Luft nach unten.

Heute Morgen wird diese Luft maßvoll genutzt. Der Gasölpreis nähert sich der 600-$-Marke. Die Tonne kostet 602,50 $.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie befinden sich nach wie vor im Seitwärtstrend. Der Druck wächst z.Z., so dass ein deutlicheres Nachgeben und ein Abwärtstrend denkbar scheint. Die Gefahr von Hurrikanen in den USA stellt allerdings eine latente Quelle für Preissteigerungen dar, die allenfalls temporär verstopft ist.

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