Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Gut aber teuer versorgt

Die Heizölpreise in Deutschland halten seit zweieinhalb Monaten den erwarteten Seitwärtstrend. Angesichts der Entwicklung auf dem Weltmarkt ist das ein verbraucherfreundlicher Umstand. Denn die internationalen Vorgaben sind nur mit viel Wohlwollen als preisneutral anzusehen. Bei genauer Betrachtung ist ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen. Dass sich dieser bisher nicht in den heimischen Preisen niederschlug, ist der extrem schwachen Nachfrage zu verdanken, auf die der Handel mit hohem Margenverzicht reagiert. Keinen Anteil am Preistrend im genannten Zeitraum hat der Dollar. Seine Entwicklung zeigte im April zwar streng abwärts. Mittlerweile sind die Kursverluste aber komplett neutralisiert.

Als freundlich wird die Preisentwicklung von Verbrauchern offensichtlich nicht angesehen. Sie scheinen auf einen spürbaren Preisrückgang zu spekulieren. Anders lässt sich die Kaufzurückhaltung kaum interpretieren. Der „normale“ Bedarf ist mittlerweile wieder da. Die Füllstände in den Tanks sollten trotz des reduzierten Verbrauchs in Folge des milden Winters unterdurchschnittlich sein. Das ergibt sich aus dem Nachfrageminus, dass von Januar bis heute auf rund 55 Prozent aufgelaufen ist. Der Minderbedarf des letzten Winters wird auf 25 Prozent geschätzt. Vorgezogene Käufe wegen der Mehrwertsteuererhöhung brachten Ende letzten Jahres ein Absatzplus von gut 15 Prozent. Aus den Zahlen ergibt sich eine Unterdeckung von 15 Prozent. Diese muss um einen noch unbekannten Anteil aus Effizienzsteigerung durch neue Heizungen reduziert werden. Sehr groß kann dieser Anteil noch nicht sein, denn das Heizungshandwerk ist im Punkto Heizungserneuerung nach wie vor unterbeschäftigt. Wer Heizkosten sparen will, geht mit dem Einsatz neuer Technik einen sichereren Weg als mit der Spekulation auf fallende Preise.

Diese werden zwangsläufig steigen, wenn die Binnennachfrage anzieht. Denn die aktuellen Margen kann der Handel nicht aufrechterhalten. Um die Unternehmen betreiben zu können, müssen sie wieder auskömmlich werden. Das werden sie, sobald die Nachfrage das erlaubt. Aber nicht nur der Binnenmarkt bietet Preissteigerungspotential. Am Weltmarkt wirken ebenfalls Auftriebskräfte. Und die kennen anders als der heimische Handel keine Preisobergrenzen. Handfeste Gründe für einen gleichsam erzwungenen Preisanstieg gibt es nicht. Der Markt ist aktuell gut versorgt. Ernsthafte Risken für eine Versorgungskrise liegen derzeit nicht vor. Es gibt allenfalls Gefahrenquellen, aus denen sich ein temporäres Versorgungsproblem ableiten lässt. Der Atomstreit mit dem Iran, die maroden US-Raffinerien und die Hurrikanerwartungen für den Golf von Mexiko gehören exponiert dazu. Aber allein die Fiktion von Gefahren ist den großen Spekulanten Grund genug, die Märkte bullisch zu halten. Sie versuchen unablässig, höhere Preise zu erzielen, mit dem Ziel Spekulationsgewinne einzustreichen.

In den kommenden Monaten wird eine Seitwärtsbewegung der Preise das aus Verbrauchersicht beste Ergebnis sein, was erzielt werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise real steigen, ist höher. Ein Indiz hierfür ist die streng bullische Positionierung von Banken, Versicherungen und Investmentfonds bei Heizölfutures. Nachdem der Spekulationsblase bei Benzin die Luft ausgeht, weil keine Versorgungslücke erkennbar ist, wendet man sich nun dem Brennstoff zu. Die Nagelprobe, ob dieser knapp wird, zeigt sich erst in sechs Monaten. Bis dahin lässt sich trefflich spekulieren. Wenn alles gut geht, werden die Preise spät im Jahr fallen. Vorher werden sie allerdings mit erhöhter Wahrscheinlichkeit steigen. Wer als Verbraucher auf die fallenden Preise spekuliert, braucht also noch einen gut gefüllten Heizöltank.

Heute Morgen befinden sich die Gasölpreise auf dem erhöhten Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 602,50 $. Ein klares Anstiegssignal liegt nicht vor.

Unsere Heizölpreise halten ihren Seitwärtstrend mehr schlecht als recht. Der Auftrieb ist zu spüren. Er wird mit Mühe durch Margenverzicht des Handels beschränkt. Die Aussichten für die Preise sind durchwachsen. Wir erwarten derzeit keinen deutlichen Anstieg. Noch weniger erwarten wir allerdings einen nennenswerten Rückgang. Es wird wohl sachte aufwärts gehen.

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