Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Gut davon gekommen

Aus Verbrauchersicht war die Börsenreaktion auf die US-Bestandsdaten gestern moderat. Die Daten weisen relativ starke Rückgänge aus. Die Aktienmärkte sind im Aufwind. Der Dollar fällt. In diesem Umfeld hätte sich niemand über einen satten Ölpreisanstieg gewundert. Der blieb aus. Das Geschäft mit den Ölpapieren verlief neutral. Die Preise bewegten sich seitwärts. Die Aussichten auf eine baldige Rückkehr des kurzfristigen Abwärtstrends steigen nach dem gestrigen Handelstag. Einen deutlichen Fall der Rohölpreise unter die Markte von 70 Dollar pro Barrel halten wir für möglich. Als Schrittmacher eines Rückgangs sehen wir den Heating Oil Markt. Dort haben sich Spekulanten vollkommen falsch positioniert. Es gibt einen großen Überhang von Kontrakten auf steigende Preise. Der Markt ist hingegen sensationell überversorgt. Das wird sich nach Lage der Dinge über mehr als ein Jahr hinaus kaum ändern. Dieser Umstand lässt eigentlich nur die Flucht aus den bullischen Kontrakten zu. Schau’n mer mal, was nun kommt.

Die Bestandszahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) sprechen eine klare Sprache. Die Rohölvorräte kommen von ihren Höhen zurück. Sie bewegen sich gegen Normal, wobei sie immer noch hoch sind. Die Heizölvorräte werden weiter aufgeblasen. Sie explodieren förmlich. Unsere Statistik reicht bis 1987 zurück. Mittlerweile stehen die Vorräte zehn Prozent über der höchsten Spitze, die zuvor in über 20 Jahren auftrat. Die einzelnen Werte lauten wie folgt:

Rohöl: -5,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,8 (DOE) bzw. 3,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind unwesentlich höher als in der Vorwoche und etwas höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin 87 Prozent. Der Wert ist neutral zu beurteilen.

Weitere Einschätzungen zur Lage des Ölmarkts gibt es von der IEA (Internationale Energie Agentur) und der EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums ) in Form ihrer jüngsten Berichte. Die IEA hebt ihre Prognosen für dieses und das nächste Jahr ein wenig an. Damit folgt sie der Idee von der Konjunkturaufhellung. Sie sieht aber immer noch einen Rückgang der Ölnachfrage von 2,2 Prozent für 2009 vorher. Eine ähnliche Prognose gibt die EIA an. Diese ist damit aber gegenüber früheren Angaben herabgestuft. Für 2010 werden Steigerungen von 0,9 Prozent (EIA) und 1,5 Prozent (IEA) vorhergesagt. Der Zuwachs ist zu gering, um die hohen Lagerbestände zügig abzubauen. Die Welt wird demzufolge mindestens im kommenden Jahr in einer Überversorgungsphase bleiben.

Dass diese Einschätzungen von der institutionellen Spekulantenszene, die der Motor der Preisbewegung ist, aufgenommen wird, darf bezweifelt werden. Denn gewiss ist, dass Spekulanten mehr Interesse an nach oben beliebig weit steigerbaren Kursen haben als an nach unten begrenzt fallenden Kursen. Gewiss ist aber auch, dass ihnen die grenzenlose Zockerei zukünftig erschwert wird. Die Terminmarktaufsicht CFTC kam kürzlich zu dem Schluss, dass die exorbitante Preisspitze im letzten Jahr definitiv das Werk ausufernder Spekulation war. Deshalb bemüht sie sich ernsthaft um Eindämmung der Exzesse. Wenn das gelänge, wären Ölpreise deutlich über dem aktuellen Niveau in diesem und im nächsten Jahr relativ unwahrscheinlich.

Heute Morgen lässt die Preisbildung noch keine Richtung erkennen. Die Tonne Gasöl kostet 560 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York mit 72,22 Dollar. Der US-Dollar wird zu 68,42 Eurocent gehandelt. Er befindet sich im klaren Abwärtstrend. Dieser Umstand spricht gegen einen Preiszurückgang beim Öl.

Unsere Heizölpreise haben sich bisher nur wenig über das letzte Zwischentief erhoben. Es ist nicht abwegig, an eine Fortsetzung des Preisrückgangs zu glauben. Wie auch immer die Richtung der nächsten Tage ausfallen wird, stark dürfte die Veränderung nicht sein. Im Jahresverlauf rechnen wir mit zeitweise tieferen Preisen. Auf Basis dieser Überlegungen raten wir Verbrauchern dazu, bei kurzfristig zu deckendem Bedarf umgehend zu ordern. Wenn der vorhandene Tankinhalt hingegen zeitlichen Spielraum ermöglicht, sollte dieser für eine Spekulation auf tiefere Preise genutzt werden. Vollkommen frei von Spekulation ist der Rat, sich langfristig um die Reduzierung des Verbrauchs zu kümmern. Das ist der sichere Weg zur Senkung der laufenden Heizkosten.

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