Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Gut gezockt Banker

„Die Lage ist bescheiden. Ich setzte jetzt mal 100 Millionen auf Öl und 300 Millionen auf Banken. Mal sehen, ob sich was dreht am Markt.“ „Schlimmer kann es kaum werden und wenn es schief geht, wird die EZB schon helfen.“ So könnte gestern Morgen ein kurzer Dialog zwischen zwei jungen Investmentbankern geklungen haben. „Strike! Die Meute folgt uns.“ Aktien und Ölnotierungen legten trotz schlechter Fundamentaldaten kräftig zu. Da ist sie wieder, die vom Realmarktgeschehen losgelöste Preisbildung. Sie ist ein Produkt unkontrollierter Geldproduktion durch Investment- und Geschäftsbanken.

Während des Tages gab es keine Daten, die einen Anstieg der Börsenkurse rechtfertigten. Erst am Abend kam eine Meldung, die als Auslöser des bullischen Laufs zu missbrauchen war. Der Iran mahnt den Westen, die Vorbereitungen für die nächste Runde der Atomgespräche am 18. Juni nicht zu verzögern. Andernfalls könnten die Gespräche komplett scheitern. Mit dieser Nachricht lassen sich selbst in einem überversorgten Markt Versorgungsängste herbeireden. Das vermeintliche Argument wurde allerdings erst nach den großen Tagesgewinnen geliefert. Es ist somit allenfalls eine Legende.

Real ist die Lage bärisch. Die globalen Konjunkturaussichten sind eingetrübt. Die alten Industrienationen kämpfen gegen eine neue Rezession. Die Eurozusammensetzung ist kaum zu halten. Das spanische Bankensystem steht als Folge der monokulturellen Ausrichtung seiner Volkswirtschaft auf die Bauindustrie vor dem Kollaps, weil die Bauwirtschaft kollabierte. Der Ölmarkt hat derzeit eher mit der Nachfrage als mit dem Angebot zu kämpfen. Die jüngsten Daten aus den US-Tanklagern untermauern diesen Umstand. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben gestern folgende Zahlen zur wöchentlichen Veränderung der Vorräte zu Protokoll:

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,5 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 91 Prozent gestiegen. Das ist ein für die USA lange nicht mehr erreichter Wert. Er zeigt, dass der Zustrom relativ billigen Öls aus dem Norden zum Raffineriekomplex im Süden des Landes die Produktion von Benzin und Diesel attraktiv macht. Die Produkte gelangen in Ermangelung der Binnennachfrage auf den Weltmarkt. Obwohl so viel Öl wie seit Jahren nicht mehr gekocht wird, steigen die Rohölvorräte im Zentrallager in Cushing Oklahoma weiter an. Sie liegen 23 Prozent über Vorjahr. Das zeigt, dass die Rohölförderung derzeit kaum zu bändigen ist.

Ähnlich sieht es in Saudi Arabien und benachbarten Ölstaaten aus. Auch dort wird produziert was Boden und Anlagen hergeben. In allen Fällen ist es ein Raubbau an der Natur. Der wird irgendwann teuer bezahlt werden. Diesen Umstand hatten die Investmentjunkies gestern mit Sicherheit nicht auf dem Plan, als sie zum Sturm auf die Börse bliesen. Sie wollen den schnellen Gewinn.

Heute Morgen werden Gewinne eingefahren. Die Notierungen kommen von ihren hohen Werten zurück. Eine Tendenz für den Tag lässt sich daraus nicht ablesen. Die Gegenreaktion auf den Kursverfall der letzten Wochen hat weiteres Anstiegspotenzial. Der Abwärtstrend ist allerdings noch lange nicht gebrochen. Eine Fortsetzung ist aus aktueller Sicht früher oder später wahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet 875,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,03 Dollar und in London zu 100,35 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,65 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen spürbar zu. Sie können den starken Anstieg der Ölnotierungen trotz einer freundlichen Dollarentwicklung nicht abblitzen lassen. Die Substanz des Abwärtstrends bleibt vom Preisanstieg der letzten Tage unberührt. Deshalb ist die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Abgangs nach einem kurzen bullischen Zwischenspiel weiterhin berechtigt. Ihr zu folgen, ist allerdings reine Spekulation. Und die findet in einem wilden Umfeld statt, wie dieser Tage wieder deutlich wird. Wer nicht zocken will, hat im bisher aufgelaufenen Preisrückgang genug Grund, um Heizöl zu kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen