Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Gute Bestandsdaten drücken den Preis

In einem Handel mit extremen Ausschlägen nach oben und nach unten tendierten die Preise gestern günstiger. Der Preisauftrieb wurde hauptsächlich über den Atomkonflikt mit dem Iran eingebracht. Für Preisabtrieb sorgten gute Daten über die US-Ölvorräte. Die Gesamtlage ist unverändert. Bei aktuell guter Versorgung reagiert der Markt sehr nervös auf geopolitische Störungen. Der Dollar bewegte sich erneut gegen seinen Abwärtstrend. Devisenhändler sehen den Grund in der heute anstehenden Zinsentscheidung der EZB.

Im Atomkonflikt wechseln die Standpunkte häufig. Scharfmacherei durch einige Staatsoberhäupter wird mit bedächtigeren Tönen aus dem iranischen Fachressort Öl besänftigt. Der Gang des Westens zum UN-Sicherheitsrat mit der iranischen Replik, die Diplomatie zu beenden und die Atombemühungen zu forcieren, verhärtet die Fronten erneut. Die Aussicht, dass der Iran die Urananreicherung in Russland akzeptiert, schafft unerwartete Entspannung. Die Börsen sind hin und hergerissen. Sie reagieren mit heftigen Stimmungswechsels auf die jeweilige Lageeinschätzung. Ein Ende des politischen Gezerres zeichnet sich nicht ab. Der grundsätzlich bullische Einfluss dauert an.

Ganz anders sieht die reale Versorgungslage aus. Die US-Bestandsdaten zeigten erneut, dass aktuell jede Menge Öl und Ölprodukte vorhanden sind. Der Markt ist bestens versorgt. Die gestrigen Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lauten wie folgt:

Rohöl: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,9 (DOE) bzw. 8,9 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind gegenüber der Vorwoche gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr sind sie gefallen. Die Raffinerieverfügbarkeit steht immer noch bei lausigen 89 Prozent. Hierzulande sind Werte nahe 100 Prozent üblich.

In den letzten fünf Jahren war die Gesamtbevorratung nie besser. Die in die Kritik geratene Rohölersorgung findet keinen entsprechenden Widerhall in den Lagerdaten. Heizöl ist auf Grund des extrem milden Winterverlaufs in den USA kaum noch ein Thema. Die Vorräte sind deutlich überdurchschnittlich bis spitze. Der nicht stattfindende Winter erlaubt es zudem, Benzin statt Heizöl zu produzieren. Das treibt die Benzinvorräte ebenfalls überdurchschnittlich in die Höhe. Die Fachwelt erwartet im Sommer eine nie da gewesene Benzinlücke. Die wird auf Grund des extrem guten Bestandsaufbaus sicher nicht so ausfallen, wie Pessimisten das heute einschätzen. Die aktuelle Versorgung rechtfertigt deutlich tiefere Preise.

Dass es dennoch kritisch um die langfristige Versorgung steht, gilt seit einiger Zeit sogar im Weißen Haus als faktisch. Der Präsident übt sich in einer Wendepolitik. "Amerika ist süchtig nach Öl, das oft aus instabilen Teilen der Welt importiert wird ", wird er zitiert. Er will die Abhängigkeit von Ölimporten reduzieren. Dazu fordert er die Erforschung alternativer Treibstoffe. Ethanol aus Holz und Getreide sind seine Favoriten.

Zitat Bush: "Unser Ziel ist es, diese Art von Ethanol innerhalb von sechs Jahren zum Einsatz zu bringen. Durchbrüche bei dieser und anderen Technologien werden uns helfen, ein anderes großes Ziel zu erreichen: mehr als 75 Prozent unserer Ölimporte aus dem Nahen Osten bis 2025 zu ersetzen."

Bush will in der kommenden Woche zusätzliche Mittel für 2007 zur Förderung sauberer Energien beantragen. Mit einem Haushaltsplus von 22 Prozent sollen Sonnen- und Windenergie ebenso gefördert werden wie Atomenergie, Kohle und Hybridautos.

Kritiker zweifeln, dass es dem von der Ölindustrie abhängigen Präsidenten gelingt, die Ankündigungen durchzusetzen. Die Ölbörsen haben die Ansage bisher ignoriert. An den Aktienbörsen reagieren ?grüne? Titel positiv.

Heute Morgen setzt sich die gestern Abend eingeleitete Abwärtstendenz der Preisbildung fort. Die Tonne Gasöl kostet 550 $.

Unsere Heizölpreise sinken den zweiten Tag in Folge. Sie folgen den Impulsen des Weltmarkts. Ein Trend lässt sich aus der eher zufälligen Bewegung nicht ablesen. Die Ölbörsen sind angesichts der wechselhaften geopolitischen Stimmungslage zu jeder plötzlichen Bewegung bereit. Der Grundton ist verhalten bullisch. Die Chance, dass die Heizölpreise dennoch eher seitwärts tendieren ist durchaus gegeben. Wer Brennstoff braucht, sollte aber nicht lange auf bessere Zeiten warten.

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