Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Gute US-Bestandsdaten helfen nicht

Gestern ging die Rallye der Rohölpreise weiter, obwohl bekannt wurde, dass die US-Rohöllager unerwartet gute Zuflüsse hatten. Heizöl droht immer mehr in den Sog der Rohölpreisentwicklung zu geraten. Noch halten sich die Preise wacker in einer Seitwärtsbewegung. Grund für den starken bullischen Einfluss sind die politischen Situationen um den Iran und in Nigeria. Der Dollar verharrt fast unbewegt im Seitwärtsgang. Gute US-Arbeitsmarktdaten verhindern einen weitern Anstieg des Euros.

Die Ölpreise leiden unter schlechtem politischen Stil. Er ist z.Z. grob und platt. Die Diplomatie ist im Urlaub. Die Scharfmacher haben das Wort. Der iranische Präsident Ahmadinedschad hat vor Wochen mit dem Aufruf zur Vernichtung Israels vorgelegt. Die jüngsten Äußerungen aus westlicher Hemisphäre im Atomstreit klingen nicht viel besser. Frankreichs Präsident Chirac droht mit dem Einsatz von Atomwaffen. Der US-Vize Cheney findet die Idee nicht abwegig. Vor dieser verbalen Eskalation stand bereits die Drohung des Iran, am Ölhahn zu drehen, wenn man dem Land sein ?legitimes? Interesse an der Entwicklung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken nicht zugesteht. Das Land beansprucht einen eigenen geschlossen Brennstoffkreislauf. Der dient aber auch dem Bau der Atombombe. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Iran eben diese Bombe haben will. Der Westen will das iranische Öl haben. Bekommt er es nicht, droht eine Preisexplosion. Die ist allemal sicherer als die Explosion der Bombe in iranischer Hand.

Das Problem mit dem Öl ist, dass sich sein Besitz in den kommenden Jahren immer weiter in Richtung arabische Welt verlagern wird, weil westliches Öl zu Ende geht. Das Problem mit der Atomenergie ist ihr inhärentes und ultimatives Gefahrenpotenzial, das gleichermaßen für friedliche wie für militärische Zwecke eingesetzt werden kann. Wer Atomenergie will, muss mit beiden Gefahren leben. Man scheint sich noch nicht im Klaren darüber zu sein, ob man die Probleme nun durch Annäherung oder durch Konfrontation lösen will. Solange Konfrontation als Möglichkeit gehandelt wird, werden die Ölpreise tendenziell steigen. Die Börse mag keine eskalierende Politik.

Zur Eskalation kommt es auch in Nigeria. Dort herrscht mittlerweile Krieg in den Ölgebieten. Nachdem zunächst nur die Shell Ziel von Rebellenangriffen war, stehen nun alle internationalen Konzerne im Fadenkreuz. Anlass für die kriegerischen Attacken ist die Armut im Land. Nigeria ist eines der ölreichsten Länder der Erde. Es steht auf einer Stufe mit den Arabischen Emiraten und Kuwait. Das Volk hat dieser Reichtum aber nie erreicht. Die Rebellen machen die internationalen Konzerne für die Ausbeutung verantwortlich. Sie wollen sie vertreiben. Shell hat bisher über 300 Mitarbeiter zurückgezogen. Dadurch ist die Produktion Nigerias um über 8 Prozent gefallen.

Nigerianische Politiker kritisieren die Rebellen aber auch die internationalen Konzerne. Shell haftet die Beteiligung an der brutalen Niederschlagung eines Aufstands in den Ölgebieten in den 90er-Jahren an, meint der Vorsitzende des Ölausschusses im nigerianischen Parlament, Cairo Ojougbon. "Shell muss anfangen, die Gesetze dieses Landes zu respektieren", wird er zitiert. Es sieht so aus, als wurde hier die falsche politische Wahl zwischen Annäherung und Konfrontation getroffen. Sie kommt uns heute teuer zu stehen.

Gegen die starken bullischen Impulse war die bärische Einflussmöglichkeit der gestern veröffentlichten Daten über die US-Vorräte machtlos. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen vor:

Rohöl: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,4 (DOE) bzw. 5,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind niedriger als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist noch schlechter als in der Vorwoche. Sie beträgt 88 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 94 Prozent. Insgesamt sind die Vorräte in jeder Beziehung gut. Die anhaltend milden Temperaturen in den US-Heizölregionen verflüchtigen jeden Zweifel an der Heizölversorgung. Selbst die dramatisch schlechte Lage der Raffinerien wird dadurch überdeckt. Kurzfristig gibt es kein Versorgungsproblem. An der Börse wird z.Z. aber nicht Kurzfrist sondern Perspektive gehandelt. Und die hat einen schlechten Stand.

Heute Morgen zieht der Gasölpreis deutlich an. Die Tonne kostet 546 $.

Unsere Heizölpreise bekamen nur eine kurze Entspannung. Sie ziehen schon wieder an. Der Weltmarkt ist wegen des Atomsstreits und der Lage in Nigeria im bullischen Aufruhr. Die Heizölpreise geraten immer stärker in Gefahr, hochgerissen zu werden. Es gibt kein Versorgungsproblem, aber es gibt ein Preisproblem. Das liegt in der extremen Differenz zwischen teurem Rohöl und vergleichsweise günstigem Heizöl. Es ist zu befürchten, dass diese Lücke zu Ungunsten der Heizölpreise geschlossen wird.

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