Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Gute US-Bestandsdaten helfen nicht

Trotz guter US-Bestandsdaten bleibt die Preisentwicklung bullisch. Die für den Heizölpreis relevanten Gasoil und Heating Oil Futures schlossen gestern nahe ihrer Jahreshöchststände. Dass sich ein einsetzender Preisrückgang nicht halten konnte, wird der Entwicklung in Nigeria zugeschrieben. Man befürchtet weitere Förderrückschläge als Folge eines Generalstreiks. Der Dollar scheint seine Gegenreaktion zum Aufwärtstrend beendet zu haben. Er folgt momentan einer Ende April aufgenommenen moderaten Anstiegslinie.

Die Lage der Ölindustrie in Nigeria ist seit Monaten angespannt. Ihre Produktion ist um ein Drittel reduziert. Rebellen kämpfen seit Jahren gegen internationale Ölgesellschaften, denen sie Ausbeutung vorwerfen. Im April kam es zu Präsidentschaftswahlen, die nach Ansicht der Opposition manipuliert wurden. Danach gingen Unruhen vom ganzen Volk aus. Nach der Vereidigung des neuen Präsidenten Umaru Yar'Adua rechnete man mit einem Abflauen der Volkszorns. Nigeria verschwand für kurze Zeit von der Themenliste der Börsianer, obwohl sich keine nennenswerte Besserung der Ölproduktion einstellte. Inzwischen herrscht ein Generalstreik. Eine weitere Reduzierung der Ölproduktion sei noch nicht eingetreten. Aber die Hoffung auf Besserung ist verfolgen. Daher steht Nigeria wieder auf der Liste der bullischen Argumente.

Auf dieser Liste befindet sich auch der Iran. Im Atomstreit sind die Fronten verhärtet. Teheran nimmt für sich das Recht in Anspruch, den Kreislauf zur Nutzung der Atomenergie vollkommen eigenständig zu schließen. Experten sehen diese Position im Einklang mit dem Völkerrecht. Westliche Nationen, aber auch Russland befürchten, dass der Iran den Bau der Atombombe anstrebt. Daher spricht man dem Land das Recht auf Autonomie bei der Atomenergie ab. Das ist eine zweifelhafte Position. Indem sich der Iran der Beobachtung der internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) entzogen hat, sieht sich das Land nun aber zu Recht dem Druck der UNO ausgesetzt, die Sanktionen verhängt hat. Die USA bemühen sich, das Drohpotential heraufzuschrauben. Es sieht schärfere Sanktionen aber auch ein mögliches militärisches Eingreifen vor. Der Iran konterte jüngst mit der Drohung, die Öllieferungen einzustellen.

Die Topmeldung des gestrigen Handelstages sollten wieder einmal DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) mit den US-Bestandszahlen liefern. Die waren zumindest vom DOE überraschend positiv. Die Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +6,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,8 (DOE) bzw. 2,4 (API) Mio. Barrel. Die Unterschiede in den Zahlen setzen zwar die Überzeugungskraft herab. Sie bewirken aber immerhin, dass die von beiden Organisationen ausgewiesenen Gesamtbestände näher zusammenrücken. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit fällt erneut auf nun 88 Prozent zurück. Dieser Wert ist ein weiterer bullischer Faktor. Man erhoffte sich nach dem Abschluss vieler geplanter Revisionen einen Anstieg der Verfügbarkeit. Angesichts überalterter Technik überrascht es nicht, dass dieser nicht eintritt. Vor einem Jahr lag die Verfügbarkeit ca. acht Prozent höher. Eine derartige Verbesserung erscheint momentan undenkbar. Die USA werden ihre Eigenversorgungsfähigkeit auch bei den Produkten immer weiter einbüßen und zunehmend vom Nahen Osten abhängen. Zumindest mit Blick auf Kraft- und Brennstoffe ist das eine selbstverschuldete Situation.

Heute Morgen hält der Gasölpreis das gestrige Niveau. Die Tonne kostet 620,50 $.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Der Binnenmarkt liegt nach wie vor im Wachkoma. Das Kaufinteresse geht gegen Null. Die Margen beginnen sich zu erholen, nachdem sie teilweise ausradiert waren. Im Handel erkennt man, dass leichte Preisreduzierungen durch Margenverzicht nicht mehr Kunden sondern nur Existenzprobleme schaffen. Verbraucher zahlen weiterhin weniger für ihr Heizöl als vor einem Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise in den kommenden Wochen anziehen werden, ist hoch.

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