Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Gute Vorräte, schlechte Stimmung

65$ pro Barrel sind überschritten. Alle Produkte haben neue Höchstpreise markiert. Die US-Bestandsdaten hätten einen anderen Kursverlauf erwarten lassen. Aber die Aufwärtsdynamik setzt sich gegen die reale Versorgungslage durch. Sie bezieht ihre Kraft aus sich selbst und aus einer negativen Einstellung zur Zukunft der Ölversorgung. Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend mit weniger Dynamik fort.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten unterschiedliche Zahlen zum selben Thema vor:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ist eine gemeinsame Tendenz zu erkennen. Die Vorräte wurden um 3,3 (DOE) bzw. 3,8 (API) Mio. Barrel aufgebaut. Die Marktteilnehmer würdigten diesen positiven Umstand ca. 30 Minuten lang mit fallenden Preisen. Als 63$ für das Barrel Rohöl erreicht waren, wurde zum Sturm auf die Marke von 65$ geblasen. Alles, was als Argument für steigende Preise zu gebrauchen war, erhielt seinen Wert. Defekte Raffinerien, Terrorängste, Irans unnachgiebige Haltung im Atomstreit, Hurrikanängste.

Die Verfügbarkeit der US-Raffinerien betrug laut API 94,2% in der vergangenen Woche. Der Wert ist nicht gut. Er liegt knapp unter dem Wert der Vorwoche und des Vorjahres. Eine Preisrallye rechtfertigt er aber nicht. Es gab schon weit schlechtere Verfügbarkeiten.

Die Bestände haben im Rahmen der jüngeren Historie einen hohen Stand. Sie liegen ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2002. Seitdem wurde Rohöl um 150% teurer. Die Preisentwicklung befindet sich in einem Hype. Sie hat sich von der Angebots-Nachfrage-Balance zur Preisfindung entfernt. Gehandelt wird die Sicht der Zukunft der Ölversorgung. Und die ist breit interpretierbar. So wird beispielsweise der Umstand, dass die US-Importzahlen sehr hoch sind, nicht als Fähigkeit, sich in der Welt einzudecken, gesehen sondern als Mangel an Eigenversorgung und damit als Gefahr.

In den Bestandszahlen werden nicht die hohen Rohölvorräte als Grundsicherheit der Versorgung gewertet. Auch finden die enorm gestiegenen Heizölvorräte, die die Sorge vor Versorgungsengpässen im Winter längst als absurd erscheinen lassen keine Freunde. Statt dessen rufen die seit Wochen gefallenen Benzinvorräte neue Versorgungsängste hervor. Die Vorräte stehen noch nicht einmal historisch tief.

Warum sich soviel preistreibende Angst an den Ölbörsen breit machen konnte, ist eine interessante Frage, die eingehende Betrachtung verdiente. Ohne Zweifel spielt George Bushs Politik eine Rolle dabei. U.U. trägt der Mangel an Utopien für die Industriegesellschaften dazu bei. Die Frage kann an dieser Stelle nicht gebührend erörtert werden. Wir können nur konstatieren, dass die Angst die Preisbildung regiert und dass sie sie langfristig regieren wird. Es ist nicht absehbar, dass es in naher Zukunft einen Paradigmenwechsel geben wird. Allenfalls kann man davon ausgehen, dass eine angstgetriebene Preisbewegung für kurzfristige Stimmungswandel mit plötzlichen Einbrüchen empfänglich ist. Nachhaltig werden diese nicht sein.

Heute Morgen ziehen die Gasölpreise weiter an. Die Tonne kostet 578,50$. Das ist ein neuer Höchstpreis.

Unsere Heizölpreise werden nur von einem im Vergleich zum Juli schwächeren Dollar vor neuen Rekordwerten bewahrt. Es ist eine Frage von kurzer Zeit, bis neue Höchstpreise markiert werden. Die Bewegung der letzten Tage kam für uns überraschend schnell. Dass in der zweiten Jahreshälfte neue Preisrekorde erreicht werden, entspricht hingegen den Erwartungen. Daher kommt der Rat, lieber früher als später Heizöl zu kaufen, wenn der Vorrat nicht bis in den Winter hinein reichen sollte.

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