Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Gute Vorräte bei Heizöl und Benzin drücken Preise

Die US-Bestandsdaten brachten gestern eine Überraschung zu Tage. Die Raffineriehauptprodukte Heizöl und Benzin sind kräftig gestiegen. Das setzte die Preise umgehend unter Druck. Rohöl behält dagegen seine bullische Komponente, weil die Vorräte gefallen sind und der Atomkonflikt mit dem Iran an Schärfe zunimmt. Insgesamt ergibt sich eine labile neutrale Lage für die Ölpreisbildung. Der Dollar setzt seinen Abwärtstrend mit weiteren Verlusten fort. Begründet wird das mit den guten Konjunkturaussichten für die Eurozone und schwindenden Phantasien zu Zinsen und Konjunktur in den USA.

Die politische Komponente in den Ölpreisen ist zum Jahresbeginn hoch. Der Gaskonflikt zwischen der Ukraine und Russland macht deutlich, dass die Energieträger nicht in einem freien Markt gehandelt werden. Die ungleiche Verteilung der insgesamt knappen Ware Energie gibt den energiereichen Staaten die Möglichkeit, mehr als Geld für ihr Angebot einzufordern. Diese Erkenntnis behält der Markt auch nach der relativ raschen Beendigung des Gasstreits. Und die Erkenntnis wird erneut strapaziert. Der Atomstreit mit dem Iran geht in die nächste Eskalationsstufe. Als viertgrößter Ölproduzent der Welt nach Russland, Saudi Arabien und den USA verfügt das Land über ein starkes Pfand, das es zur Durchsetzung seiner Ziele einsetzen könnte. Ob die Ölwaffe wirklich zum Einsatz kommt, ist höchst spekulativ. Allein die Möglichkeit hat bereits für eine bullische Einstellung der Märkte gesorgt.

Unter wirtschaftlichen Aspekten kann die Ölwaffe, d.h. das Drosseln oder Einstellen von Öllieferungen, nicht zum Einsatz kommen. Der Iran hat gewaltige ökonomische Probleme. Mindereinnahmen aus den Öllieferungen kann sich das Land unter keinen Umständen leisten. Es ist aber fundamentalistisch regiert. Damit sind die Reglements westlicher Industrienationen außer Kraft gesetzt. Die wirtschaftliche Folge eines bestimmten Handelns könnte schlicht zu Gunsten anderer Effekte ignoriert werden. Das Fehlen von 2,7 Mio. iranischen Barrel täglich und die sich daraus ergebenden Folgen für den Ölpreis müssen die Gegner der iranischen Atompolitik ins Kalkül ziehen.

Vor diesem Hintergrund ist der Rückgang der US-Rohölbestände gegenüber der Woche ein eindeutig bullisches Ereignis. Der Blick auf die Vorratsentwicklung der letzten fünf Jahre zeigt zwar, dass sie aktuell vollkommen komfortabel ist. Das beruhigt die von Angst beseelte Börsenpsyche aber keineswegs.

Äußerst beruhigend wirkt dagegen der unerwartet starke Zugewinn an Heizöl und Benzin in den Vorratslagern. Er nimmt der gerade beginnenden Sorge über die Benzinversorgung der USA im Frühjahr die Schärfe. Das weiterhin milde Wetter kommt unterstützend hinzu. Die mangelhafte Raffineriekapazität wird damit kurzfristig aus der relevanten Themenliste verbannt.

Im Einzelnen legten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern folgende Zahlen vor:

Rohöl: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +4,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,5 (DOE) bzw. 6,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist mit 89 Prozent ein Jammer.

Zum Jahreswechsel kamen einige große Spekulanten, das sind üblicherweise Banken, mit Preisprognosen heraus, die Rohöl im Mittel für 2006 unter 60 Dollar pro Barrel sehen. Mittlerweile haben sich andere Banken gemeldet, die deutlich höhere Werte angeben. Die Einschätzung der Prognosenachzügler sieht die Preisentwicklung des Jahres 2005 in 2006 tendenziell fortgesetzt. D.h., der langfristige Aufwärtstrend bleibt bestehen. Es werden neue Höchstpreise erwartet. Begründet wird das mit der steigenden Nachfrage und zwar erhöhten aber immer noch ungenügenden Investitionen in die Ölinfrastruktur. Insbesondere die großen Publikumsgesellschaften scheuen die gewaltigen Ausgaben, weil sie Angst haben, sich mit ihrer Investitionsrechnung zu verkalkulieren. Zweifelsohne ist diese Rechnung ein schwieriger Job. Er verlangt eine haltbare Preisprognose über zehn Jahre und mehr. In den 1980er Jahren sind die Gesellschaften mit ihren Berechnungen gewaltig auf den Bauch gefallen. Aus Sorge, die Fehler zu wiederholen, wird der Mangel derzeit eher verwaltet als angegangen. Und ein radikales Umdenken hin zu Energieeffizienz als Alternative zu nicht geleisteten Investitionen in die Ölinfrastruktur ist noch nicht angelaufen.

Kurzfristig befindet sich die Preisbewegung des Gasöls in einer ausgewogenen Seitwärtsbewegung. Heute Morgen kostet die Tonne 522 $.

Unsere Heizölpreise sinken weiter. Die Abwärtskomponente kommt vom Dollar nicht vom Öl. Der internationale Ölmarkt liefert dem Heizöl keine spektakuläre Vorgabe. Der Trend geht eindeutlich seitwärts. Die Inlandsnachfrage ist gering. Margen geraten wieder unter Druck. Da die langfristige Preisentwicklung eher aufwärts zeigen wird, halten wir es für angebracht, sich mit Heizöl einzudecken. Eile ist dabei nicht unbedingt geboten. Denn kurzfristig sehen wir den Seitwärtstrend als intakt an.

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