Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Höchstpreise ante portas

In der letzten Woche setzte sich der Aufwärtstrend am Weltmarkt fort. Den wesentlichen Sprung gab es am Freitag. Er wurde von Befürchtungen über eine Ölverknappung und extrem kaufwillige Investmentfonds ausgelöst. Schlechte Arbeitsmarktdaten in den USA verpassten dem Dollar einen Dämpfer, so dass der Ölpreisanstieg in Europa nicht spürbar wurde.

In dieser Woche nimmt der Rekordkurs der Ölpreise mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter seinen Lauf. Man geht davon aus, dass in Kürze die Höchstpreise, die vor Beginn des Irakkriegs erreicht wurden, überschritten werden. Die Hoffnungen ruhen hierzulande auf dem Dollar. Es wäre bereits ein Erfolg, wenn er den Preisanstieg am Weltmarkt neutralisieren könnte.

Es gibt eine Reihe fundamentaler Gründe für den unaufhaltsamen Anstieg der Rohölpreise. Die OPEC hat sich in ihren Prognosen über die Ölnachfrage verspekuliert. Ein Nachfrageeinbruch, der Grundlage für die Entscheidung der Angebotsverknappung war, blieb bisher aus. Inzwischen stellt sich die Frage, ob die Fehlkalkulation ein Versehen war oder ob sie billigend in Kauf genommen wurde. Einige OPEC-Mitglieder sehen sich nach den jüngsten Erkenntnissen nicht mehr genötigt, die Mengen zu reduzieren. Saudi Arabien, die Ölvormacht schlechthin, will aber einstweilen an der Kürzungsentscheidung festhalten. Damit zeigt sich das Land als eindeutiger Preistreiber. Die Politik des undemokratischen Wüstenstaates erweist sich entgegen dem äußeren Schein als contra westlich.

In Venezuela, dem wichtigsten Öllieferanten der USA, gehen die Unruhen weiter. Das Volk begehrt gegen den Präsidenten auf, dem sie die Schuld an der stetigen Verschlechterung der sozialen Lage geben. Die USA drohen mit einem militärischen Eingreifen, wenn die Lage nicht unter Kontrolle kommt. Der Präsident droht mit einem Lieferboykott, wenn die USA sich nicht zurückhalten. Die Bilanz der letzten Tage sind acht tote Demonstranten. Dennoch scheint ein Bürgerkrieg vermieden werden zu können.

Der Ölbedarf der USA ist gewaltig. Die Benzinvorräte sind knapp und müssen, wenn eine Krise vermieden werden soll, vor Beginn der Fahrsaison aufgestockt werden. Der Energieminister Abraham kündigt bereits massive Preissteigerungen für das ohnehin teure Benzin an. Neben dem hohen Rohöl werden die Preise von zu knappen Produktionskapazitäten für Benzin getrieben.

Aktuell beeindruckt die Häufung von fundamentalen Gründen die Gemüter derart, dass Szenarien über einen weltweiten Mangel an Öl wieder Konjunktur bekommen. Dass Öl eines Tages Mangelware werden wird, ist sicher. Wenn die Versorgung gut läuft, wird dieser Tag in weite Ferne gerückt. Wenn sich die Probleme wie momentan häufen, scheint dieser Tag aber in greifbarer Nähe zu liegen.

Investmentfonds spekulieren offensichtlich seit einiger Zeit auf das letzte Szenario. Der Kaufrausch für Kontrakte auf steigende Preise nimmt von Woche zu Woche zu. Man kann nur hoffen, dass ein so bullisches Verhalten in einer Spekulationsblase endet, die irgendwann platzt.

Wir Europäer befinden uns noch im Schutz des Dollars. Die Ölpreise sind hierzulande auf Grund der billigen US-Währung gerade noch akzeptabel. Momentan scheint uns die Dollarbewegung weiter gewogen zu sein.

Der Gasölpreis stieg in der letzten Woche ebenfalls an. Insgesamt stehen die Zeichen bei Gasöl und Heizöl etwas besser als beim Rohöl und Benzin. Heute Morgen ist der Gasölpreis unverändert zu Freitag. Die Tonne kostet 285,25$.

Unsere Heizölpreise legten in der letzten Woche deutlich zu. Sie stehen jetzt an der Grenze der kaufenswerten Zone. Im besten Fall halten sie sich in dieser Woche auf diesem Niveau. Die Möglichkeit, dass Heizöl teurer wird, halten wird aktuell für wahrscheinlicher als eine nennenswerte Verbilligung. Aber immerhin, 3000 Liter des Brennstoffs waren vor einem Jahr 22% teurer.

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