Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Haben Sie mal ’nen Euro?

Irgendjemand muss dem Geldadel helfen, aus der Nummer mit dem Heizöl herauszukommen. Nach Lage der Dinge drohen schon wieder schwere Verluste. Bevor der obligatorische Ruf nach dem Staat erklingt, könnten die Verbraucher selbst zur Rettung beitragen. Heizen Sie! Besser noch, verheizen Sie Ihr Heizöl doch einfach! Dabei sollten Sie keine Bescheidenheit an den Tag legen. Der Schlot muss schon richtig rauchen. Schließlich geht es um das Abwracken eines historisch hohen Lagerbestands. Und fragen Sie bitte nicht, wer Ihr verheiztes Heizöl bezahlen soll. Das geht natürlich zu Ihren Lasten. Die Alternative, d.h. die Finanzhilfe für den Geldadel, müssten Sie ja auch bezahlen.

Die Sorge um die institutionellen Spekulanten hat folgenden Hintergrund: Seit ungefähr fünf Monaten engagieren sich eben diese Spekulanten im Heizölgeschäft. Genauer gesagt, sie kaufen immer mehr Heizölkontrakte auf steigende Kurse. Ihr Engagement war nie höher als heute. Nun stiegen die Kurse in der Tat. Man könnte meinen, die Spieler hätten ein glückliches Händchen bewiesen. Die Frage ist jetzt allerdings, wie sie an ihr verdientes Geld herankommen. Denn momentan haben sie nur Buchgewinne eingefahren. Um daraus echtes Geld zu machen, müssen sie ihre Kontrakte verkaufen. Und da beginnt das Problem. Wer soll sich für die Papiere interessieren? Wer ist so blöd und kauft relativ teure Heizölkontrakte in einer Zeit, in der die Lager randvoll sind? Noch scheinen sich solche Leute zu finden. Sie glauben vielleicht daran, dass sich die Wirtschaft rasant erholt und sich dann über die vollen Lager hermacht. Aber ihre Hoffnungen werden durch anders lautende Prognosen konterkariert. Die jüngsten Monatsberichte von OPEC, EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums) und IEA (Internationale Energie Agentur) sind beileibe keine Mutmacher. Die letzten Käufer werden sich wohl der bitteren Wahrheit stellen müssen, dass sie erneut einem Schneeballsystem aufgesessen sind. Schlaue Leute haben den Ball ins rollen gebracht. Die gierige Meute ist ihnen gefolgt. Man sollte sich nicht wundern, wenn die lachenden Initiatoren bei Goldman & Sachs und bei der Deutschen Bank säßen. Die haben ihre Buchgewinne bestimmt schon eingelöst.

Im besten Fall finden die Dummen noch mehr Dumme. Dann steigen die Preise weiter. Sollten sich keine weiteren Dummen finden, könnten die letzten Dummen die Sache auszusitzen versuchen. Das würde die Preise auf dem aktuellen Niveau stabilisieren. Aber wehe einer dieser Dummen versucht den Ausstieg. Dann wird es zu einer panischen Flucht kommen. Die lässt die Preise einstürzen. Dass dieser dritte Fall irgendwann eintritt, ist sehr wahrscheinlich.

Wir entschuldigen uns für die Qual, die die folgenden Zahlen den derzeit investierten Spekulanten bereiten. Aber wir meinen, sie sind es wert, genannt zu werden. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten folgende Daten über die wöchentliche Veränderung in den US-Lagern vor:

Rohöl: +2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,1 (API) Mio. Barrel. Im Zweifel bekommen die DOE-Zahlen das höhere Vertrauen der Börsianer. Die absoluten Bestände sind nach wie vor extrem hoch, wobei Heizöl der höchste Einzelposten ist. Die Importe gehen immer weiter zurück. Sie sind erneut tiefer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieverfügbarkeit ist auf 84 Prozent gesunken. Das ist allemal genug, um die dürftige Nachfrage zu befriedigen.

Um diese Nachfrage ist es aus Sicht von Wachstumsfetischisten schlecht bestellt. Sie wird in diesem Jahr sinken. Die IEA reduziert die Rückgangsrate ein wenig. OPEC und EIA halten an früheren Prognosen fest. Für das nächste Jahr sehen alle drei Institutionen ein schwaches Wachstum vorher. Im Vergleich zu früher üblichen Steigerungsraten ist es gering. Zum deutlichen Abbau der hohen Lagerbestände wird es kaum reichen, zumal das Angebot hoch ist und bei der OPEC selten hohe Reservekapazitäten schlummern.

Ungeachtet dessen neigen die Preise heute Morgen zum Steigen. Charttechnisch lässt sich derzeit kein klares Signal für weiteren Preisrückgang ausmachen. Die Tonne Gasöl kostet 595,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 70,95 Dollar und in London 73,86 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,16 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben nach. Einen großen Schritt abwärts legten sie leider nicht zurück. Wir erwarten weiteren Abgang. Der muss allerdings nicht zeitnah erfolgen. Die spekulativen Preistreiber haben das Heft offensichtlich noch in der Hand. Ihre mit Spielgeld prall gefüllten Kassen geben ihnen einen langen Atem. So können die Preise weiter in die aus heutiger Sicht falsche Richtung getrieben werden. Der einzige Sinn, der darin zu erkennen ist, besteht in der langfristigen Signalwirkung auf das Verbrauchsverhalten. Der Verbrauch muss in der kommenden Dekade nämlich deutlich reduziert werden, um neue Preisexzesse wie im letzten Jahr zu verhindern. Hilfe zum Thema Verbrauchsanalyse finden Sie hier: www.esytrol.com

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