Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Die Moral ist dahin

Internationaler Markt

Öl ist der Treibstoff unseres Lebensstils. Seine Insignien sind Autos und Konsumartikel jeglicher Art. Sein kulturelles Zentrum sind die USA, so wie sie vor gut 50 Jahren waren. Der ölgeprägte Lebensstil ist eine globale Erfolgsgeschichte. Sie überzeugt durch ihren Nutzwert und die daraus abgeleiteten moralischen Leitbilder.

1970 bekam die Erfolgsgeschichte einen Riss. Die USA erlebten ihr Peak Oil, den Moment maximaler Ölförderung. Die damals aus US-Böden gepumpten Mengen wurden bis heute nie wieder erreicht und es bestehen bei allem Respekt für die neue Öleuphorie des Landes berechtigte Zweifel, dass sie noch einmal erreicht werden. Der Idee des Lebensstils sollte das nicht schaden. Um seine Praxis fortsetzen zu können, wurde Öl in immer größeren Mengen importiert. Schnell zeichnete sich, dass die Importnotwendigkeit zur Pflege des Lebensstils die Finanzierungsmöglichkeit der USA überfordern wird. Öl und seine Finanzierung kamen auf die politische Agenda, so wie es in Kriegszeiten üblich war und ist.

Als erste Konsequenz gaben die USA 1971 die Goldbindung ihrer Währung auf und gingen zu einem kreditbasierten System über, in dem Geld keinen natürlichen Wert mehr besitzt. Ein solches System ist in modernen Volkswirtschaften üblich. Um es wertstabil zu halten, ist eine regulierende Institution vom Typ der deutschen Bundesbank nötig, die die Geldmenge an die realwirtschaftlichen Gegebenheiten anpasst. Diese Institution muss unabhängig von Wünschen und Bedürfnissen der Politik und der Wirtschaft agieren können. Ist das nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass Wunsch und Wirklichkeit in Form kreditfinanzierter Phantasien und realer Schulden auseinanderdriften. Genau das ist in den USA, aber auch andernorts, geschehen. Es begann ein Wettlauf zwischen notwendigem Wirtschaftswachstum und leichtfertiger Verschuldung, der kaum zu gewinnen ist.

Anfang der 1980er Jahre drohte ein Kollaps des geänderten Finanzsystems. Zu seiner Rettung wurden die Zinsen in heute unvorstellbare Höhen (bis zu 20 Prozent) getrieben. Das drückte die Wirtschaft in eine Rezession. Die USA lösten das Problem mit Hilfe ihrer Währungsdominanz. Die Tatsache, dass der Dollar nicht nur Staats-, sondern Weltwährung ist, verschafft ihnen eine vergrößerte Schuldenbasis. Die geht selbstverständlich auf Kosten der Welt. Neben der freiwilligen Unterwerfung der Welt unter den US-Dollar half die militärische Macht der USA, die eigene Lage zu entschärfen, indem sie ölexportierende Staaten zwangen, Öl unter Wert zu verkaufen. Davon profitierten nicht zuletzt ihre Alliierten.

In den darauf folgenden Jahren veränderte sich der Umgang mit dem Geld- und Finanzsystem fundamental. Eine weitreichende Deregulierung löste die Finanzentwicklung von der Entwicklung der Realwirtschaft. Es war die Geburtsstunde, aus Geld Geld zu machen. Diese Erfindung erzeugte eine euphorische Wirtschaftsphase, in der es allerdings nicht gelang, die Realwirtschaft im Gleichtakt mit der Finanzwirtschaft zu entwickeln. Haupthindernis war die begrenzte Ressourcenbasis auf der einen Seite und die Unbegrenztheit des nun vollständig virtuellen Finanzsystems auf der anderen Seite. Die Erde bietet keine Grundlage für grenzenloses Realwachstum. Bis heute ist der Wert der neu geschaffenen Finanzvermögen auf das Vierfache der realen Waren- und Dienstleistungswerte angewachsen.

Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt. Die Blase drohte 2008 zu zerplatzen. Ausgeblendet wird üblicherweise, dass die Krise nicht durch Lehman, sondern durch explodierende Ölpreise bei gleichzeitig einbrechenden Aktienwerten ausgelöst wurde. Damals schien die Überforderung der Ressourcenbasis (Peak Oil) zum Greifen nahe zu sein. Das Platzen der Blase wird seit der Zeit verhindert, indem immer mehr irreales Geld ins System gepumpt wird. Eine Stabilisierung oder eine Rückkehr zu einer durch reale Leistung gedeckten Währung findet nicht statt und ist aus heutiger Sicht undenkbar. Die Erfolgsgeschichte des ölgeprägten Lebensstils funktioniert nicht mehr. Mehr als an den absehbaren Problemen mit der Ressourcenbasis zeigt sich das an Problemen mit seiner Glaubwürdigkeit. Kaum etwas an diesem Lebensstil behält seine moralische Integrität.

Am Ölmarkt wird keine Moral, sondern Finanzvermögen gehandelt. Es genießt heute Morgen keine Zuversicht und verliert an Wert. Die Tonne Gasöl kostet 908,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,16 Dollar und in London zu 107,72 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,32 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Gestern kamen die Vorgaben von den Öl- und Devisennotierungen. Die Börsen lieferten gerade rechtzeitig, um die bestehenden mittel- und längerfristigen Abwärtstrends für Heizöl am Leben zu halten. Der kurzfristige Aufwärtstrend besteht allerdings weiterhin. Im Binnenmarkt herrscht weiterhin sommerliche Ruhe. Die Vorlieferanten nehmen gleichwohl auch im Binnenmarkt Einfluss auf die Preise. Sie reduzieren die erhöhende Wirkung der letzten Tage wieder. Die Aussichten für den Jahresverlauf beurteilen wir unverändert freundlich. Zwar besteht eine erhöhte Gefahr auf Grund des Gelddopings durch die Notenbanken. Die physische Angebotslage ist aber so gut, dass wir tiefere Preise für wahrscheinlicher halten als steigende Preise. Wer sich über den jüngsten Preisanstieg immer noch ärgert, sei darauf hingewiesen, dass Heizöl deutlich billiger ist als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Serie freundlicher Konjunkturdaten
Spannungsbedingte (sozial, politisch) Ausfälle in wichtigen Ölstaaten
Einige kleinere Infrastrukturstörungen
Rohölbedarf soll deutlich steigen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
EIA-Monatsbericht
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Produktenangebot soll deutlich steigen
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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