Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Spekulanten finden Bullisches für den Preis

Internationaler Markt

Freunde des dauerhaften Wachstums sehen die volkswirtschaftliche Datenlage bei Schwergewichten wie den USA, Europa und China mit Sorge. Wer eine Welt des permanenten Gewinns will, läuft Gefahr, als Verlierer dazustehen, weil das Ziel nicht erreicht wird. Eine gewisse Zeit kann persönlicher Gewinn aus dem Verlust anderer erzielt werden. Auf Dauer funktioniert das Modell nicht, weil es in eine Abwärtsspirale führt. In den alten Industrieländern deutet sich auch keine Utopie an, die eine neue Wohlstandswelle beflügeln könnte, aus der sowohl die Allgemeinheit als auch die Eliten neue Gewinne erzielen werden. Einzig verbleibende Hoffnung ist derzeit die massenhafte Kopie alter Konsumideale der einstigen Avantgarde bei den neuen Wachstumsländern. Einige alte Volkswirtschaften können aus dem vorübergehenden „Goldrausch“ als Schaufellieferant Profit ziehen. Viele versacken in den Problemen ungenügender gesellschaftlicher Partizipation.

Rohstofflieferanten agieren mit dem Zwiespalt, über Wachstum oder über Verknappung Gewinn zu erzielen. Moralisch und strategisch ist es ihnen gleichgültig, welche Taktik im Augenblick besser funktioniert. Gemäß der oben skizzierten Lage sind die Wachstumsaussichten nicht mehr überzeugend. Durch den neuen, temporären Energiereichtum gilt Gleiches für das Verknappungsmodell.

Angesichts der harzigen Situation durften sich Finanzjongleure gestern über bullisch scheinende Datensätze zu den US-Beständen freuen, die sie postwendend mit steigenden Ölnotierungen feierten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die berichtenden Institutionen, lieferten ähnliche Zahlen ab, was ihrer Glaubwürdigkeit dienlich war. Finanzjongleure fanden sowohl an den Veränderungen beim Rohöl als auch beim Benzin Gefallen. Da die Raffinerien weniger Produkte als erwartet produzierten, sollte sich sehr viel Rohöl in ihren Eingangslagern türmen. Die Veränderung zur Vorwoche zeigt das nicht. Allerdings sind die absoluten Rohölvorräte auf einem historischen Höchststand. Die Benzinnachfrage schaffte es, die Vorräte deutlich zu dezimieren. Allerdings rechnet man mit einem 12-Jahres-Tief für den Sommerverbrauch. Gestern wurden die bullischen Argumente gehandelt. Die bärischen werden in Kürze folgen. Die Zahlen der Berichte lauten wie folgt:

Rohöl: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,9 (DOE) bzw. 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf 84 Prozent. Der Wert ist zwar schwach, angesichts der erwarteten Benzinnachfrage aber vollkommen ausreichend. Er wird in den kommenden Wochen steigen, weil Raffinerien aus dem Wartungszyklus zurückkehren.

Heute Morgen halten die Ölnotierungen ihr erhöhtes Niveau. Eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung sollte nur bei freundlicheren Konjunkturzahlen möglich sein. Hierzu wird heute und morgen vermeintlich Wichtiges offenbart. Die Tonne Gasöl kostet 854,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,88 Dollar und in London zu 102,10 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,66 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen im Gegensatz zu den Ölnotierungen an den Börsen wenig. Grund ist die Annäherung des kurzfristig überforderten Binnenmarkts an die Normalität. Von außen wird Preisauftrieb eingebracht. Von innen kommt leichte Entspannung. In Summe ergibt das Stillstand bei den Preisen. Der kurzfristige Aufwärtstrend an den Ölbörsen ist intakt. Die fundamentalen Marktumstände stehen allerdings für eine andere Richtung. Sie sollten bald wieder die Oberhand erlangen. Die Aussichten für niedrigere Heizölpreise sind aus meiner Sicht gut. Dessen ungeachtet sind die aktuellen Preise allemal Kaufpreise, da sie deutlich unter denen des letzten Jahres liegen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schlechte Konjunkturdaten aus den USA und China
US- und Nordseeförderungen steigen
Südsudan kehrt als Lieferant zum Markt zurück
Libyen produziert wieder auf Vorkriegsniveau
Saudi Arabien nimmt neues Offshore-Ölfeld Manifa früher in Betrieb
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte nennen schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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