Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Steter Tropfen höhlt den Preis

Internationaler Markt

Monat für Monat liefern die Statistiker in den Energiebehörden rund um den Globus ihre aktuellen Einschätzungen zum Ölmarkt ab. Drei davon gelten als Standardwerke der Branche, das des US-Energieministeriums (EIA), das der OPEC und das der Internationalen Energieagentur (IEA).

Im neuen Monatsbericht der EIA, der den Anfang der Veröffentlichungen macht, wird der Zuwachs bei der globalen Verbrauchsprognose ein wenig reduziert. Darin kommt eine gedämpfte Konjunkturerwartung zum Ausdruck. Viele Banken und Wirtschaftsorganisationen teilen diese Auffassung. Das schon länger als schwach prognostizierte Nachfragewachstum der USA wird ebenfalls weiter gesenkt. Die Rohölförderung soll hingegen noch etwas schneller wachsen, als bisher angesetzt wurde. Die OPEC könnte mehr Öl liefern, als der Markt derzeit benötigt. Alles in allem ist die Sichtweise des Berichts verbraucherfreundlich. Gleichwohl werden die Preisschätzungen angehoben. Hierin spiegelt sich die Sorge um die geopolitischen Störungen wider. Sollten die Preisprognosen einigermaßen zutreffen, liefe das auf einen Seitwärtstrend bis Ende 2015 hinaus.

In diesen Tagen schaut die Ölwelt nach Libyen, wo eine handfeste Überraschung entwickelt wird. Nach der Freigabe zweier wichtiger Ölhäfen im Osten des Landes ist nun von der Wiederinbetriebnahme eines Ölfeldes mit 0,3 Mio. Barrel pro Tag die Rede. Es liegt allerdings weit von den Häfen entfernt. Über die Sicherheit der Transportstrecke ist nichts bekannt.

Bei den Atomverhandlungen mit dem Iran mühen sich die Parteien redlich, eine Lösung bis zum Stichtag 20. Juli zu finden, um ein dauerhaftes Abkommen zu schließen. Dass es gelingt, ist unwahrscheinlich. Ein Misserfolg wäre es immerhin noch nicht, da das bestehende Übergangsabkommen in dem Fall verlängert werden könnte. Mehr Öl würde allerdings nicht fließen. Um das zu erreichen, muss das endgültige Abkommen ausverhandelt werden. Ein solches wäre gerade die richtige Versicherung gegen die möglicherweise negativen Auswirkungen der ISIS-Landnahme im Irak.

Falls Sie unsere Kommentare regelmäßig lesen, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass der Ost-West-Konflikt um die Ukraine nicht mehr thematisiert wird. Aus Sicht des Ölmarkts ist es in der Tat still um den politisch weiterhin ungelösten Fall geworden. Das ist ein Signal dafür, dass die beteiligten Parteien ihre bestehenden Wirtschaftsbeziehungen nicht gefährden wollen. Für die Ölpreise ist das aus Verbrauchersicht gut.

Gestern war wieder Bestandsdatentag in den USA. Die Meldungen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die Erhebungen zuständigen Institutionen, wichen von den Erwartungen ab. Gleichwohl bieten sie ungenügend Stoff, um die prinzipiell freundliche Lage im Ölmarkt zu belasten. Die Werte lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,6 (DOE) bzw. 2,1 (API) Mio. Barrel. Der Rückgang ist mit der auf 92 Prozent gestiegenen Auslastung der US-Raffinerien zu erklären. Sie produzieren derzeit mehr Benzin als der Markt abnimmt. Dieser Umstand verdeutlicht, dass die Zahlen insgesamt wenig bullisches Potenzial in sich tragen.

Heute Morgen zeichnet sich bei den Ölnotierungen ein weiterer Rückgang ab. Dieser verläuft moderat und ohne Panik. Es gilt eher, steter Tropfen höhlt den Preis. Die Tonne Gasöl kostet 881,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,78 Dollar und in London zu 108,01 Dollar gehandelt. Für einen Euro erhält man 1,3636 US-Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben immer weiter nach. Den kurz- und mittelfristigen Aufwärtstrend haben sie geknackt. Nun sind die Trends in allen relevanten Zeitdarstellungen wieder kohärent.

Die aktuellen Preise haben im Binnenmarkt einen kleinen Kaufrausch ausgelöst. Die Lieferfähigkeit des Handels ist davon noch nicht berührt. Alles läuft gut. Selbst die kleinen Rabatte in den Preisen existieren noch. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl zeigt, dass Kunden die Preise nun für kaufenswert halten.

Das mathematische Tiefpreis-System gibt ihnen bisher nur in ein paar Regionen Recht. Mehrheitlich fehlen die Kaufsignale für Deutschland noch. Das heißt selbstverständlich nicht, dass ein Kauf derzeit falsch wäre. Ein Bewertungssystem allein ist generell eine ungenügende Grundlage für die Beurteilung der Preise. Für die Meinungsbildung sollte man mehrere Instrumente heranziehen. Und nicht zuletzt ist der Preis im Kontext mit der eigenen Vorratslage zu gewichten.

Unsere Leser reduzieren die Erwartung auf noch bessere Preise. Das drückt eine gewisse Zufriedenheit mit der Lage aus. Dennoch ist es naheliegend, auf weiter fallende Preise zu setzen, wenn der Füllgrad des Tanks das erlaubt. Man muss sich allerdings des Risikos bewusst sein und die Preisbildung eng verfolgen.

Der aktuelle Preisrückgang findet nun wieder im Rahmen der Abwärtstrends statt. Diese sind in den verschiedenen Zeitstufen unterschiedlich steil. Der längerfristige Trend macht Hoffnung auf noch mehr Abgang. Bleibt zu erwähnen, dass in Kürze wahrscheinlich das Kaufsignal unseres Tiefpreissystems für ganz Deutschland folgen wird dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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