Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Wie zerronnen so gewonnen

Internationaler Markt

Die Vorgaben für die Entwicklung der Ölnotierungen hätten gestern kaum bärischer sein können. OPEC, EIA (US-Energieministerium) und IEA (OECD Energie Agentur) prognostizieren in ihren Monatsberichten allesamt einen Angebotsüberschuss für die zweite Jahreshälfte. Dabei sollen nicht nur Rohöl, sondern auch Benzin und Heizöl reichlich vorhanden sein. Die alten Industrienationen brauchen tendenziell immer weniger Öl. Die neue industrielle Supermacht China braucht nicht so viel Öl wie erwartet.

Nach einer ersten Meldung über eine außergewöhnlich starke Zunahme der US-Bestände konzentrierten sich Finanzjongleure im Öl auf die Veröffentlichung des gesamten Datensatzes. Der fiel weniger dramatisch aus als erwartet. Das rettete die Ölnotierungen nicht nur vor einem Absturz, der als konzertierte Aktion mit den Aktienindizes nahelag, sondern trieb sie sogar in die Höhe, zum Erstaunen des als fachkundig bezeichneten Publikums.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die über die US-Ölbestände wöchentlich berichtenden Institutionen, legten Zahlen vor, die den Abbau der Vorwoche annullierten. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +9,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,0 (DOE) bzw. 10,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung blieb bei 88 Prozent. Die Rohölimporte legten zu. Die US-Benzinnachfrage fiel weiter. Als Fazit kann man Folgendes konstatieren: Die Preisbildung ist wiederholt von fundamentalen Umständen entkoppelt. Die Hoffnung der Finanzszene auf eine Wende zu mehr Benzinverbrauch wird auch dieses Jahr enttäuscht.

Nun darf man auf eine Korrektur des irrationalen Preisanstiegs hoffen. Man sollte diesen aber nicht mit Gewissheit einplanen. Heute Morgen deutet sich ein Rückgang der Notierungen an. Das heißt für den weiteren Verlauf allerdings noch gar nichts. Wahre Freude kann hingegen aufgrund der Dollarentwicklung aufkommen. Sie läuft in einem soliden Abwärtstrend. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 867,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,33 Dollar und in London zu 103,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,77 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Mit Hilfe des freundlichen Dollarrückgangs kann der Preisauftrieb an den Ölbörsen weitgehend kompensiert werden. Der Binnenmarkt gibt keinen Anlass zu klagen. Er beeinflusst die Preisbildung nicht. Sie folgt ausschließlich den Börsenvorgaben. Das Warten auf die Annäherung des kurzfristigen Seitwärtstrends an den mittelfristigen Abwärtstrend dauert an. Ein weiterer Preisrückgang ist wahrscheinlich, aber keineswegs gewiss. Verbraucher agieren aus unserer Sicht umsichtig und risikobewusst. Viele nutzen die im Vergleich zu den Vorjahren günstigen Preise zum Kauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Finanzszene hofft auf noch mehr Notenbankgeld
Nigerias Öllieferungen auf Vier-Jahres-Tief
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: OPEC, EIA und IEA Monatsbericht
OECD und IWF senken Wachstumsprognosen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Sehr viel Öl am Markt
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik ungewiss

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