Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizöl und Aktien zum Abgesang

Internationaler Markt

In Deutschland gibt es knapp sechs Millionen Ölheizungen, die 22 Millionen Menschen Wärme geben. Öl ist der wichtigste Energieträger national und global. Der Nachrichtenwert von Öl wird gleichwohl recht gering eingeschätzt. Deswegen schafft es Öl selten in die einschlägigen Journale. Wenn es doch einmal vorkommt, ist eine kritische Konnotation ziemlich gewiss.

In Deutschland gibt es 4,5 Mio. Aktienbesitzer. Und es gibt Aktienfondsbesitzer. Ob die sich für Aktien interessieren, wissen wir nicht. Alles in allem halten rund 9,5 Mio. Menschen direkt oder indirekt Aktien. Ihnen zuliebe wird die ganze Nation allabendlich mit dem Neuesten von den „Märkten“ versorgt. Wir dürfen uns freuen, wenn die Papierwerte gewinnen, und wir dürfen mitleiden, wenn sie verlieren. Seit zwei Jahren gewinnen sie fast nur noch, egal ob die Wirtschaftszahlen gut oder schlecht sind. Freuen wir uns jetzt alle?

Warum sollten wir das tun? Vielleicht, weil eine Minderheit der Gesellschaft Geld gewinnt? Die Mehrheit gewinnt nicht, sie verliert, weil sie über Staatsverschuldung und Steuerabgaben erst den Zusammenbruch der Aktienmärkte und dann ihren Aufstieg mitfinanziert. Dabei wird ganz nebenbei das bescheidene Vermögen vieler Sparer entwertet. Vielleicht, weil die Unternehmen, deren Namen die Aktien tragen, so wertvoll für unser Dasein sind? Viele von ihnen schaffen reine Überflussprodukte, die höheren Wohlstand zum Ausdruck bringen aber nichts zum Wohlbefinden beitragen. Der sichere Effekt dieser massenhaft angewendeten Produkte ist eine Erhöhung des CO2-Ausstoßes weltweit. Vielleicht, weil die Unternehmen uns Arbeit geben? Der weitaus größte Teil der Arbeitplätze hierzulande befindet sich in nichtbörsennotierten Unternehmen. Vielleicht, weil die Arbeit in diesen Unternehmen so befriedigend ist? Da wird nicht nach Wert der Arbeit, sondern nach Wert des Unternehmens geurteilt. Und der steigt immer noch, wenn die Kosten sinken, auch die für Arbeit.

Die Mehrheit der Bevölkerung einschließlich ihrer Politiker, Verwaltungsbeamten und Wissenschaftler weiß, dass wir mit unserer gegenwärtigen Lebensweise weder zu unserem eigenen Wohlbefinden, noch zu dem unserer Nachbarn beitragen, geschweige denn den Erhalt unserer Biosphäre betreiben. Gleichwohl streben wir alle danach, den monetären Wert unseres Lebens und unserer Vermögen zu erhöhen. Häufig geschieht das mit Verweis auf das zu erwartende Alter. Einigermaßen erfolgreich ist kaum ein Drittel der Bevölkerung in diesem Streben. Und selbst wem der Erfolg allabendlich mit den Börsenkursen bestätigt wird, muss sich fragen, was er tatsächlich wert ist, wenn er eines Tages in klingende Münze zurückgeführt werden soll. Wer soll die Aktien, die heute immer teurer werden, eigentlich in ein paar Jahren oder Jahrzehnten kaufen? Wenn es keinen Käufer gibt, sind sie wertlos. Das Wissen, dass Wertpapiere in der Vergangenheit am langen Ende immer gewannen, verschafft heute keine Beruhigung. Das Wissen stammt nämlich aus der Zeit der natürlichen Bedarfsdeckung. Heute leben wir in einer Zeit der künstlichen Bedarfsweckung. Die wird mit propagandistischer Intelligenz so perfekt betrieben, dass wir kaum noch in der Lage sind, eine eigene Position über unsere Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen. Die Beseitigung der Privatsphäre durch unkontrollierbare Institutionen ist die logische Konsequenz einer an nicht menschlichen Werten orientierten Entwicklung.

Vielleicht wäre es ein kleiner Schritt in eine neue Richtung, die Börsennachrichten dorthin zu verbannen, wo sie hingehören, in einen Spartenkanal für Sammler. Den freien Sendeplatz in den Nachrichten könnte man mit interessanten Fragen über die Widersprüchlichkeit unserer Lebensausrichtung auffüllen. Derlei Anstöße sind geeignet, das eigenständige Denken zu befördern, das in hoffentlich vielfältiger Form zu einer Steigerung des Wohlbefindens führen wird.

Von den Ölbörsen gibt es heute Morgen übrigens nichts Erhellendes zu berichten. Die Finanzszene hat sich gestern mit einer kleinen Rücknahme des jüngsten Preisanstiegs aus dem Geschäft verabschiedet. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 944,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,20 Dollar und in London zu 111,30 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,63 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Die Ölnotierungen und der Dollar lieferten gestern die „richtigen“ Vorgaben. Der Binnenmarkt ist ruhig. Die Kundenzurückhaltung wird nur durch die Urlaubsstimmung einiger Heizölhändler übertroffen. Die führt zu vereinzelten Irritationen, weil Lieferzusagen nicht eingehalten wurden. Sollten Sie davon betroffen sein, bitten wir Sie, hier die Möglichkeit einer entsprechenden Händlerbewertung zu nutzen. Hiermit können Sie tatsächlich eine Verhaltenänderung einleiten. Die weiteren Preisaussichten sind gedämpft freundlich. Die Tatsache, dass der Ölmarkt gut versorgt ist, eröffnet immer wieder die Gelegenheit zu günstigen Heizölpreisen. Wer darauf spekulieren will, muss die Entwicklung eng erfolgen, am PC oder mit dem Smartphone. Wer den spekulativen Zirkus ablehnt, kann umgehend beherzt kaufen. Heizöl ist günstiger als während der letzten beiden Jahreswechsel. Wir wünschen Ihnen einen guten Jahresausklang und einen noch besseren Einstieg in das nächste Jahr. Bleiben Sie uns gewogen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Stimmung im Finanzzirkus
Gut US-Konjunkturdaten
Libysches Öl kommt allenfalls tropfenweise zurück in den Markt
Diverse kleinere und mittlere Lieferstörungen
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot
FED probt den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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