Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölmarkt hat Gewicht

Die Welt braucht weniger Öl. Das ist eine Prognose. Die betrifft üblicherweise die Zukunft. Aber selbst für die Beurteilung der Vergangenheit ist man bisweilen auf Prognosen angewiesen, nämlich dann, wenn endgültige Zahlen noch nicht vorliegen. Für den Ölverbrauch des Jahres 2008 ist das der Fall. Und 2009 ist ohnehin zu 94 Prozent Zukunft. Dennoch ist die Gewissheit hoch, dass es in beiden Jahren zu einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage kommen wird. Das Minus wird im laufenden Jahr sogar höher ausfallen als in 2008. Diese von mehreren unabhängigen Institutionen vorhergesagte Entwicklung drückt seit Tagen wieder auf die Ölpreise. Ein starker Preisverlust ist allerdings nur bei amerikanischem Rohöl aufgelaufen. Europäische und andere Rohöle sowie Raffinerieprodukte reagierten bisher moderat auf den konjunkturell bedingten Preisdruck.

Üblicherweise kostet US-Rohöl der Marke WTI (West Texas Intermediate) rund 1,5 Dollar mehr als Rohöl der Sorte Brent. Der Preisunterschied ist gerechtfertigt, weil WTI ein besseres weil leichter zu raffinierendes Öl ist. Um zu verstehen, warum es zu der ungewöhnlichen Ölpreisdifferenz zwischen den USA und dem Rest der Welt kommt, hilft ein Blick auf die Nachfrage in den Regionen. In den USA ist die Nachfrage bereits in 2008 dramatisch eingebrochen. Das Minus beträgt 5,6 Prozent. In 2009 wird das Minus deutlich geringer ausfallen. Die Zahlen sind Ausdruck der konjunkturellen Lage des Landes. Dieser Satz scheint überflüssig zu sein, weil er als selbstverständlich angesehen wird. Ist er aber nicht. Das zeigt ein Blick auf die deutsche Ölbilanz. Die war nämlich im Jahr 2007 rückläufig. Gegenüber dem Vorjahr wurde 9,0 Prozent weniger Öl verbraucht. Dennoch ging es unser Wirtschaft blendend. So blieb als oberflächliche Erklärung nur, dass wir Energiesparweltmeister sind. Stimmt leider nicht. Denn in 2008 stieg unser Ölverbrauch gegen den Welttrend um satte 8,3 Prozent. Wesentlicher Grund für unser sonderbares Eigenleben ist der Heizölmarkt. Er ist der größte Europas und der zweitgrößte weltweit. Im Jahr 2007 wollten die deutschen Verbraucher kaum Heizöl kaufen. Das mussten sie auch nicht unbedingt, weil der vorausgegangene Winter sehr mild war. Das Minus der Heizölmengen zum Vorjahr betrug über 35 Prozent. Im Jahr 2008 schlugen die Heizölkunden dann bekanntermaßen zu. Die Kaufwelle erzeugte ein Plus von 34 Prozent. Sie schlägt sich deutlich in der Gesamtölbilanz Deutschlands nieder. Der Effekt ist eine relative Knappheit von Öl im Euroraum und ein Überfluss von Öl in den USA. Dort sind die Rohöllager fast bis zum Anschlag gefüllt. Hier sind die Lager zeitweise leer. Die Betrachtung ist etwas undifferenziert, weil sie Rohöl und Ölprodukte vermischt. Zum Verständnis der Differenz bei den Rohölpreisen ist sie allemal hilfreich. Die Produktenpreise sind auf beiden Seiten des Atlantiks ähnlich. Hier spielen die tendenziell knappen Raffineriekapazitäten die Hauptrolle.

Ob sich die Preissituation beim Rohöl im Verlauf des Jahres normalisieren wird, steht in den Sternen. Voraussetzung wäre ein ähnliches Nachfrageminus wie in den USA. Das ist möglich aber nicht selbstverständlich. Möglich erscheint es, weil Deutschland bereits in den Jahren 2002 bis 2005 rückläufige Ölbilanzen aufwies. Die basierten zumindest in Teilen tatsächlich auf Einsparmaßnahmen. Die Raten betrugen zwischen -3,1 und -1,1 Prozent. Bei -3 Prozent würden die Rohölpreise sicher wieder zur alten Konstellation zurück finden. Natürlich müssten die anderen europäischen Länder ähnliche Rückgänge aufweisen. Das Minus könnte ein Mix aus gewollter Einsparung über die Steigerung von Effizienz und ungewollter Einsparung wegen schlechter Konjunktur sein. Dass der deutsche Heizölmarkt erneut zu starken Verwerfungen im europäischen Ölmarkt führen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die extreme Nachfrageschwankung in den Jahren 2007 und 2008 dürfte wohl eine Ausnahme bleiben. Das wäre zumindest zu hoffen, denn sie bereitet sowohl Verbrauchern als auch Lieferanten Probleme.

Es gibt einen weiteren Grund für die Preisdifferenz, der über das Jahr vermutlich erhalten bleibt. Das ist die Kreditklemme. Rohöl der Sorte WTI ist aktuell gemessen an den für die Zukunft gehandelten Preisen dermaßen billig, dass man es kaufen muss. Über eine Absicherung mit Futures wären die Geschäfte nicht einmal spekulativ sondern sicher. Dennoch werden sie nicht getätigt. Das Geld hierzu fehlt. Es ist nicht zu erwarten, dass dieses Geld in Kürze wieder vorhanden sein wird. Vor diesem Hintergrund ist die starke Aktivität Saudi Arabiens für eine Drosselung der Öllieferungen zu verstehen. Da saudisches Öl in großen Mengen in die USA verschifft wird, ist eine Drosselung speziell dieser Mengen angeraten. Dabei muss man allerdings immer im Auge behalten, dass die Nachfrage seit langer Zeit den dominanteren Part bei der Preisbildung einnimmt. Über Mengenreduzierung einen Preisanstieg zu erreichen ist schwierig. Das zeigten die 1980er Jahre. Zeitweise nahm Saudi Arabien damals über 20 Prozent seiner Menge aus dem Markt und erreichte damit so gut wie keinen Preisanstieg.

Heute Morgen setzt sich der Abgang der Preise im bekannten Stil fort. Die Tonne Gasöl kostet 425,75 Dollar. Das Barrel Rohöl koset in New York 33,20 Dollar. Es nähert sich der 30 Dollarmarke. Dort erwartet man allgemein einen Umkehrpunkt. Im Gegenzug durchläuft der Dollar eine starke Aufwärtsbewegung, die charttechnisch nicht zu erwarten war. Begründet wird sie unter anderem mit sinkenden Bonitäten einiger europäischer Länder.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen damit dem Weltmarkt und behalten gleichzeitig ihre rechnerische Überhöhung bei. Eine mehrfach genannte Begründung für diese Überhöhung ist die zusätzliche Anspannung, die der Markt durch gewerbliche Abnehmer erfährt, die zuvor mit Gas heizten. Wie lukrativ der Umstieg von Gas auf Öl derzeit ist, zeigt unser Chart Gas/Heizöl-Vergleich. Für einen privaten Verbraucher beträgt der Vorteil im Bundesdurchschnitt über 70 Prozent. Diese Zahl erreicht ein gewerblicher Kunde nicht, weil er Gas billiger kaufen kann. Aber umgestiegen wird auch bei geringeren Werten, wenn dies technisch möglich ist. Heizöl wird vermutlich erst am Ende des Winters wieder auf ein rechnerisch normales Niveau gegenüber dem Weltmarkt kommen. Für den Preis sehen wir bis dahin keine generelle Trendwende. Er wird vermutlich seitwärts laufen. Im Vergleich zu den Erwartungen vor einem halben oder einem ganzen Jahr sind die aktuellen Preise sensationell niedrig. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass höhere Preise früher oder später wieder kommen werden. Um sich gegen die Auswirkung auf das Portemonnaie zu schützen, hilft nur die Verbrauchssenkung. Schauen Sie hierzu mal auf esytrol.com.

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