Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Abwärts wird schwächer

Internationaler Markt

Der Irak ist teilweise ausgepreist. Im Augenblick ist die Haltung der Finanzjongleure plausibel, da die Ölregionen im sunnitischen Süden und kurdischen Norden des Landes nicht von der Terrormiliz ISIS bedroht sind. Auf lange Sicht entsteht in der Region allerdings ein neues Machtgefüge, das die Ölwelt auf den Kopf stellen kann.

Die Liste der gefährdeten Ölländer ist brisant. Mit Irak, Libyen und Syrien stehen über fünf Mio. Barrel Rohöl pro Tag zur Disposition. Das entspricht derzeit rund sechs Prozent der globalen Ölversorgung. Sollten diese Länder in extremistische Hände fallen, könnte ein Flächenbrand entstehen, der weitere Produzentenstaaten erfasst. Dazu gehören Algerien, Nigeria, Yemen, Sudan und andere. Insgesamt könnten mit all diesen Ländern über sieben Mio. Barrel pro Tag in - aus unserer Sicht - falsche Hände geraten oder vom Markt verschwinden.

Eine wesentliche Ursache für die besorgniserregende Entwicklung ist die vollkommen fehlgeschlagene Außenpolitik der USA. Sie missachtete über Jahre die regionalen Verhältnisse und verstand es, systematisch die falschen Partner zunächst zu stärken und später als Feind zu haben. Heute steht Washington vor den Trümmern seiner Politik. In einst stabilen Gesellschaftsordnungen, die den „Fehler“ hatten, nicht westlichen Wertvorstellungen von Gerechtigkeit und Demokratie zu entsprechen, herrschen nun Anarchie und Chaos. Bereits morgen könnte dort der Islamismus herrschen und sich in alle Richtungen ausbreiten, auch nach Europa.

Derweil ziehen die USA ihre Truppen aus den destabilisierten Regionen ab und träumen, dass andere Länder die Angelegenheit übernehmen. Hoffnungen ruhen dabei auf Deutschland. Sie werden durch öffentliche Einlassungen der Verteidigungsministerin, des Außenministers und des Bundespräsidenten geschürt. Die Wortführer einer solchen Politik lassen genauso wenig Einsicht in die Fehler der Vergangenheit erkennen wie das Weiße Haus. Klügeren Außenpolitikern in Peking und Moskau bleibt als Reaktion auf das Treiben nur die Verzweiflung oder die Arroganz.

Da Verzweiflung nicht Sache ordentlicher Politik ist, zeigt sich in der Ukrainekrise die Arroganz aus Moskau. Wen wundert es? Wenn Partnerschaften und einvernehmliche Lösungen nicht machbar sind, ist das Setzen von Fakten nur konsequent. Das östliche politische Geschick ist mittlerweile so gut entwickelt, dass sowohl Geschäfte mit Öl und Gas als auch Politik nach eigener Zielsetzung durchsetzbar sind. Mindestens die bisher störungsfrei laufenden Geschäfte dürften hierzulande im Sinn aller Verbraucher sein.

An den Ölbörsen wird der Ost-West-Konflikt um die Ukraine ähnlich gehandelt wie der Irak. Die aktuelle Stimmung steht unter einer Es-wird-schon-gut-gehen-Attitüde. Verlässlich ist so eine börsliche Stimmungslage nicht, zumal die geopolitische Grundlage, auf der sie fußt, vollkommen unzuverlässig ist.

Heute Morgen tendieren die Ölnotierungen aufwärts. Ob darin bereits die Erkenntnis über die Instabilität verarbeitet ist oder nur ein gutes chinesisches Konjunkturdatum, wissen wir nicht. Charttechnisch ist das Aufwärts nun immerhin wieder im Plan. Insofern könnte es Fortsetzung erfahren. Die Tonne Gasöl kostet 914,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,77 Dollar und in London zu 112,58 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3687 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben noch einmal spürbar nach. Gestern waren Gasöl- und Dollarnotierungen dafür maßgeblich. Mittlerweile ist sogar die Marke von 79 Cent pro Liter im Bundesdurchschnitt bei 3.000 Liter Liefermenge unterschritten. Das ist besser, als man vor ein paar Tagen noch hoffen konnte.

Der Binnenmarkt zeigt wieder etwas mehr Leben. Bestellungen kleckern zügiger herein. Unser Heizölkauf-Barometer deutet das an. Händler reduzieren als Reaktion auf die bescheidene Besserung die Rabatte in den Preisen. Verbraucher werden das kaum bemerken, weil der nennenswerte Einfluss über die internationalen Börsen hereinkommt.

Unser mathematisches Tiefpreis-System steht nach wie vor entfernt von denkbaren Kaufsignalen. Ein Kaufgrund ist derzeit gleichwohl die Freude über den Preisnachlass der letzten Tage. Oft steht dieser in Zusammenhang mit einem leeren Tank. Unsere Leser schätzen die kurzfristige Preisentwicklung mittlerweile wieder sehr positiv ein. Die Spekulation auf noch tiefere Preise findet immer mehr Verbreitung. Das ist eine risikobehaftete Haltung. Sie sollte durch enges Verfolgen der Preisentwicklung abgesichert werden.

Der aktuelle Preisrückgang steht immer noch im Rang einer Gegenbewegung zum Aufwärtstrend der letzten Wochen. Mehr nicht. Er annulliert lediglich eine Übertreibung. Den Trend dreht er nicht. Um diesen zu brechen, bedarf es einer grundlegenden Änderung mindestens eines Krisenfaktors, zum Beispiel Einigkeit zwischen der EU und Russland in der Ukrainepolitik. Das scheint utopisch zu sein. Anlass zur Hoffnung auf günstigeres Heizöl bietet allerdings die längerfristige Preisbetrachtung. Sie zeigt einen Abwärtstrend an. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise wieder deutlich unter dem Niveau der letzten beiden Jahre liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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