Unseren neuen Kommentar für den 24.01.17 finden Sie hier.


Heizölpreise: Abwärtspotenzial ungenutzt

Internationaler Markt

New York ist aus dem langen Wochenende erwacht und sorgt umgehend für Betrieb an den Ölbörsen. Die Notierungen wurden gestern ordentlich in die Höhe gehandelt. Finanzjongleure wandelten einige gute Konjunkturzahlen aus China, Europa und den USA in die Annahme einer steigenden Ölnachfrage und als Konsequenz in steigende Preise um. Die in nächster Zeit üppig erwartete Angebotseite wurde vernachlässigt. Ihr Potenzial zur Gegenreaktion liegt momentan brach.

Vor dem morgigen OPEC-Treffen kommen aus Saudi Arabien beruhigende Worte für die Ölproduzenten. Ali al-Naimi, Ölminister des Landes, sieht bei freundlicher Konjunktur genügend Nachfrage des Marktes, um die Angebote aller OPEC-Mitglieder platzieren zu können. Dazu gehörten ausdrücklich die steigenden Mengen aus dem Irak. Dass der Iran und Libyen den Markt demnächst mit zusätzlichem Öl überschwemmen können, glaubt er nicht.

Zusätzliches Öl könnte hingegen bald aus Kanada kommen. Händler arbeiten an einem Plan, der die hohe Produktion aus Ölsand dem globalen Markt zuführen soll. Derzeit ist dieses Rohöl aufgrund fehlender Transportstruktur schwer verkaufbar. Es gehört deshalb mit einem Abschlag von rund 30 Dollar pro Barrel auf die Sorte WTI zu den billigsten Rohölen weltweit. Seine zähe Konsistenz erfordert die Beimischung anderer Ölsorten oder Raffinerienebenprodukte, um es für den Pipelinetransport gefügig zu machen. Gemäß Plan soll das Öl per Schiene oder Pipeline zu Kosten von rund zehn Dollar pro Barrel von Alberta direkt an die Südküste der USA befördert werden. Im Gegensatz zu dem ebenfalls üppig vorhandenen US-Rohöl gibt es für die kanadische Ware kein gesetzliches Exportverbot. US-Ölproduzenten sehen das Vorhaben trotz der Wettbewerbssituation keinesfalls kritisch. Sie erhoffen sich davon eine Signalwirkung auf die Regierung, mit der sie das Exportverbot kippen können. Sollten beide Pläne, Transport kanadischen Öls durch die USA und Auflösung des US-Exportverbots, Wirklichkeit werden, erhielte der Weltmarkt einen nennenswerten Zufluss, der Ali al-Naimi sicher nicht mehr gelassen reagieren ließe.

Die Aussichten auf ein üppiges Ölangebot sind für einige Jahre gut. Das heißt aber nicht, dass Öl billiger werden wird. Die Kosten der Produktion befinden sich heute auf einem deutlich höheren Niveau als im letzten Jahrhundert. Daran wird sich aufgrund des höheren Aufwands, den schwieriger zu förderndes Rohöl erfordert, nichts mehr ändern. Es gibt nach meiner Einschätzung nur zwei Chancen für einen großen Preisrückgang, einen Crash des Geld- und Finanzsystems oder den Versuch Saudi Arabiens, die nordamerikanische Ölindustrie mit einem Preisverfall durch Überangebot zu ruinieren. Der erste Fall ist derzeit trotz der höchst kritischen Lage des Systems wenig wahrscheinlich. Der zweite Fall ist noch unwahrscheinlicher.

Der Ölpreis wird vermutlich längere Zeit um das aktuelle Niveau pendeln. Dabei sind durchaus temporäre Abschläge im Bereich von zehn Prozent denkbar. Heute Morgen scheint an den Börsen gar nichts denkbar zu sein. Die Notierungen stehen vollkommen still. Irgendjemand muss mal ein Märchen lancieren, damit Bewegung in die Sache kommt. Die Tonne Gasöl kostet 945,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,13 Dollar und in London zu 111,58 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,81 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen etwas an. Die Börsen laufen sowohl beim Öl als auch beim Dollar gegen die Interessen der Verbraucher. Der Binnenmarkt ist recht ruhig. Geringe Verkäufe führen zu einem dämpfenden Preiseffekt. Die Aussichten bleiben durchwachsen. Wie erwartet setzen Finanzjongleure derzeit ihre bullischen Phantasien um. Mittelfristig sollte aber wieder ein Rückgang in Richtung Tiefpreis 2013, das war im April, kommen. Wer darauf spekulieren will, sollte die Entwicklung eng verfolgen, im PC oder mit unserer Smartphone-App. Wer wegen eines knappen Tankvorrats bestellen muss, hat keinen Grund, sich zu ärgern. Heizöl ist billiger als vor 12 und vor 24 Monaten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs
Raffinerieausfälle in den USA
US-Nachfrage gestiegen
Ausfall zweier Tankerladungen russischen Öls
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: OPEC-Exporte sollen steigen
Rohölangebot übertrifft Rohölnachfrage
US-Rohölförderung auf 24-Jahres-Hoch
US-Rohölbestände sehr hoch
Geringe US-Ölimporte

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