Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Abwärtstrend kaputt

Internationaler Markt

Die Finanzszene ist aufgescheucht. In ihren Reihen stehen viele wilde Zocker, die eine Wende der Ölpreisbewegung antizipieren wollen. Sie konnten eine Meldung über einen dramatischen Rückgang der Explorationsbohrungen in den USA als Startschuss für ihr Ansinnen nutzen und die gesamte Szene in eine Rallye hineinziehen. Diese war nicht nur eine Wochenendlaune. Sie entpuppt sich als veritable Aufwärtsbewegung, die gestern eine starke Fortsetzung fand. Binnen weniger Handelsstunden stiegen die Ölnotierungen um über zwölf Prozent.

Mit dieser Wende haben die arrivierten Meinungsmacher der Ölwelt genauso wenig gerechnet wie mit dem Preisabsturz des letzten halben Jahres. In ihren Texten der letzten Woche wird noch über tiefliegende Preisziele und den Grund für den großen Absturz sinniert. Heute Morgen melden sich hochkarätige Kommentatoren zu Wort, die den exorbitanten Preisanstieg sehen, diesen aber kaum glauben können und ihn als ungehörige Übertreibung kleinschreiben. Die Situation hat etwas von Goethes Zauberlehrling. Die jungen Wilden haben eine Bewegung in Gang gesetzt, die aus dem Runder läuft. Nun hofft man auf die starke Hand des realen Markts, Stichwort Überversorgung, die dem Spuk ein Ende machen soll. Im Gegensatz zum Zauberlehrling können die jungen Wilden aber gar nicht genug von der laufenden Preisbewegung bekommen und die starke Hand des realen Markts gibt es nicht mehr wie früher. An ihrer Stelle steht ein aufgeblasenes Geld- und Finanzsystem, das alles Reale dominiert.

Als Reales kann man beispielsweise schlechte Konjunkturdaten ansehen, die gerade aus allen Teilen der Welt gemeldet werden. Aber Vorsicht, auch Konjunkturdaten sind nur Zahlen in Modellen, die, wie wir mittlerweile wissen, wenig mit der Realwirtschaft zu tun haben. Als Reales kann man einen Streik der Raffineriearbeiter in den USA ansehen, den ersten seit 1980. Er könnte für Engpässe bei den Produkten und für Überschwemmungen in den Rohöllagern sorgen. Eine Wertung beider Punkte als bullisch oder bärisch ist unscharf. Insofern könnte man den wilden Finanzjongleuren sogar beipflichten, ihre eigenen Ideen von der Welt zu handeln.

Nüchtern betrachtet hat die Finanzszene nun einen realen Kontakt zu den Grenzpreisen für Rohöl gehabt. Unter 50 Dollar pro Barrel funktioniert die Entwicklung neuer Ölquellen in den USA nicht mehr. Das ist das Signal, was von der Außerbetriebnahme der Bohranlagen ausgeht. Folglich muss in der erreichten Preisregion eine Bodenbildung stattfinden. Ob es mit den Rohölpreisen nun wieder übertrieben aufwärts gehen wird oder ob diese für längere Zeit um 50 Dollar pendeln werden, wird die Zukunft zeigen.

Heute Morgen geht es an den Ölbörsen noch aufwärts. Eine endgültige Aussage über die weitere Bwegung ist das allerdings noch nicht. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 527,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 50,27 Dollar und in London zu 55,68 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8823 Euro . Damit kostet der Euro 1,1334 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise machen einen ordentlichen Sprung aufwärts. Damit entsteht eine neue Situation. Die Abwärtstrends sind in der kurz- und mittelfristigen Betrachtung nicht mehr zu halten. Sie werden durch Aufwärtstrends ersetzt.

Der Binnenmarkt erlebt eine Kaufwelle als Reaktion auf die neue Situation der Preise. Der Handel kommt damit und mit den im Winter vermehrt auftretenden Eilbestellungen gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen. Die Situation wird nicht lange anhalten. Ein Preisanstieg sorgt à la longue für Kaufzurückhaltung.

Viele Leser verabschieden sich nun endgültig von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl mit einem Kauf. Gleichwohl gibt es gemäß unserer Lesereinschätzung noch eine knappe Mehrheit, die auf tiefere Preise setzt. Wer dabei ist, braucht gute Nerven. Die Handelsidee ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Die Beobachter fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es zeigt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nun nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Preise nicht unbedingt nahe. Nach Lage der Dinge am realen Markt könnte Heizöl im weiteren Verlauf des Winters zwar noch einmal billiger werden. Die Börsen sprechen derzeit aber eine andere Sprache. Der tiefe Fall der Ölpreise sorgt für eine starke Gegenreaktion, aus der eine grundsätzlich neue Handelssituation entstehen kann.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen