Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Abwärtstrend so gut wie sicher

Internationaler Markt

An den Ölbörsen wurde gestern ein Bündel unterschiedlicher Einflüsse gehandelt. Dabei zappelten die Notierungen auf und ab. Am Ende war Öl billiger. Heute erwartet die Finanzszene abermals einen bewegten Tag. Die Entscheidung über die zukünftige Geldpolitik der EZB steht auf der Agenda. Mario Draghi stimmte sein Volk schon mal auf unkonventionelle Maßnahmen ein.

Begonnen hatte der Tag gestern mit allerlei Konjunkturzahlen aus der weltlichen Welt. Sie fielen widersprüchlich aus und trugen, wie so oft, wenig zur Erhellung der aktuellen Lage bei. Grosso modo bestätigen sie, dass die Konjunkturen der alten Industrieländern und besonders der USA nicht nach den Vorstellungen von Politik und Finanzwelt laufen.

Besonders deutlich wird eine gewisse Enttäuschung im Zusammenhang mit den US-Bestandsdaten. Die weisen zwar einen Rückgang in den Rohöllagern aus, der hohe Nachfrage nahelegt. Bei den Produkten zeigt sich allerdings ein Aufbau, der an eben dieser hohen Nachfrage zweifeln lässt. Aus Hintergrundinformationen wird deutlich, dass der Rückgang bei Rohöl durch Importzurückhaltung verursacht wurde und dass die US-Benzinnachfrage in der Tat spürbar sank. Die hochgestochenen Erwartungen an die diesjährige Fahrsaison werden schon früh auf den Boden kaufmüder oder kaufunfähiger US-Konsumenten herabgezogen.

Im Einzelnen geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die US-Bestandserhebung zuständigen Institutionen, folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: -3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,2 (DOE) bzw. 0,9 (API) Mio. Barrel. Die Vorräte befinden sich gleichwohl auf einem komfortablen Gesamtniveau. Die Raffinerieauslastung stieg auf 91 Prozent. Die Produzenten sind damit gut auf eine nachfragestarke Fahrsaison vorbereitet. Nun muss sie nur noch kommen.

Libyen ist immer noch auf dem Radarschirm der Ölbörsianer. Einflussreich sind die Vorkommnisse dort aber nicht mehr. Das Land verliert gerade seine allerletzten Exportfähigkeiten. Für den globalen Ölmarkt ist es praktisch tot.

Der Ost-West-Konflikt um die Ukraine wird derzeit mit wenig Aufschlag bepreist. Die konfrontative Kommunikation war zuletzt deutlich gedämpft. Im Zusammenhang mit dem G7-Treffen ohne Russland am Tisch werden die Worte nun wieder schärfer. Gewichtiger als das politische Theater für Medien und Volk ist die Fähigkeit der Ukraine, ihre Gasrechnung an Russland zu begleichen. Geschieht das nicht, werden die Lieferungen direkt nach Pfingsten eingestellt. Nun zeigt sich, wie ernst die Herren Obama und Barroso es mit der Unterstützung des ukrainischen Volks meinen.

Es ist gut möglich, dass Barack Obama statt mit der Brieftasche mit eigenen Gaslieferungen wedelt. De facto hat er diese aber nicht zu bieten. Die USA sind nicht auf einen nennenswerten Export von Gas eingestellt. Die dafür erforderliche Infrastruktur gibt es nicht. Die existierenden Anlagen wurden im Wesentlichen für den Import von Energie gebaut. Und in Europa gibt es keine Leitungen, die Öl und Gas von West nach Ost transportieren könnten. Hier ist man auf russische Lieferungen angewiesen.

Die Lageskizze klingt nicht wirklich bärisch. Gleichwohl haben die Gasölnotierungen einen bärischen Lauf. Diese Tatsache ist so erfreulich wie unzuverlässig. Da liegen einige Preisminen im Feld, die jederzeit hochgehen können. Eine hängt heute am Zündmechanismus der EZB. Die Börse zeigt sich aktuell noch ruhig. Die Tonne Gasöl kostet 881,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,38 Dollar und in London zu 108,23 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3603 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise gaben auch gestern wieder nach. Erneut kamen die Vorgaben von den Gasölnotierungen. Käufer im Binnenmarkt werden immer aktiver. Sie erzeugen eine veritable Bestellwelle. Der Handel sieht sich dabei noch nicht überfordert. Kauflust dämpfende Preiserhöhungen blieben bisher aus.

Unser Heizölkauf-Barometer zeigt sehr hohe Bestellbereitschaft an. Kunden halten die Preise für kaufbar. Das mathematische Tiefpreis-System hat allerdings erst für eine Region Deutschlands (Karlsruhe) ein Kaufsignal errechnet. Gemäß seiner Preisformel müsste es in der Breite noch weiter abwärts gehen. Der aktuelle Preis steht sehr nahe an dem Niveau, auf dem zuletzt grünes Licht gegeben wurde. Leser schätzen die Aussichten auf fallende Preise weiterhin sehr positiv ein. Auch wir sehen die Lage deutlich optimistischer als im Mai. Die Sorge vor einer erneuten Eskalation im Ost-West-Konflikt und vor der heutigen EZB-Entscheidung zur Geldpolitik zwingt uns aber Zurückhaltung für die Empfehlung, auf tiefere Preise zu spekulieren, auf.

Die Preisentwicklung ist nun aus der Konsolidierungsphase ausgetreten, erfreulicherweise nach unten. Wir sollten also wieder einen Abwärtstrend in den Preischart zeichnen. Bevor das geschieht, warten wir allerdings die Reaktion auf den EZB-Entscheid am frühen Nachmittag ab. Ein Trend soll schließlich keine Eintagsfliege sein. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Preise eindeutig kaufenswert sind. Heizöl ist günstiger als in den letzten drei Jahren zum gleichen Zeitpunkt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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