Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Alles soll schneller gehen

Internationaler Markt

Seit der Ankündigung, die Pipeline-Kapazität zwischen dem US-Zentrallager in Cushing und den südlichen Raffinerien schneller hochzufahren als ursprünglich geplant, zocken Finanzjongleure vermehrt auf den Preisunterschied zwischen US-Rohöl WTI und EU-Rohöl Brent. Die Angelegenheit stabilisiert den kurzfristigen Abwärtstrend der europäischen Ölpapiere. In den USA sinken nur die Produktenpreise, während Rohöl teurer wird. Spätestens im nächsten Jahr sollte WTI preislich mit Brent gleichziehen, so wie es bis 2010 üblich war (siehe hier).

Die aktuelle Veränderung in den öffentlichen US-Lagern verläuft konträr zum gültigen Preistrend. Die Rohölbestände steigen. Die Produktenbestände sinken. Händler gehen aber weiterhin davon aus, dass die Entwicklung im physischen Markt ihren spekulativen Annahmen folgen wird. Deshalb gab es gestern keine heftige Reaktion auf die widersprüchlichen Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute). Aus deren Erhebungen ergeben sich folgende Veränderungen zur Vorwoche:

Rohöl: +5,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,3 (DOE) bzw. 3,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 86 Prozent. Sie macht deutlich, dass einige Raffinerieteile wegen der Umstellung auf Sommerware abgeschaltet sind.

Alles in allem ging es bei den Ölnotierungen gestern eher ruhig zu. Die Musik spielte beim Dollar. Der legte ordentlich zu, nachdem die neue FED-Chefin, Janet Yellen, nicht nur die erwartete Drosselung der Geldschöpfung auf 55 Mrd. Dollar pro Monat bestätigte, sondern eine schnellere Abkehrung vom faustischen Handel ankündigte als bisher angenommen wurde. Sie begründet das mit guten Aussichten für die US-Wirtschaft. Das kann der Grund sein. Die täglich in Umlauf gebrachten Konjunkturzahlen lassen daran allerdings zweifeln. Es ist auch möglich, dass den Zentralbankern die Konsequenz ihrer munteren Geld- und Schuldenproduktion mittlerweile Angst bereitet und sie einfach nur raus wollen. Die Dollarschöpfung ist trotz ihrer mehrfachen Drosselung immer noch erheblich größer als das US-Wirtschaftswachstum. Global hat die von den USA kopierte Geldpolitik zu einer 80-prozentigen Erhöhung der Staatsschulden seit 2007 geführt.

Ölnotierungen, wie auch Aktienkurse, werden auf das Ende des lockeren Zentralbankgeldes tendenziell mit Preisabschlägen reagieren. Der Dollar wird aber aufwärts streben. Dieser Umstand kann zum Nachteil für europäische Ölkunden werden.

Heute Morgen ist schwer auszumachen, wohin die Reise beim Öl- und Dollarhandel geht. Aktuell sieht es nach der Bestätigung des Abwärtstrends für Öl und nach wenig Veränderung beim Dollar aus. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 886,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,66 Dollar und in London zu 105,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,29 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise werden etwas teuer. Dieses Mal ist der Dollar ursächlich. Der Binnenmarkt hat momentan wenig Einfluss auf die Preisbewegung. Die als Reaktion auf die Krim-Krise zu beobachtende Nachfragebelebung ebbt wieder ab. Sie hinterlässt allerdings höhere Margen in der Kalkulation der Vorlieferanten. An denen können sie nun festhalten, da ihre Vorräte insbesondere in den südlichen Tanklagern durch den kurzen Kaufrausch nennenswert dezimiert wurden. In anderen Worten, der Großhandel hat weniger Verkaufsdruck und muss nicht mehr mit Rabatten auf Kundenfang gehen. Die Aussichten für die Heizölpreise sehen wir dennoch vorsichtig freundlich. Wer darauf spekuliert, benötigt Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahe Informationen. Wem das zu unsicher ist, sei gesagt, dass Heizöl nach wie vor kundenfreundlich bepreist ist. Mit einem Kauf kann man derzeit nichts falsch machen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Konjunktur soll gut laufen (Aussage FED)
Libyen droht zu zerreißen
Unruhen in Venezuela

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: USA geben Teil der strategischen Reserven frei
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar

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