Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Anstieg von Ölflut gestoppt

Internationaler Markt

Finanzjongleure wurden gestern von einem Realitätsschock erfasst. Die US-Bestandsdaten machten ihnen unmissverständlich klar, dass der Markt weiterhin krass überversorgt ist. Die Erhebungen lieferten die höchsten Vorratswerte seit 1930. In diesem Umfeld verlieren selbst hart gesottene Zocker den Mut, mit Wetten auf steigende Kurse Gewinne einzufahren. Ölnotierungen büßten rasant ihren Wert ein.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erhobenen Daten sind in allen Kategorien bärisch. Höchste Gesamtbestände, höchste Rohölbestände trotz leichtem Importrückgang und Steigerung der Raffinerietätigkeit, Steigerung der Heizölbestände und Nachfragerückgang trotz kalter Temperaturen, Steigerung der Benzinbestände und Nachfragerückgang. Wahrscheinlich ist der Scheitelpunkt der Ölflut noch immer nicht erreicht. Er dürfte irgendwann im Verlauf des Frühjahrs eintreten. Im Einzelnen lauten die Veränderungen wie folgt:

Rohöl: +6,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 10,4 (DOE) bzw. 8,4 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung stieg auf 90 Prozent. In dieser Jahreszeit ist das ein hoher Wert.

Der bullische Börsenwahn wurde zusätzlich durch schlechte Konjunkturdaten aus China und den USA gestört. Sämtliche realwirtschaftlichen Aspekte liefern kein neues Bild der Lage. Neu war in den letzten Tagen nur die Amnesie der Finanzjongleure, die die realen Verhältnisse vollkommen ausblendeten und wie von Sinnen steigenden Ölnotierungen hinterher hechelten. Das ist nun vorbei. Der Realitätsverlust kann allerdings jederzeit wieder eintreten. So kann es gehen, wenn man die Entwicklung einer mit Geld aufgeblasenen Parallelwelt zulässt und dieser erlaubt, in die Realwirtschaft hineinzuregieren.

Heute Morgen setzt sich der Abgang an den Ölbörsen fort. Beim Dollar ist, wie nicht anders zu erwarten war, eine entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 519,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,77 Dollar und in London zu 53,43 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8800 Euro . Damit kostet der Euro 1,1364 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise drehen bei. Sie haben einen spürbaren Teil ihrer Teuerung abgeschüttelt. Der Aufwärtstrend steht allerdings, wie im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu erkennen ist. Um diesen erneut zu knacken, braucht es nun einen festen Realitätssinn der Finanzjongleure. Hier liegt das Problem. Die Szene will Gewinne machen. Wenn die Realität dabei stört, wird sie notfalls ausgeblendet.

Der Binnenmarkt erlebt einen Kaufrausch als Reaktion auf die jüngste Preisentwicklung. Der Handel kommt damit und mit den im Winter vermehrt auftretenden Eilbestellungen noch recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Die Situation wird nicht lange anhalten. Ein Preisanstieg sorgt à la longue für Kaufzurückhaltung. Ein Preisrückgang weckt die Hoffnung auf mehr Verbilligung und sorgt kurzfristig für Kaufzurückhaltung.

Viele Leser haben sich inzwischen endgültig von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl mit einem Kauf verabschiedet. Es gibt aber weiterhin Optimisten, die auf tiefere Preise setzten. Ihr Anteil ist gegenüber gestern leicht gestiegen. Die Handelsidee „tiefere Preise im Verlauf des Winters“ ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Eine Bestätigung für die Handelsidee steckt möglicherweise in unserem mathematischen Tiefpreis-System. Es gibt derzeit keine Kaufsignale. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Preise nicht unbedingt nahe. Nach Lage der Dinge am realen Markt könnte Heizöl im weiteren Verlauf des Winters zwar noch einmal billiger werden. Der tiefe Fall der Ölpreise zieht aber immer mehr Bullen an, die einen Preisanstieg unbedingt mitmachen wollen. Sie wirken mit ihrer Geldmacht gegen den Realmarkteinfluss.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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