Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Aufwärtstrend ist das Gesetz der Zeit

Internationaler Markt

Die Erwartungen an die US-Bestandsdaten waren nach den Vorgaben des API (American Petroleum Institute) vom Vorabend gigantisch. Unter derartigen Superlativen geht ja heute nicht mehr viel in der öffentlichen Kommunikation. Die als vertrauenswürdiger eingeschätzten Daten des DOE (Department of Energy) konnten danach nur noch enttäuschen. Sie weisen einen hohen Bestandsaufbau aus, der allemal bärisch zu würdigen wäre. Die Ölpreise stiegen indes und annullierten den vorausgegangenen Abgang.

In den Rohöldaten zeigt sich die Wucht des Förderaufbaus in den USA. Der Wert des API wirkt utopisch. Der DOE-Wert zeigt immer noch ein beeindruckendes Ergebnis. Woche für Woche werden neue Produktionshochs gemeldet. Die anderen Daten der Bestandserhebungen sind für den Realmarkt derzeit weniger relevant. Die auf steigende Ölnotierungen fixierte Finanzszene erhöht ihre Bedeutung für die Preisbildung. Im Einzelnen lieferten die Berichterstatter folgende Zahlen:

Rohöl: +7,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +14,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,4 (DOE) bzw. 12,9 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung sank auf 89 Prozent. Angesichts einiger Störungen und eines Raffineriearbeiterstreiks ist die Zahl gut.

Die USA drohen im eigenen Rohöl zu ertrinken. Sie können es nicht ausreichend verarbeiten, weil ihre Raffinerien für andere Qualitäten ausgelegt sind. Es liegt daher auf der Hand, das Exportverbot aufzuheben. Politisch ist das kein einfaches Unterfangen. Es wird vermutlich zu einer Reihe von Sonderregelungen kommen. Eine davon betrifft den Öltausch mit den Nachbarländern. Dabei werden die in den USA, in Kanada und in Mexiko geförderten Öle dorthin verbracht, wo sie am besten verarbeitet werden können. Diese Maßnahme würde den Importbedarf Nordamerikas senken und zusätzliche Mengen für andere Abnehmer in der Welt verfügbar machen. Die Wirkung auf den Ölpreis wäre bärisch.

Für die Finanzszene ist es nicht die Zeit, sich mit derartig „defätistischen“ Ideen auseinanderzusetzen. Sie handelt den Rückgang der Explorationsgeräte in den USA und die daran geknüpfte Erwartung eines Förderrückgangs. Wenn sie damit mal nicht das Fell des Bullen zu früh verteilt. Der Preisanstieg könnte in eine Übertreibung geraten, die früher oder später in einer heftigen Korrektur endet. Das ist selbstverständlich pure Spekulation.

Heute Morgen halten sich die Öl- und Dollarnotierungen auf dem gestern erreichten Niveau. Das treibt die Heizölpreise aufwärts. Die Stimmung an den Börsen riecht etwas bullisch. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 577,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 51,58 Dollar und in London zu 60,42 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8814 Euro . Damit kostet der Euro 1,1345 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise drehen wieder aufwärts. Die Finanzszene fand nach einem kleinen Realitätsschock schnell zu ihrer Grundhaltung zurück. Sie will Geld mit steigenden Ölpreisen machen. Dies Thema wird nun solange geritten, bis das Pferd tot ist.

Im Bestellverhalten der Kunden blitzt die Hoffnung auf wieder sinkende Preise auf. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen das entsprechend an. Das eine steht auf einem tiefen Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem hohen Wert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Nur wenige Beobachter nutzten gestern den Preisrücksetzer für einen Kauf.

Die Beobachter, die auf tiefere Preise setzen, werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts, wobei sie auch dort grenzwertig sind. Diese Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Heizölpreise nicht mehr nahe, die noch bestehende Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt in einer 55/45 Situation für Preisanstieg.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen