Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Besser als die jüngste Entwicklung

Internationaler Markt

An der Börse wurden gestern zwei originäre Ölthemen gehandelt. Sie trieben die Preise entgegen der charttechnisch prognostizierten Tendenz aufwärts. Die Spielmacher waren Ägypten und die US-Bestandsdaten.

Ägypten ist ein Öl produzierender Staat. Diese Tatsache ist für die Weltversorgung irrelevant, da die Förderung lediglich 0,1 Prozent des globalen Angebots ausmacht. Relevant ist hingegen, dass das Land international bedeutende Transportwege beherbergt, durch die täglich 3,8 Mio. Barrel Öl aus der Golf-Region in das Mittelmeer befördert werden. Die Menge entspricht 30 Prozent des EU-Bedarfs. Bis zu 2,5 Mio. Barrel werden täglich durch die Sumed-Pipeline gepumpt. Der Rest wird durch den Suez-Kanal verschifft. Die Pipeline passiert die Städte Kairo und Alexandria in geringer Entfernung. Angesichts der entfachten Gewaltspirale im Land sind Sorgen über eine Unterbrechung der Transportwege angebracht. Sie wirken verständlicherweise bullisch.

Die aktuellen US-Bestandsdaten zeichnen ein uneinheitliches Bild der Vorratslage. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, gaben erneut deutlich abweichende Zahlen für ein und denselben Sachverhalt zu Protokoll. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,0 (DOE) bzw. ein Aufbau von 1,8 (API) Mio. Barrel. Der erhebliche Widerspruch betrifft die Benzinvorräte. Er ist vermutlich zeitlichen Abgrenzungsproblemen geschuldet. Zusammen mit den Zahlen der Vorwoche entsteht ein ausgeglicheneres Bild. Damit ergibt sich ein Abbau von 2,7 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Gesamtbestände sind nach wie vor hoch, wie diese Grafik zeigt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Rohölbestände marginal geringer. Die Heizöl- und Benzinvorräte sind höher. Die Raffinerieauslastung sank in der Vorwoche auf 89 Prozent. Das alles deutet auf eine schwache Nachfrage hin. Die bullische Wirkung der Daten ist nicht nachvollziehbar.

Heute Morgen scheinen die Notierungen einen Zenit erreicht zu haben. Sie sind seit Stunden stabil. Das ist die freundliche Interpretation der aktuellen Börse. Die unfreundliche spricht von der Ruhe vor dem nächsten Sturm. Die freundliche Sicht passt besser zur realen Versorgungslage. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 930,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 107,01 Dollar und in London zu 110,54 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,25 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Veränderung. Von den Börsen kommt aber immer noch Auftrieb. Der Binnenmarkt ist sommerlich ruhig. Er hat kaum Einfluss auf die Heizölpreise. Dort wo er Wirkung zeigt, ist diese preisdämpfend. Die Trends der verschiedenen Perioden, kurz-, mittel- und längerfristig, weisen noch abwärts. Sie laborieren allerdings an ihren Trendgrenzen, wie diese Grafik zeigt. Das dämpft die Zuversicht für freundliche Preise während des weiteren Jahresverlaufs. Die physische Marktlage bleibt uns als Hoffnungsträger erhalten. Immerhin, günstiger als vor zwölf Monaten sind die Heizölpreise allemal. Das dürfte sich sobald auch nicht ändern. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Gewaltspirale in Ägypten
Ein paar gute Konjunkturdaten aus Europa und USA
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Spannungsbedingte (sozial, politisch) Ausfälle in wichtigen Ölstaaten
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Gute Konjunkturzahlen schüren Sorge über Ende der lockeren Geldpolitik
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Viele Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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