Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: China kopiert nicht alles

Internationaler Markt

Der Hoffnungsträger der Weltwirtschaft, das Land der sagenhaften Wachstumsraten, unsere globale Werkstatt wackelt. China ist nicht mehr chinesisch. China sorgt sich, europäisch zu werden. Sinkende Wachstumsraten und Finanzierungsengpässe machen der Finanzszene zu schaffen. Ob sie auch der chinesischen Führung zu schaffen machen, ist nicht gewiss. Möglich, dass sie die aktuellen Erscheinungen nach Jahren des kometenhaften Aufstiegs für normal hält. Möglich, dass sie einen anderen Plan verfolgt als beispielsweise den US-amerikanischen, der auf bedingungsloses Wachstum unter allen Umständen und mit allen Mitteln setzt, einschließlich des exzessiven Gelddruckens. Allein in diesem Jahr werden voraussichtlich über eine Billion US-Dollar neu geschaffen. Die EU und Japan machen es ähnlich. Dass die Geldmassen keine gute Medizin sind, zeigt die Realwirtschaft der drei Zonen. Sie reagiert kaum auf die vielen Stimuli. Anders als in einem gesunden Organismus werden diese Stimuli nicht abgebaut. Sie werden eingelagert und stellen eine Zeitbombe dar, die irgendwann platzen wird, entweder durch eine Inflationsexplosion oder durch eine Finanzmarktimplosion. Möglich, dass die chinesische Führung gerade damit beschäftigt ist, das Land auf diesen Moment vorzubereiten, und deshalb keine Anstalten zeigt, irgendetwas gegen Wachstumsschwäche und Kreditklemme zu unternehmen. Sie gehören schließlich genauso zu einer funktionierenden Wirtschaft wie ihre segensreichen Erscheinungen.

Die chinesische Regierung scheint ganz cool zu sein. Das kann man über die Finanzszene nicht sagen. Gestern (oder ein paar Tage früher) wähnte sie sich noch auf Wolke sieben. Heute stellt sie fest, dass die Wolke keinen Fußboden hat. Ein Absturz wird real. An den Aktienmärkten laufen die Proben dafür. Die Ölbörsen sollten folgen. Noch halten die sich relativ teilnahmslos, wie die Chinesen. Ihre Protagonisten suchen krampfhaft nach bullischen Themen, die sie außerhalb des üblichen Tagesgeschehens stellen. Gestern war das die Entdeckung eines Lecks an einer kanadisch-amerikanischen Pipeline. Diese und zwei weitere, unbeschädigte Pipelines wurden daraufhin vorsorglich geschlossen. Den USA fehlen nun rund eine Mio. Barrel Rohöl pro Tag bei einem Bedarf von 18 bis 19 Mio. Barrel pro Tag. Das hört sich bedeutsam an. Angesichts historisch hoher Rohölbestände und einer sehr schwachen Benzinnachfrage ist es aber unbedeutend, zumal die beiden präventiv abgeschalteten Pipelines jederzeit wieder in Betrieb gehen können. Die Ölnotierungen tendierten gestern tatsächlich aufwärts. Sie werden diese Richtung aber kaum lange halten können. Der Finanzszene wird auch dieser Sektor bald unheimlich werden. Dann wird er den Aktienmärkten folgen.

Ein Gesetz, dass die Börsen nun ordentlich Federn lassen, gibt es selbstverständlich nicht. Ben Bernanke, Mario Draghi und alle anderen Notenbankchefs werden ihrerseits kalte Füße bekommen und erneut mit Geld winken. Wir dürfen uns auf eine wilde Pokerpartie gefasst machen, bei der es um den Ausbau wertloser Papiergewinne gegen die Wiedereinführung einer glaubwürdigen Geldpolitik geht.

Heute Morgen wird an den Ölbörsen nichts von dem Erwähnten gehandelt. Heute ist die Charttechnik dran. Und die zeigt aufwärts. Die Notierungen steigen zur Stunde. Die Tonne Gasöl kostet 866,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,39 Dollar und in London zu 101,33 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,06 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie werden von wechselhaften Ölnotierungen und einem im Gegentakt schwingenden Dollar stabil gehalten. Der Binnenmarkt ist weiterhin ohne eigenen Preiseinfluss. Vereinzelt werden lange Lieferzeiten gemeldet. Sie sind die Folge guter Verkäufe im letzten Monat. Die Preistrends in den verschiedenen Fristen sind stabil, kurzfristig seitwärts, mittelfristig abwärts. Das deckt sich mit der medialen Wahrnehmung der Finanz- und der Ölwelt. Heizöl hat gute Gründe billiger zu werden. Man muss sehen ob Politik und Notenbanken das zulassen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Einige kleine Infrastrukturstörungen
Nordseeöl kann wegen Wartungsarbeiten vorübergehend knapp werden
Rohölbedarf soll deutlich steigen
Spannungen um Syrienkonflikt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Bernanke deutet Ende der lockeren Geldpolitik an
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
OPEC, EIA und IEA Monatsberichte

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