Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Da könnte was gehen

Internationaler Markt

Vergessen wir die USA! Sie sind nicht der Ort, an dem über Sein oder Nichtsein einer guten Ölversorgung entschieden wird. Der erwartete Rückgang der US-Förderung, der die Ölpreise seit Wochen aufwärts treibt, kann in diesem Jahr allein durch den Aufbau der irakischen Produktion kompensiert werden. Dann sind da noch Saudi Arabien, Iran, Russland, sogar Norwegen und viele andere Förderländer, die alle versuchen, ihr Öl loszuwerden, solange es dafür noch Abnehmer gibt. Das Problem liegt aus heutiger Sicht nicht in einer drohenden Angebotsverknappung, sondern in den atmosphärischen Schäden, die der unreflektierte Verbrauch einer üppig vorhandenen Ressource anrichtet. Zumindest in der Ölwelt ist das Thema Atmosphärenschutz angesichts nicht endender Spekulationen über ein Ende der Überversorgung untergegangen.

Die Konzentration der Finanzjongleure auf die USA und ihre bald sinkende Förderung hat zu einer Blasenbildung an den Ölbörsen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie platzen wird, wächst. Zumal es alles andere als sicher ist, dass die US-Förderung tatsächlich spürbar sinken wird. Die bisher für eine profitable Produktion unzureichenden Preise von einst unter 80, später unter 70, dann unter 60 Dollar pro Barrel haben durch jüngere Kostensenkungen nun eine Grenze bei 50 Dollar pro Barrel erreicht, wohlgemerkt für die Sorte WTI (West Texas Intermediate). Hier ist der Preischart dazu. Aktuell befindet er sich im entspannten Bereich.

Um die Leistungsfähigkeit der großen Ölgesellschaften muss man sich trotz des heftigen Preisverfalls im Laufe des letzten Jahres keine Sorgen machen. Sie haben es geschafft, einen ordentlichen Teil der Gewinne, die zur Entwicklung ihrer Geschäftsbasis nötig sind, vom Bohrloch auf die Raffinierung zu verlagern. In der Fachwelt heißt es, die Gewinne werden nicht mehr upstream, sondern downstream gemacht. Downstream, namentlich bei den Raffinerien, erwächst ihnen nun allerdings Konkurrenz aus Nah- und Fernost. Die vor Jahren begonnenen Raffinerieprojekte werden nach und nach fertig gestellt und beginnen zu liefern. Damit wird ein gewisser Druck auf die Ölpreise, in diesem Fall die Produktenpreise, ausgeübt.

Gestern gaben die Ölnotierungen nach. Heute Morgen setzt sich dieser Gang der Dinge an den Ölbörsen fort. Die Heizölpreise folgen dem Geschehen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 580,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 56,29 Dollar und in London zu 64,17 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9193 Euro . Damit kostet der Euro 1,0878 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise tauchen wieder in die bis vor Kurzem noch seitwärts gerichtete Zone des derzeit leicht ansteigenden Trendkanals ein. Die Grenze liegt bei 64 Eurocent pro Liter für eine Liefermenge von 3.000 Liter im Bundesdurchschnitt. Die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz verdeutlicht die Aussage. Es bleibt abzuwarten, ob die preistreibenden Exzesse der Finanzjongleure, die den jüngsten Preisanstieg im Wesentlichen verursacht haben, nun langsam auslaufen.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern relativ bedächtig herein. Etwas lebendiger wirkt dagegen die Hoffnung auf günstigeres Heizöl. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem relativ hohen Niveau für die Kaufbereitschaft, wohlgemerkt bei niedrigem Gesamtinteresse, das andere auf einem Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie leicht aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen wieder Potenzial für abwärts.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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