Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Abwärtstrend wackelt

Internationaler Markt

Nein, es ist alles andere als freundlich, was sich da an den Ölbörsen zusammenbraut. Die Feststellung soll nicht den Eindruck erwecken, dass Finanzjongleure ursächlich für unfreundliche Aussichten wären. Sie sind allenfalls die Indikatoren der Umstände. Die Umstände selbst sehen wir in der Ukraine und dem daran entzündeten Ost-West-Konflikt, in Libyen, in den Verhandlungen um das iranische Atomprogramm und in diversen Störungen im Ölsystem. Hinzu kommen aktuell ein Konjunkturdatum aus China sowie die US-Bestandsdaten. Alle genannten Einflüsse wirken bullisch. Damit ist die Unfreundlichkeit für europäische Verbraucher noch nicht vollständig aufgezählt. Ihr droht eine Zugabe durch die Geldpolitik der EZB.

Im Ukrainekonflikt ruhen die Hoffnungen für eine Verbesserung der Situation auf den Präsidentschaftswahlen am kommenden Wochenende. Mit Blick auf die Kandidaten und ihre Reputation beim Volk mutet diese Hoffnung wie das Pfeifen im Walde an. Hinzu kommt der Umstand, dass eine ordentliche Wahl im Osten des Landes per se ausgeschlossen ist. Man muss kein Prophet sein, um dem Urnengang mehr Schaden als Nutzen vorherzusagen. Er wird die Ukraine nicht einen und er wird die Sanktionsspirale gegen Russland, die sich mehr gegen unsere ureigenen Energieinteressen richtet, weiterdrehen. Im daraus folgenden Zwang, sich neue Handelspartner suchen zu müssen, ist Russland der EU voraus. Es wird sein Gas in China los. Wir dagegen haben keinen adäquaten Lieferanten, der unseren Bedarf decken kann.

Libyen zerfällt im Chaos und die Verhandlungen von USA + EU mit dem Iran um das Atomprogramm stocken. In Konsequenz wird der Ölbezug für Europa dadurch schwieriger und teurer.

Die chinesische Wirtschaft soll gemäß einer Schätzung zum HSBC Einkaufsmanagerindex an Dynamik gewinnen. Finanzjongleure regt die Meldung zu der Annahme an, dass die Ölnachfrage stärker steigt als prognostiziert. Der absolute Wert des genannten Index steht allerdings immer noch auf „gebremste Konjunkturdynamik“. Daher sind Zweifel an der Einschätzung der Finanzszene angebracht.

Die aktuellen Daten zu den US-Ölbeständen weisen starke Rückgänge in den Rohöllagern auf. Daraus ergibt sich ein bullischer Impuls für die Ölbörsen. Ursächlich sind gedrosselte Rohölimporte. Sie haben ein 17-Jahres-Tief erreicht. Dass der Weltmarkt hierdurch entlastet wird und Zugänge in den US-Produktenlagern dämpfen die bullische Wirkung der Daten. Im Einzelnen geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die US-Bestandserhebung zuständigen Institutionen, folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: -7,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -10,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,8 (DOE) bzw. 8,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 89 Prozent. Die Zahl ist alles andere als hoch. Wenn die Produktenvorräte dennoch steigen, muss die US-Nachfrage relativ schwach sein. Die Annahme wird durch Zahlen tatsächlich belegt. Dieser Umstand sollte in den nächsten Tagen bärisch zu Buche schlagen. Dass der Effekt angesichts der geopolitischen Einflüsse spürbar wird, darf allerdings bezweifelt werden.

Die EZB lässt immer wieder durchblicken, dass sie eine ähnliche Geldpolitik anstrebt wie die US-Notenbank. Diese sorgt mit ihrer aggressiven Geldschöpfung für eine temporäre Stabilisierung der Finanzindustrie. Als gern gesehener Nebeneffekt verbilligt sich der US-Dollar. Die Exportwirtschaft applaudiert. Die Bilanz der Notenbank und die Staatsschulden steigen dabei allerdings in nie gekannte Höhen. Es gibt keinen schlüssigen Plan, wie das Gelddesaster jemals aufgelöst werden wird. Die Kopie dieser Geldpolitik in Europa würde den Euro schwächen. Auch hier würde die Exportwirtschaft applaudieren. Allerdings käme die Sache Verbraucher teuer zu stehen, weil die Energie, die anders als in den USA fast vollständig importiert wird, mit mehr Euros bezahlt werden muss.

Heute Morgen zappeln die Notierungen an den Ölbörsen hin und her. Ein Trend ist nicht zu erkennen. Der Euro wird gerade billiger. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 913,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,99 Dollar und in London zu 110,54 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3665 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise steigen. Sie haben erneut die oberen Grenzen der kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends erreicht. Es ist ernsthaft zu befürchten, dass sie diese durchbrechen werden. Die Vorgaben für die unangenehme Lage kommen von den Öl- und Dollarnotierungen. Der Binnenmarkt kann dem wenig entgegensetzen. Zwar sind die Preise rabattiert. Das reicht aber nicht, um einen angemessenen Ausgleich zu schaffen. Die Kauflaune der Kunden ist dürftig, obwohl die Preise im Dreijahresvergleich gut sind. Wirklich reizvoll sind sie aber tatsächlich nicht, wie unser Tiefpreis-System zeigt. Insofern ist die Kaufzurückhaltung verständlich. Angesichts der geopolitischen Lage könnte sie gleichwohl falsch sein. Den Preisen droht ein weiterer Anstieg. Wir können nicht mehr zur Spekulation auf günstigeres Heizöl aufrufen. Unsere Leser sind zwar nicht so besorgt wie wir. Aber auch sie senken ihre bärische Erwartung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Libyen rutscht immer tiefer in die Krise
Ukraine rutscht immer tiefer in die Krise
EU dreht an Sanktionsschraube gegen Russland
Produktionsausfall in der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Moskau gibt Signale der Entspannung im Ukrainekonflikt
Ölnachfrage in Prognosen etwas reduziert
Rezessionsgefahr in Russland

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