Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Trend ist hart

Internationaler Markt

Gestern wechselten Massen von Ölpapieren ihre Besitzer. Dabei zogen die Notierungen flott an. Nordseeöl Brent hat heute Morgen die Marke von 60 Dollar pro Barrel durchstoßen. Die Stimmung an den Ölbörsen ist klar bullisch. An der Konstellation des Realmarkts hat sich indes nichts geändert. Er ist überversorgt.

Die Meinungen, ob dieser Zustand von Dauer oder in Kürze vorbei sein wird, gehen weit auseinander. Es ist kaum möglich, aus Äußerungen auf den wahren Zustand des Ölmarkts zu schließen. Aussage und Interesse eines Aussagenden sind eng verknüpft. Hier geht es weniger um Information als um Meinungshoheit und Einflussnahme auf die Preisbildung.

Fakten zur Lage sind, dass die USA und Kanada weiter an der langfristigen Stärkung ihrer Ölinfrastruktur arbeiten, dass die Zahl der Explorationsgeräte kurzfristig aber sinkt, dass kalte Temperaturen und ein Raffineriearbeiterstreik in den USA die Versorgung kurzfristig stressen könnten, dass die üppige Vorratslage aktuell aber jede denkbare Störung locker ausgleichen kann, dass es global ein paar Angebotsausfälle gibt, dass gleichwohl Rabatte gegeben werden, um Öl in den Markt zu drücken.

Ohne Zweifel hat die langfristige Ölpreisbildung etwas mit dem Realmarkt zu tun. Genauso wenig Zweifel bestehen aber, dass sie immer stärker von reinen Finanzmarktgegebenheiten beeinflusst wird. Mit den über Jahre gewachsenen Summen frei verfügbaren Geldes, zu denen es per se keine realwirtschaftliche Entsprechung gibt, lassen sich Preise bewegen. Ihre Kraft ist mittlerweile größer als die Kraft der realen Märkte. Wir neigen dazu, für die großen Preisbewegungen nach greifbaren Markterklärungen zu suchen. Bei genauer Betrachtung sind diese in der jüngeren Geschichte alles andere als stichhaltig. Die gesamte Ölpreishistorie dieses Jahrtausends lässt sich besser mit Finanzmarktstimmungen als mit Angebot und Nachfrage erklären. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass die Heizölpreise trotz einer Ölschwemme wieder zu ihren alten Höhen zurückstreben.

Heute Morgen streben die Ölnotierungen weiter aufwärts. Ohne reale Not legten sie binnen 24 Stunden über fünf Prozent zu. Gleichzeitig verlor der Dollar, warum auch immer, an Wert. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 577,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 51,86 Dollar und in London zu 60,05 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8755 Euro . Damit kostet der Euro 1,1422 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise halten sich strikt an den Trend. Der weist gnadenlos aufwärts, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Charttechnisch sieht die Heizölpreisentwicklung nun alles andere als rosig aus. Hoffnung auf Besserung macht nur der Realmarkt. Der hat an den Börsen im Moment aber eine ganz schwache Lobby.

Im Binnenmarkt ist die Bestellfreude dahin. Den Handel stört das noch nicht, da alte Bestellungen und vermehrt auftretende Notkäufe abgearbeitet werden müssen. Sie halten die Lieferzeiten vielerorts hoch.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht recht tief. Es unterstreicht die Kaufmüdigkeit. Auf einem tieferen Preisniveau würden die Bestellungen wieder zunehmen. Das schließen wir aus unserer Lesereinschätzung. Eine deutliche Mehrheit der Beobachter erwartet günstigere Preise, vermutlich um dann zu kaufen.

Diese Beobachter werden sich vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Heizölpreistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Heizölpreise nicht wirklich nahe, die anhaltende Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreisentwicklung steckt in einer 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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