Unseren neuen Kommentar fĂĽr den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Internationaler Markt

Es scheint zu kommen, wie es kommen muss, wenn nicht Verantwortung und strategische Ziele, sondern Gesinnung und Populismus die Regierungsarbeit prägen. Nun soll der Gesinnung, in diesem Fall dem Schutz des Völkerrechts vor russischer Einflussnahme, mit dem Energiehandel als Waffe zum Sieg verholfen werden. Die plötzliche Eingebung bekam unsere wendige Kanzlerin während eines Gesprächs mit dem kanadischen Premierminister Harper. Er hat den Energiereichtum seines Landes und die politische Streitsucht seiner südlichen Nachbarn gut verkauft. Es bedurfte offensichtlich keiner langwierigen Überzeugungsarbeit, um die Enttäuschung seiner Gesprächspartnerin über die von Skandalen geprägte US-Politik zu zerstreuen und ihre persönlichen Ressentiments gegen Russland geopolitisch zu missbrauchen. Dabei muss er Fakten geschönt haben. Anders lässt sich das Interesse Angela Merkels an einer von Russland weniger abhängigen Energieversorgung zu Kanadas Gunsten nicht erklären. Es gibt weder einen Öl- noch einen Gasüberschuss, den Nordamerika zur Substitution russischer Angebote nach Europa verkaufen könnte, es sei denn, die Ware würde extrem gut bezahlt werden. Beim Öl beträgt die Selbstversorgungsrate Nordamerikas derzeit 68 Prozent, beim Gas fast 100 Prozent. Russland hat hingegen 3,4-mal soviel Öl und 1,4-mal soviel Gas, wie es selbst benötigt. Das ist eine solide faktische Grundlage für ein attraktives Marktangebot. Diesem auch nur in Teilen den Rücken zu kehren, würde auf eine teure und gefährliche Gesinnungspolitik hinauslaufen, die bei vielen Menschen hierzulande Kriegsängste auslöst. An den Börsen sorgt allein der Gedanke daran für steigende Ölnotierungen.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise steigen. Nun gibt es kein Entrinnen mehr vor der Politik. Sie findet über die Ölbörsen Zugang in die Preise. Der Binnenmarkt hat dabei keinen Einfluss. Da die Nachfrage mittlerweile gering ist, trägt er allenfalls zu einer leichten Linderung des Preisanstiegs über den Verzicht des Handels auf Marge bei. Da sind sie also wieder, die kleinen Rabatte, dieses Mal aber ohne spürbaren Vorteil für Verbraucher. Noch sind alle Trends, kurz-, mittel- und langfristig, abwärts gerichtet. Die kurz- und mittelfristigen Trends sind allerdings gefährdet. Die Preisaussichten haben sich drastisch eingetrübt. Nach wie vor sehen wir einen gut versorgten Markt. Nun sitzen aber Politiker neben den Verkäufern. Und die verstehen nichts vom Geschäft. Als Rat für Heizölkunden haben wir heute keine Zeit- oder Preisperspektive zu bieten, sondern den Hinweis, Frau Merkel Ihre Meinung zu schreiben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Nordamerika und Deutschland wollen Energiesanktionen gegen Russland
Freundliche US-Konjunkturdaten
Libyen droht zu zerreiĂźen
Unruhen in Venezuela

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Zweifel an Chinas Konjunktur
USA geben Teil der strategischen Reserven frei
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr

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