Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Wahnsinn tut momentan nicht weh

Internationaler Markt

Die Ölbestände der USA nahmen in der vergangenen Woche unerwartet stark ab. Das ermittelte das DOE (Department of Energy), eine der beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen. Die andere, das API (American Petroleum Institute), verzeichnete lediglich einen leichten Rückgang. Im Einzelnen lauten ihre Zahlen wie folgt:

Rohöl: -4,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 7,2 (DOE) bzw. 1,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin sehr starke 93 Prozent. Dass die Benzinvorräte gleichwohl deutlich sanken, geht auf die gestiegene Nachfrage in der Berichtswoche zurück. Bis hierher sind die Bestandsmeldungen klar bullisch. Nicht gerade überschwänglich, aber immerhin eindeutig reagierte man an den Ölbörsen. Die Notierungen stiegen. Bleibt nachzutragen, dass die US-Benzinnachfrage auf Jahressicht erneut sank und dass die Bestände größer sind als vor einem Jahr. Finanzjongleure könnten in den kommenden Tagen also durchaus wieder bärische Töne anstimmen.

Dass genau das nicht geschieht, ist die Strategie der US-Notenbank (FED). Sie argumentiert bei der Erklärung ihrer Geldpolitik zwar mit der Realwirtschaft. Die wesentliche Wirkung entfalten ihre Maßnahmen indes an den Börsen. Gestern wurde das Ergebnis einer zweitägigen Klausur verkündet. Die lockere Geldpolitik wird auf unbestimmte Zeit fortgesetzt. Nichts anderes können die Wächter über das US-amerikanische Geld, das gleichzeitig Weltwährung ist, machen. Sie haben sich mit Beginn der ungeheuren Geldproduktion von mittlerweile 85 Mrd. Dollar pro Monat ins „Schach“ gesetzt. Die Börsen werden irgendwann zusammen mit der Realwirtschaft das „Matt“ folgen lassen.

Warum ist das so? Die in 2008 ausgebrochene Finanzkrise ist im Kern eine Vertrauenskrise in die Werthaltigkeit des Finanzsystems, das bis dahin viermal mehr Geldvermögen schuf, als real durch Waren und Leistungen abgedeckt sind. Die Folgen dieser Krise versuchte die FED zunächst durch eine Nullzinspolitik in den Griff zu bekommen. Schnell wurde klar, dass der Versuch genau wie in Japan während der letzten zehn Jahre scheitern wird. Nun begann das lockere Gelddrucken (quantitative easing). Bis Mitte 2010 wurden rund 1,2 Billionen frische Dollar geschaffen, mit denen faule Kredite und Hypotheken abgedeckt werden sollten. Die Konjunktur kam während dieser Zeit nicht wunschgemäß voran. Zudem drohten die Börsen wieder ins Trudeln zu geraten. Es folgte eine zweite Geldproduktionsrunde zwischen November 2010 und Juni 2011. Sie gebar 0,6 Billionen frische Dollar. Auch sie brachte nicht das gewünschte konjunkturelle Ergebnis. Abermals drohte den Börsen ein Crash. Sie wankten, aber sie stürzten nicht. Im September 2012 kündigte Ben Bernanke, Chef der FED, die dritte Gelddruckrunde an, dieses Mal ohne Ende. Die Rede war von 40 Mrd. Dollar pro Monat. Die Zahl wurde bald auf 85 Mrd. Dollar pro Monat erhöht, das sind über eine Billion Dollar pro Jahr. Diese Menge und die unbestimmte Dauer des Programms wurden gestern bestätigt. Die Börsen jubeln.

Die spekulativen Geldvermögen seien als Folge dieser Politik mittlerweile auf das Neunfache des Werts realer Waren und Leistungen angewachsen, sagen Fachleute. Es ist eine Schätzung. Fakt ist, dass einbrechende Börsen die Pensionsversprechen einer ganzen Generation wertlos stellen würden. Dieser Umstand ist ein viel größerer Horror als eine rezessive Konjunktur. Und so muss das ungeheuerliche Gelddrucken weitergehen, bis es durch einen heute noch unbekannten Umstand ein für alle Mal abgeschafft wird. Wir ahnen schon, dass es ein urgewaltiger Umstand sein muss. Und wir müssen wieder erkennen, dass die herrschende Geld- und Finanzpolitik keinem plausiblen Plan folgt, nicht in den USA, nicht in Europa und nicht anderswo auf der Welt.

Die Aktienbörsen berauschen sich auch heute Morgen an dem Geldsegen. An den Ölbörsen ist man nüchterner. Nach der preistreibenden Freude gestern blickt man heute auf einen gut versorgten Markt. Der dämpft den Wahnsinn ein wenig. Der Dollar wird übrigens gerade entwertet. Das ist vollkommen plausibel. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 939,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,72 Dollar und in London zu 110,98 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,90 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Damit haben Sie wahrscheinlich nach der Lektüre der oberen Zeilen nicht gerechnet. Dem kräftigen Ölpreisanstieg steht ein noch kräftigerer Dollarverfall gegenüber. Das ist unsere Rettung in dem derzeitigen Desaster. Im Binnenmarkt kommt Leben auf. Die Margen für Heizöl erhöhen sich ein wenig. Gemessen an den anderen Einflussfaktoren ist dieser Effekt gering. Trendgemäß müsste Heizöl noch günstiger werden. Die große Unruhe an den Börsen kann einen simplen Trend aber schnell kippen. Insofern empfiehlt es sich, die Angelegenheit eng zu verfolgen. Neben dieser Internetseite steht Ihnen dazu unsere Smartphone-App zur Verfügung. Heizöl ist übrigens weiterhin deutlich günstiger als vor zwölf Monaten. Es kommt an das Niveau von vor zwei Jahren heran. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik bestätigt
US-Bestandsdaten
Kritische Stimmen zur globalen Angebotssituation
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen wird Teile der üblichen Lieferungen bald wieder aufnehmen
Trans-Niger-Pipeline wieder in Betrieb
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
Militäreinsatz gegen Syrien vom Tisch
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken

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