Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der physische Markt ist gut

Internationaler Markt

Die wöchentlich zur börslichen Begutachtung herausgegebenen Zahlen über die US-Ölvorräte bestätigen einmal mehr die gute Versorgungslage des Landes. Darüber hinaus lassen sie erahnen, dass das wachsende Ölaufkommen in den USA auch global zum neuen Wohlfühlen mit dem Ölmarkt beiträgt. Die Peak-Oil-Dramatik der ersten Dekade in diesem Jahrtausend ist zwar nicht vergessen, aber immerhin verflogen. Was im Alltag bleibt, ist ein unaufgeregtes Ölpreisniveau, das an die technischen Herausforderungen moderner Förderung angepasst ist. Öl blubbert heute nicht mehr von allein aus den Löchern staubiger Wüsten und schon gar nicht aus den perforierten Böden der USA. Dort, wo das meiste Öl verbraucht wird, wird auch der größte Aufwand für Exploration und Förderung betrieben. Etwa die Hälfte der global verteilten Bohr- und Fördertürme befindet sich in den USA. Damit wird rund zehn Prozent der globalen Ölproduktion realisiert.

In der abgelaufenen Woche haben die Einrichtungen ordentlich gearbeitet. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, berichten über starke Aufbauten in den Rohöllagern. Sie berichten allerdings auch über gesunkene Benzinvorräte. Die Nachfrage der Autofahrer nimmt mit dem Ende des Winters wieder zu. Insgesamt ist der Preiseinfluss der US-Bestände leicht bärisch. In Zahlen liest sich der Sachverhalt wie folgt:

Rohöl: +6,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,1 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 86 Prozent. Sie macht deutlich, dass Raffinerieteile weiterhin wegen der Umstellung auf Sommerware abgeschaltet sind.

Stark ist der bärische Einfluss an den Ölbörsen leider nicht. Zum einen wird er von ein paar freundlichen Konjunkturzahlen überdeckt, die steigende Nachfrageerwartungen wecken. Solche Zahlen sind das Papier, auf dem sie gedruckt werden, meist nicht wert, da ihre Gültigkeit den Tag kaum überdauert. Zum anderen stehen die Ölpreise weiterhin unter der Kuratel der Ost-West-Spannungen um die Ukraine. Beide Seiten zeigen in dieser Angelegenheit einen dramatischen Verfall diplomatischer Kommunikationskunst. Darüber hinaus schockiert uns der von den USA getriebene Westen mit pubertärer Rechthaberei, aus der zu allem Überfluss Handlungen abgeleitet werden, deren Ziel nicht vermittelbar oder gar nicht vorhanden ist. Das ist das Zeug, aus dem in der Geschichte schon Kriege geboren wurden.

Heute Morgen tut sich an den Ölbörsen wenig, zumindest wenig Neues. Die Kurse halten irgendwie seitwärts. Wahrscheinlich wird das im Tagesverlauf so bleiben. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 896,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,23 Dollar und in London zu 106,94 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,62 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen sich fast unverändert gegenüber gestern. Damit liegen sie in Linie zu den Börsenvorgaben. Im Binnenmarkt wird es immer ruhiger. Die in den letzten zwei Wochen gestiegenen Heizölpreise lassen die Kauflaune der Kunden schwinden. Lieferanten versuchen dem durch moderat rabattierte Preise entgegenzuwirken. Die Aussichten für die weitere Preisentwicklung sind politisch. Das heißt, sie stehen in engem Zusammenhang mit den Ost-West-Spannungen und ihrem Einfluss auf den Energiemarkt. Ohne diese Spannungen wäre Heizöl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit günstiger. Wer an die friedliche Lösung des Konflikts glaubt, sollte auf tiefere Heizölpreise spekulieren. Dazu benötigt man Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer Sorge vor einer Verschärfung der Krise hat, sollte Heizöl kaufen. Es ist trotz des jüngsten Preisanstiegs im Vergleich zu den Vorjahren immer noch günstig. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ost-West-Konflikt um die Ukraine
Libyen droht zu zerreißen
Unruhen in Venezuela

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Zweifel an Chinas Konjunktur
USA geben Teil der strategischen Reserven frei
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr

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