Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Die Halbstarken besinnen sich

Internationaler Markt

Der fulminante Anstieg der Ölpreise wurde gestern gestoppt. Vorerst reicht den Akteuren die aktuelle Erhöhung als Risikoprämie für die explosive Lage im Nahen Osten und in Nordafrika offensichtlich aus. Nach unserer Schätzung beträgt sie circa 15 Prozent. Für eine schnelle Rücknahme der Prämie deutet sich mit dem Einschalten westlicher Denkapparate zwar ein Grund an. Da die Dramatik im weniger beachteten Libyen aber erneut steigt, ist es unwahrscheinlich, dass der Preisspuk kurzfristig verschwindet.

Die Ölnotierungen nahmen die Kehrtwende der Kriegsrhetorik aus London und Washington um Stunden voraus. Sie erreichten ihr Tageshoch am frühen Morgen. Die Einsicht, dass ein Militärschlag als Strafe für den völkerrechtswidrigen Giftgasangriff in Syrien mehr Leid und Probleme statt Lösungen mit sich bringen wird, kam gegen Abend. Das halbstarke Gebaren westlicher Politiker, das ohne Verstand für die Konsequenzen des eigenen Handels formuliert wurde und das bar jeder kalkulierbaren Strategie ist, könnte uns im weiteren Verlauf der Ereignisse mit viel Glück erspart bleiben. Die Folgen der bisher in den Umsturzgegenden in Gang gesetzten Probleme werden uns noch lange begleiten. In den Ölpreisen werden wir sie immer wieder zu spüren bekommen.

Am Beispiel Syrien wird der seit Jahren zu beklagende Mangel westlicher Politik, der mit dem Wort „pragmatisch“ verbrämt wird, abermals deutlich. Dieser Politik fehlt in jeder Beziehung ein langfristiges Programm. Es fehlt in der Außenpolitik, es fehlt in der Geld- und Finanzpolitik, es fehlt hierzulande bei der Energiewende und vieles mehr. Die Lösung freien Märkten mit vermeintlich unbegrenztem Wachstumspotenzial und einer Demokratieidee, deren Realität nicht mal im Westen den ursprünglich formulierten Ansprüchen genügt, zu überlassen, ist die Kapitulation menschlicher Gestaltungskraft. Die gegenwärtigen Probleme sind ohne Zweifel außerordentlich komplex. Sowohl die Probleme als auch die Komplexität sind von Menschen gemacht. Folglich müssen sie von Menschen durch neue Gestaltung, in der es wesentlich um die Reduzierung von Komplexität geht, bewältigt werden. Übermäßige Komplexität und Demokratie sind unvereinbar, da damit die bürgerliche Partizipation an Politik, also die Basis jedweder demokratischen Gesellschaftsordnung ausgeschlossen wird. Die anstehende Aufgabe lässt sich nicht mit pragmatischer Tagespolitik und plumpem Militär- oder Geheimdienstgehabe bewältigen.

Der Ölpreis wird von Tagesereignissen durchgeschüttelt. Das ist weniger dramatisch, da das Schütteln ausgleichende Richtungswechsel kennt. Aus dem bereits erwähnten Libyen wird die gewaltsame Okkupation und Stilllegung einer Pipeline gemeldet. Dadurch fallen weitere Mengen aus. Die Ölproduktion des Landes droht nun vollkommen zu versiegen. Diesem bullischen Einfluss stehen bärische US-Bestandsdaten gegenüber, die allerdings kaum beachtet werden. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, nahmen folgende Veränderungen zur Vorwoche auf:

Rohöl: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,1 (DOE) bzw. 1,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung bleibt bei 91 Prozent. Dieser Umstand sorgt erneut für Verwunderung, da er im Widerspruch zur Annahme steht, dass die sommerliche Kraftstoffnachfrage der USA sinkt. Die Nachfrage bleibt aber weit hinter früheren Werten zurück.

Alles in allem steckt viel Dynamik in den Ölbörsen. Die dürfte in naher Zukunft erhalten bleiben. Heute Morgen lassen die erhitzten Notierungen weiteren Dampf ab. Das Feuer unter dem Topf ist aber noch lange nicht erloschen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 969,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,81 Dollar und in London zu 115,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,34 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise setzten ihren Höhenlauf gestern fort. Die Ölbörsen gaben die Richtung vor. Aus dem Binnenmarkt kam weitere Unterstützung. Vorlieferanten hoben aus Sorge vor unkalkulierbaren Einkaufsbedingungen ihre Preise an, die der Handel an Verbraucher weitergeben muss. Die Nachfrage ist infolge der Sorgen über die weitere Entwicklung belebt. Die kurzfristigen Preisaussichten sind nicht freundlich. Deshalb ist es ratsam, dass sich sicherheitsbewusste Käufe mit Heizöl eindecken. Erfreulicherweise ist es immer noch deutlich billiger als vor zwölf Monaten. Spekulativ eingestellte Käufer sollten sich raushalten. Die Möglichkeit, dass Heizöl im Herbst wieder billiger wird, ist durchaus gegeben. Wenn die aktuellen Störungen überwunden sind, sollte ein gutes Angebot bei verhaltender Nachfrage auf die Preise drücken. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor erneutem Ausfall Libyens als Öllieferant
USA und Alliierte wollen am syrischen Krieg teilnehmen
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt
Eventuell werden strategische Reserven freigegeben

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