Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Die USA sind so bärisch

Internationaler Markt

Finanzjongleure ignorieren die reale Marktlage und handeln ihre eigene Welt. Nur so ist es zu erklären, dass die Ölnotierungen nicht fallen.

Die US-Ölbestände legten in der vergangenen Woche deutlich zu. Der Gesamtvorrat ist aktuell rund vier Prozent höher als vor einem Jahr. In den veröffentlichten Daten demonstrieren DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebung zuständigen Institutionen, seltene Einigkeit. Das unterstreicht die Zuverlässigkeit der Zahlen. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +5,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 7,3 (DOE) bzw. 6,2 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung fiel auf 89 Prozent. Der Wert spiegelt die gesunkene Nachfrage nach Abschluss der Fahrsaison. Auf Jahressicht sank die Benzinnachfrage ebenfalls. Dieser Umstand spiegelt die Konjunkturentwicklung. An den Ölbörsen wurde der bärische Gehalt der Daten ignoriert.

Die Hurrikansaison in den USA verlief bisher recht ruhig. Nun wütet ein Tropensturm über dem Golf von Mexiko. Er könnte sich zu einem Hurrikan entwickeln. Große Gefahr soll allerdings nicht von ihm ausgehen. Aus Sicherheitsgründen wurden dennoch ein paar Offshore-Ölplattformen evakuiert. Dadurch fallen geringe Teile der Produktion aus. Fehlen werden sie nicht, zumal die Bedeutung der Region für die US-Produktion als Folge des Ölschieferbooms sinkt. Im Juli kamen aus dem Golf von Mexiko 16 Prozent der US-Produktion. Ein Jahr zuvor waren es fast 20 Prozent. Wohlgemerkt, bei der sinkenden Zahl handelt es sich nicht um einen Ausfall, sondern um die Folge zusätzlicher Menge aus anderen Landesteilen. An den Ölbörsen wird der bärische Sachverhalt ignoriert.

Der Government shutdown in den USA wird andauern. Die Lage zwischen den Kontrahenten, Regierung, Demokraten und Teile der Republikaner auf der einen Seite sowie fundamentalistischen Republikanern auf der anderen Seite, ist vollkommen verhärtet. In Kürze droht auch noch die Zahlungsunfähigkeit des Landes, weil die erlaubte Schuldengrenze erreicht ist. Sowohl zum Haushalt als auch zur Schuldengrenze muss ein schmutziger Kompromiss gefunden werden, damit weitergewirtschaftet werden kann wie bisher. Das heißt im Wesentlichen, dass das Geld und Finanzsystem mit neu geschöpftem Geld gepampert wird, um die Realwirtschaft per Verschuldung am Leben zu halten. Die negativen Folgen des aktuellen Stillstands auf die Wirtschaft drohen weit größer zu werden als ursprünglich gedacht. An den Ölbörsen wird das bärische Chaos ignoriert.

Auch heute Morgen zeigen die Ölnotierungen keine Neigung, die bärische Gesamtlage zu spiegeln. Es ist schwer vorstellbar, dass dieser Umstand noch lange fortbestehen wird. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 926,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,15 Dollar und in London zu 108,87 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,38 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise legten in den letzten beiden Tagen zu. Die Ölbörsen gaben die Vorgaben. Die Dollarnotierungen verhinderten einen schlimmeren Anstieg. Der Binnenmarkt ist in diesen Tagen etwas belebter. Der Feiertag mit dem verlängerten Wochenende bremsen zwar die Bestellungen, aber auch die Lieferungen. Das führt zu geringen Preisaufschlägen, über die es sich nicht zu ärgern lohnt. Die weiteren Preisaussichten sehen wir recht freundlich. Heizöl sollte in den kommenden Wochen ein wenig billiger werden. Dabei ist es im Vergleich zum Vorjahr schon günstig. 3.000 Liter kosten im Bundesdurchschnitt elf Prozent weniger als vor zwölf Monaten. In den Medien, allen voran die Bild-Zeitung, werden andere Gerüchte zum Heizölpreis verbreitet. Da hat irgendjemand falsch recherchiert. Nun wird er von Kollegen zitiert. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern. Schauen Sie hier, wie der Preis tatsächlich ist. Neben dieser Internetseite steht Ihnen dazu unsere Smartphone-App zur Verfügung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik bestätigt
Einige kleinere Infrastrukturstörungen
Tropensturm im Golf von Mexiko

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Iran will über sein Atomprogramm reden
Libyen wird Teile der üblichen Lieferungen wieder aufnehmen
Irak hat neues Ölfeld in Betrieb genommen
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
US-Bestandsdaten
US-government shutdown
Globale Rohölnachfrage soll im vierten Quartal sinken

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