Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Die Ukraine wird abgeschüttelt

Internationaler Markt

Aus Verbrauchersicht entwickelten sich die Ölnotierungen in den letzten Tagen prächtig. Besonders positiv fällt dabei Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, auf. Trotz geopolitischem Sturm und Drang um die Ukraine ist ihm der übergeordnete Abwärtstrend erhalten geblieben. Für Rohöl der Sorte Brent ist der Befund nicht so eindeutig. Der Trend hält sich zwischen gerade noch abwärts und seitwärts auf. Auslöser für die plötzliche Abkehr der Preise von ihrer Aufwärtsbewegung in den ersten Maiwochen ist eine neue Haltung der Streitparteien zur Ukraine und Sorgen um die schönen Konjunkturträume in den USA und anderswo auf der Welt.

In der Ukraine ist kein Frieden eingekehrt. Im Gegenteil, die Kämpfe im Osten des Landes werden immer heftiger. Gleichwohl wirkt der Ost-West-Konflikt befriedet. Das Wort Sanktionen ist seit Tagen aus dem Wortschatz von Politik, Presse, Funk und Fernsehen verbannt. Der Gasstreit wird zumindest temporär als gelöst gemeldet. Und auf militärische Muskelspiele verzichten beiden Seiten demonstrativ. Die Szenerie hinterlässt skeptische, aber für den Moment geläuterte Finanzjongleure, die ihre bullischen Ambitionen ad acta gelegt haben.

In Sachen Konjunktur liegen die Erwartungen tendenziell nahe am Wahnsinn. Einer reichen Welt mehr Reichtum in kürzerer Zeit zu verschaffen, verkennt die Natur von Wachstumsprozessen. Hinzu kommt, dass die fortschreitend unsoziale Verteilung von Reichtum immer mehr Menschen aus dem Markt wirft. In den wirtschaftsstarken Ländern wird die Basis für das angestrebte Wachstum Jahr für Jahr dezimiert. Vor diesem Hintergrund sind die gemeldeten Konjunkturzahlen ordentlich. Politik und Finanzszene reichen sie aber nicht aus. An den Ölbörsen werden sie bärisch aufgenommen.

Die Angebotsseite der Ölwelt hat derzeit einen guten Lauf. USA, Irak, Saudi Arabien und diverse andere Länder steigern ihre Produktion kontinuierlich. Sie kompensieren den Zusammenbruch ganzer Staaten wie beispielsweise Libyen problemlos. Temporär kann es sogar zu Überangeboten kommen, die kräftig auf die Preise drücken. Auf Sicht von drei Jahren gehen Rohstoffanalysten von leicht sinkenden Ölpreisen aus. Dabei wird unterstellt, dass der Welt Krisen wie die um die Ukraine weitgehend erspart bleiben.

Die freundliche Beschreibung der Angebotsentwicklung führt bisweilen zu einem missverständlichen Tenor. Trotz der Leichtigkeit, mit der das Angebot seit einiger Zeit gesteigert wird, sehen wir keineswegs einer Zeit billigen Öls entgegen. Im Gegenteil, diese Zeit ist vorbei. Am Persischen Golf wird das besonders deutlich. Dort, wo die Ölförderung für rund 20 Dollar pro Barrel aus alten Quellen noch möglich ist, werden Erweiterungen mittlerweile genauso teuer bezahlt wie in Nordamerika. Die Förderkosten sind bei manchen Projekten höher als die Verkaufserlöse.

In dieser Woche könnte ein unangenehmes Thema für Verbraucher eskalieren. Die EZB arbeitet gerade an einer Art Null-Zins-Politik. Sollte sie Donnerstag tatsächlich eingeführt werden, würde der Euro gegenüber dem Dollar spürbar abwerten. Gegen die Maßnahme regt sich breiter Widerstand. Das dürfte Mario Draghi, Chef der EZB, kaum interessieren. Hilfreicher zur Vermeidung einer kräftigen Abwertung ist eher die Konjunkturschwäche der USA.

Heute Morgen ist an den für uns relevanten Börsen alles zum Wohl der Verbraucher eingestellt. Das dürfte sich zumindest heute auch nicht ändern. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 889,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,47 Dollar und in London zu 108,71 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3603 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben ordentlich nach. Die Vorlage hierzu kam erneut von den Gasölnotierungen. Käufer im Binnenmarkt nehmen den Ball dankend auf und ordern Heizöl. Das geschieht in einem Volumen, das der Handel gut handhaben kann. Die Rabatte in den Preisen müssen also nicht herausgenommen werden, um den Markt zu beruhigen.

Unser Heizölkauf-Barometer gibt der Nachfrageentwicklung das richtige Bild. Unser Tiefpreis-System sendet zwar noch kein Kaufsignal. Der aktuelle Preis steht aber recht nahe an dem Niveau, auf dem zuletzt grünes Licht gegeben wurde. Leser schätzen die Aussichten auf fallende Preise momentan sehr positiv ein. Auch wir sehen die Lage deutlich optimistischer als im Mai. Die Sorge vor einer erneuten Eskalation im Ost-West-Konflikt und vor der bevorstehenden EZB-Entscheidung zur Geldpolitik lässt uns aber nicht unbeschwert nach vorne schauen.

Die Preisentwicklung befindet sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase. Ein Trend liegt nicht vor. Die Aussicht, dass der Abwärtstrend nach dieser Phase fortgesetzt wird, ist momentan wirklich gut. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Preise bereits kaufenswert sind. Heizöl ist günstiger als in den letzten drei Jahren zum gleichen Zeitpunkt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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