Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Die neuen Erkenntnisse sind eingepreist

Internationaler Markt

Am Freitag lag der Börsenhandel mit Ölpapieren praktisch brach, weil die US-Kollegen nicht anwesend waren. Das Handelsvolumen bei Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl, betrug kaum 20 Prozent eines starken Handelstages. Es wurde ein kleiner Preisrückgang realisiert, der die Abwärtsbewegung der letzten Tage vervollständigte.

Wesentlicher Auslöser für den Abgang, der die zuvor aufgelaufene Preisübertreibung annulliert, ist die Erkenntnis, dass die Ölförderung im Irak entgegen früherer Befürchtungen nicht einbricht, und die Überraschung, dass Libyen einen Teil seiner Ölkapazitäten für den Export reaktiviert.

Im Irak sind die ISIS-Kämpfer in den nördlichen Regionen fern ab von den großen Ölgebieten gebunden. Die einzig wichtigen Ölfelder in ihrer Nähe befinden sich fest in der Hand der autonomen kurdischen Region. Dort nutzt die Bevölkerung die Gunst der Stunde und strebt nach Unabhängigkeit. Die Vermarktung ihres Öls hatte sie zum Ärger der Zentralregierung bereits vor Einzug der ISIS-Truppen selbst in die Hand genommen. Nun verschafft sie dem Markt dadurch etwas mehr Sicherheit.

In Libyen sind zwei zuvor besetzte Ölhäfen wieder freigegeben. Die Erklärung über höhere Gewalt (Force Majeure) wurde aufgehoben. Die mögliche Exportkapazität steigt damit um eine halbe Million Barrel pro Tag. Jetzt muss das Öl aus dem Landesinneren nur noch kommen, um auf den Weltmarkt und speziell nach Europa verschifft zu werden. Bis es soweit ist, dürfte der Abgang der Ölpreise pausieren, denn in weitere Vorbewertung einer immer noch unsicheren Ankündigung werden die Finanzjongleure kaum gehen.

Heute Morgen sehen wir die Ölnotierungen auf- und abschwingen. Das deutet auf einen kleinen Nachholeffekt hin, der sich durch die Abwesenheit großer Teile der Finanzszene ergab. Es zeigt auch, dass der Handel derzeit richtungslos ist. Seitwärts ist aktuell die wahrscheinlichste aller Preisbewegungen. Die Tonne Gasöl kostet 897,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,85 Dollar und in London zu 110,66 Dollar gehandelt. Für einen Euro erhält man 1,3577 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie befinden sich in der Nähe der unteren Grenze des kurzfristigen Aufwärtstrends. Damit kommt die Frage, hält er oder fällt er, in Sichtweite.

Im Binnenmarkt sehen wir ein ausgewogenes Kaufinteresse. Der Handel hat keine Mühe, die Bestellungen abzuwickeln. Er könnte mehr vertragen. Entsprechend befinden sich noch Rabatte in den Preisen. Sie beflügeln die Kauflaune aber nicht. Unser Heizöl-Kaufbarometer zeigt, dass Kunden mit angezogener Bremse bestellen. Die Preise gefallen ihnen noch nicht wirklich.

Unser mathematisches Tiefpreis-System gibt ihnen Recht. Ein echtes Kaufsignal fehlt nicht nur gefühlt, sondern auch rechnerisch. Das heißt aber nicht, dass ein Kauf derzeit falsch wäre. Wenn ein leerer Tank befüllt werden muss, sollte man den Preisrückgang der letzten Tage als Einladung zur Bestellung verstehen. Unsere Leser schätzen die kurzfristige Preisentwicklung weiterhin sehr positiv ein. Wer es sich aufgrund des Füllgrades im Tank leisten kann, spekuliert folglich auf tiefere Preise. Wenn man sich des Risikos bewusst ist und die Preisbildung eng verfolgt, ist das eine haltbare Einstellung.

Der aktuelle Preisrückgang steht im Rang einer Gegenbewegung zum Aufwärtstrend der letzten Wochen. Als Abwärtstrend können wir ihn nicht interpretieren. Um einen solchen zu erzeugen, bedarf es einer grundlegenden Änderung mindestens eines Krisenfaktors, zum Beispiel der dauerhaften Steigerung der libyschen Öllieferungen. Schauen wir mal, ob es so kommt. Anlass zur Hoffnung auf noch günstigeres Heizöl bietet allerdings die längerfristige Preisbetrachtung. Sie zeigt einen Abwärtstrend an. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten beiden Jahre liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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