Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: EZB lässt es krachen

Internationaler Markt

Als der kalte Krieg zwischen dem kommunistischen Ostblock und dem kapitalistischen Westblock kurz vor der letzten Jahrtausendwende mit dem totalen Sieg der Marktwirtschaft endete, entließ das Militär Heerscharen von Mathematikern, Physikern und Informatikern, deren Aufgabe darin bestand, Strategiespiele mit wissenschaftlicher Gewissheit zu gewinnen. Viele von ihnen fanden bei Banken einen neuen Job. Dort sollten sie Gewinnstrategien für Finanzmarktoperationen entwickeln. Das war der Moment, an dem der kalte Krieg den Lebensalltag aller Menschen erreichte. Von Stund an wurde über Sieg und Niederlage nicht mehr in einer Parallelwelt neben den Bevölkerungen entschieden, sondern mitten unter ihnen. Der Krieg erreichte die persönliche Vermögenssituation aller Menschen. Heute tobt er vollkommen offen zwischen Arm und Reich.

Warren Buffet, einer der reichsten Menschen der Welt, lässt mit spürbarer Verbitterung keinen Zweifel daran, dass seine Gruppe diesen Krieg gewinnen wird. In seinen Kreisen weiß man sehr genau, dass hier Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden und Kernschmelzen drohen. Zu jubeln wird am Ende nur wenigen vergönnt sein.

2009 wendete sich das Blatt für einen Moment zu Gunsten der Armen. Es war die wilde Zeit nach dem Beginn der Finanzkrise. Mit den Eingriffen der Notenbanken gewannen die Reichen die Oberhand zurück und bauen ihre Vorteile aus. Heute wird die EZB die Waffenstärke der Reichen abermals erhöhen. Kommuniziert wird ein Kampf für die Realwirtschaft und gegen die Arbeitslosigkeit. Beides wird weitgehend unbeeinflusst bleiben. Wirkung wird sich hingegen an den Finanzmärkten einstellen. Hohe Vermögen werden weiter wachsen. Börsenberichterstatter werden Frontgewinne bejubeln. Für das Gros der Menschen wird aber nur der Alltagsdruck wachsen.

In diesem Krieg ist selbst eine so gewaltige Instanz wie die Schweizer Notenbank zu klein, um zu gewinnen. Sie zog vor dem heutigen Angriff die Notbremse. Welche Überlebensstrategie dahinter steckt, ist noch nicht zu erkennen.

An den Ölbörsen wird es beben. Die Devisenmärkte werden den Höhenrausch des Dollars befeuern. Mit welchen taktischen Manövern das genau geschieht, wissen nur die wissenschaftlichen Strategiespieler. Sie haben ihre Computer auf den Moment am frühen Nachmittag vorbereitet. Vielleicht sehen wir einen Fehler. Das wäre ein Gewinn für alle Nichtvermögenden. Aktuell sieht die hier interessierende Lage wie folgt aus: Die Tonne Gasöl kostet 474,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,50 Dollar und in London zu 48,96 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8637 Euro . Damit kostet der Euro 1,1578 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie laborieren am oberen Rand des Abwärtstrends, wie dem 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das Bild spiegelt die Einstellung der Finanzjongleure zu den Ölpreisen wider. Sie ist derzeit unklar.

Im Binnenmarkt geht das Kaufinteresse etwas zurück. Weil frühere Aufträge noch geliefert werden müssen, ist der Handel weiterhin hart gefordert. Er kommt mit der Lage recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht hoch aber nicht ganz oben. Es gibt viele Käufer aber noch mehr Beobachter, die auf tiefere Preise spekulieren. Der Glaube an günstigeres Heizöl ist nach wie vor stark, wie die Lesereinschätzung zeigt.

Die Beobachter fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es gibt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann starke Gegenreaktionen hervorrufen. Die größte Gefahr, dass die Trends nun irreführend sind, geht aus unserer Sicht aber vom Dollar aus. Dessen Aufstieg ist furchteinflößend.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie nun kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der bisher aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben und über ein gutes Nervenkostüm verfügen, sollten Sie auf noch bessere Preise spekulieren.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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