Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Ein guter Dreh

Internationaler Markt

Steigende Ölpreise passen nicht gut zur realen Marktlage. Von diesem Umstand ließen sich Finanzjongleure bisher nicht beeindrucken. Sie trieben die Notierungen munter in die Höhe. Gestern wechselten sie ausgerechnet mit der Veröffentlichung bullisch anmutender US-Bestandsdaten ihr Spielverhalten.

Das DOE (Department of Energy), die solidere der beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, meldete erhebliche Rückgänge in den Rohöllagern. Aufbauten in den Heizöl-, Diesel- und Benzinlagern konnten diese nicht ausgleichen, so dass insgesamt ein Rückgang von 2,0 Mio. Barrel zur Vorwoche auflief. Die zweite Institution, das API (American Petroleum Institute), veröffentliche keinen kompletten Datensatz.

Eigentlich liegt ein klarer Fall für weiteren Preisauftrieb vor. Aber offensichtlich wurden diesmal die Zusatzinformationen zu den Bestandsdaten gelesen. Und die sprechen eine ganz andere Sprache. Der Rückgang in den Rohöllagern geht einzig auf das Konto verspäteter Schiffsladungen aus dem Nahen Osten. Wären diese pünktlich eingetroffen, wäre ein Bestandsaufbau zu verzeichnen gewesen. Mit dem rechnet man nun in ein oder zwei Wochen. Der Aufbau bei den Produkten ist die Folge einer gesunkenen Nachfrage. Fügt man die lausigen Konjunkturdaten der letzten Tage hinzu, ergibt sich in der Tat ein bärisches Bild.

Damit nicht genug. Aus den Reihen der mit Fracking-Technik operierenden Ölförderer gibt es bemerkenswerte Informationen über die aktuelle Lage. Als Folge der Ölpreisentwicklung in den letzten Wochen und der rasant voranschreitenden Kostensenkungen bei der Erschließung neuer Quellen sind die Unternehmen nun in der Lage, wieder profitabel zu arbeiten. Das wird dazu führen, dass die US-Förderung in diesem Jahr deutlich stärker steigen wird, als bisher angenommen. Das größte Unternehmen dieser Gruppe gibt zu Protokoll, ein Ölpreis von 65 Dollar pro Barrel derzeit erlaube mehr Gewinn als ein Preis von 95 Dollar vor zwei Jahren. Das klingt nach Höchststrafe für Finanzjongleure, die bisher ein ganz anderes Szenario handelten.

Nun sind die Typen nicht umgehend geläutert. Sie werden versuchen, ihre preistreibenden Spielideen weiterhin zu reiten. Es wird aber zunehmend schwieriger werden, diese tatsächlich zu Gewinn zu machen. Denkbar ist, dass die Vorreiter der Bewegung einen plötzlichen Meinungswechsel vollziehen und auf fallende Preise setzen werden. Die Andeutung so einer Wendebewegung sahen wir gestern. Heute Morgen ziehen die Protagonisten zurück und lassen die Ölpreise leicht steigen. Ein Tagestrend ist das noch nicht. Klarer als im Öl ist der Abgang beim Dollar. Er drückt mächtig auf die Heizölpreise. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 615,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 60,75 Dollar und in London zu 67,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8814 Euro . Damit kostet der Euro 1,1345 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise drehen kräftig bei, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die Grafik wirkt eindrucksvoll. Das ist dem weniger freundlichen Umstand geschuldet, dass der Aufwärtstrend durch die vorausgegangenen Preiserhöhungen immer steiler wurde. Darin sieht der aktuelle Rückgang wie ein Befreiungsschlag aus. Ein solcher ist durchaus denkbar. Dass er bereits jetzt realisiert wird, sehen wird allerdings skeptisch.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern stetig herein. Die Hoffnung auf günstigeres Heizöl schwindet aufgrund der letzten Preissteigerungen dahin. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Der Erwartungswert wird morgen wieder höher sein, weil ein Preisrückgang derzeit mehr Wirkung auf die Hoffnung als auf die Kaufentscheidung ausübt.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärtsgehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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