Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Entspannung in brisanter Lage

Internationaler Markt

Recht deutlich vor dem Erreichen eines neuen Jahreshochs drehte die Ölpreisentwicklung nach Süden. Damit bleibt der längerfristige Trend in einer schwachen Abwärtsbewegung. Die Entwicklung war gestern Morgen bereits zu erahnen. Der Charttechnik waren erste schwache Signale zu entlocken. Im Ost-West-Konflikt um die Ukraine wird zwar medial weiter aufgerüstet, die Politik übt sich indes in Entspannung. Und in Libyen hob die Regierung das Force Majeure (Erklärung über höhere Gewalt) für Öllieferungen aus einem weiteren Hafen auf. Das nährt die Hoffnung auf eine Rückkehr des Landes als nennenswerter Öllieferant für Europa.

Sollte das in der letzten Woche erreichte Preishoch für Rohöl und Gasöl in diesen Tagen nicht doch noch überschritten werden, wäre das ein ermutigendes Zeichen für die nahe und mittlere Zukunft. Die Ölnotierungen würden dann wahrscheinlich in ein nächstes Wellental fallen. Außerdem legt die Tatsache, dass das Hoch unter den entsprechenden Formationen der letzten Jahre lag, die Annahme einer langfristigen Abwärtsbewegung nahe. Diese charttechnisch motivierte Sicht auf die Dinge hat keinen expliziten Bezug zu den aktuellen politischen Irritationen.

In der Ostukraine eskalieren die Ereignisse. Wir stellen anerkennend fest, dass die Supermächte mit ihren jüngsten Maßnahmen gegen den Trend handeln. Die Sanktionen des Westens gegen Russland fallen bemerkenswert moderat aus. Eine Ausweitung auf den Energiesektor wird derzeit ausdrücklich ausgeschlossen. Damit wahrt Europa seine Versorgungsinteressen und Russland hat die Chance, die Kapitalflucht zu drosseln. Der angekündigte Rückzug russischer Truppen nahe der ukrainischen Grenze in die Kasernen kann als Bestätigung für das erklärte Desinteresse an einem militärischen Eingreifen in der Ukraine gewertet werden. Das wäre ein gemeinsamer Nenner der Kontrahenten, der sie zur weiteren Behandlung des Konflikts an den Verhandlungstisch führen könnte. An den Ölbörsen wird die Lage nun bärisch beurteilt.

Bärische Signale werden auch in der Entwicklung Libyens gesehen. Die Ölmengen, die derzeit zur Lieferung anstehen, sind zwar homöopathisch. Dass die Verhandlungen zwischen Separatisten und Regierung diese überhaupt ermöglichen, ist aber ein zukunftsweisender Erfolg. Sein Wert wird höher eingeschätzt als der des zur Verschiffung anstehenden Öls. Aktuell verfügt Libyen über knapp 20 Prozent seiner nominellen Förderkapazität. Der Weg zur vollen Lieferfähigkeit ist mit erheblichen Widerständen und Risiken gepflastert. Dass diese in einem stetigen Prozess ausgeräumt werden, ist leider nicht sehr wahrscheinlich.

Das mögen sich Finanzjongleure heute Morgen auch denken. Sie gleichen Teile der gestrigen Verluste wieder aus. Dennoch stehen die Zeichen aus unserer Sicht gut für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung. Die Tonne Gasöl kostet 914,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,15 Dollar und in London zu 108,48 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,12 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben deutlich nach. Noch etwas mehr davon und wir können den kurzfristigen Aufwärtstrend wieder den Richtungen der mittel- und längerfristigen Abwärtstrends angleichen. Zu einer nennenswerten Belebung des Binnenmarkts hat die neue Lage noch nicht geführt. So ist es zu erklären, dass die Preise weiterhin mit Rabatten ausgestattet sind. Verbraucher sehen sie nicht und sie machen die Heizölpreise nicht spürbar attraktiver, wie unserem Tiefpreis-System zu entnehmen ist. Die „Tiefdruck“-Anzeige in unserem Heizölkauf-Barometer ist also nahe liegend. Die Verbrauchererwartung hellt sich deutlich auf. Mehrheitlich werden sinkende Preise angepeilt. Diese Erwartung teilen wir. Wer es wagt, auf bessere Kaufmomente zu spekulieren, braucht weiterhin hohes Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer gezwungen ist, Heizöl zu kaufen, soll wissen, dass die Preise immer noch deutlich besser sind als Ende April in den letzten drei Jahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt wird immer heißer
Wirtschaftssanktionen gegen Russland
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Russland beordert Truppen an Ukraines Grenze in Kasernen zurück
Keine Energiesanktionen gegen Russland
Libyen steigert Öllieferungen (ein wenig)
Verhandlungen um iranisches Atomprogramm

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