Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Finanzjongleure ausgekontert

Internationaler Markt

Finanzjongleure sind wie Pippi Langstrumpf. Sie machen sich die Welt, so wie sie ihnen gefällt. Gemäß diesem Motto wurde in den letzten Tagen an den Ölbörsen das Ende der Überversorgung gehandelt. Im realen Markt ist das keineswegs zu erkennen. Im Gegenteil, die Versorgungslage bleibt üppig mit der Aussicht auf eine ordentliche Ladung Extraöl aus dem Iran genau in dem Moment, wenn die bestehende Förderung weich wird. Das könnte im vierten Quartal der Fall sein.

Den Träumern in der Finanzszene wurde gestern das Brett vom Kopf geschlagen. Den Hammer dazu lieferten die US-Bestandsdaten. Sie kamen mit gewaltigen Aufbauten herüber. Beim Rohöl waren es die stärksten seit über 14 Jahren. Sogar für Benzin, das zu dieser Jahreszeit zunehmend nachgefragt wird, wurde ein nicht für möglich gehaltener Aufbau gemeldet. Möglich wurde das unter anderem, weil Importe und US-Förderung anstiegen. Albtraumhaft wirkte zudem der deutliche Aufbau im Zentrallager der USA in Cushing, Oklahoma. Er geht direkt in die Preisbildung für Rohöl ein, da das Lager der kontraktgemäße Lieferort für die Standardsorte WTI (West Texas Intermediate) ist. Wenn er vollzulaufen droht und kein Öl mehr aufnehmen kann, erlischt die Nachfrage nach diesem Öl schlagartig. Extreme Preisreaktionen nach unten wären die Folge. Die Bestandszahlen der berichtenden Institutionen, DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: +10,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +12,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 11,4 (DOE) bzw. 14,6 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung stieg auf 90 Prozent. Wie extrem die Bevorratungslage mittlerweile ist, zeigt diese Grafik. Aus ihr wird die Absurdität jedweder bullischer Handlungsweise der Finanzszene deutlich. Gleichwohl muss man konstatieren, wenn sich die Szene einig ist, entwickelt sie tatsächlich ihre eigene Welt mit Preisen, die uns alle betreffen. Die Szene ist sich derzeit zum Glück nicht einig.

Um der realen Gefahr einer Lagerschließung wegen Überfüllung zu entgehen, zeigt sich die US-Administration derzeit offen für Sondergenehmigungen beim Export von Rohöl bzw. rohölähnlichem Produkt, das nur kurz durch eine Raffinerie geleitet wurde. Eigentlich sind derartige Exporte seit den Ölkrisen der 1970er Jahre verboten.

Die jäh aus den Träumen gerissenen Finanzjongleure ließen die Ölpreise gestern also deftig fallen. Sie sind damit wieder in die Mitte ihres kurzfristigen Seitwärtstrends gerückt. Die Angelegenheit schlug bis zu den Heizölpreisen hierzulande durch. Heute Morgen ist noch kein Leben an den Ölbörsen zu vernehmen, aus dem eine Tageslosung ablesbar wäre. Der Dollar hält derweil an seiner ebenfalls seitwärtsgerichteten Schwingung fest. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 524,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 51,16 Dollar und in London zu 56,28 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9280 Euro . Damit kostet der Euro 1,0776 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise annullierten den Anstieg der letzten Tage. Sie sind wieder auf die erwartungsgemäße Mittellinie von 60 Cent pro Liter im Bundesdurchschnitt bei einer Liefermenge von 3.000 Litern zurückgekehrt. Die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz liefert das Bild dazu. Es sagt mehr als viele Worte.

Der Binnenmarkt läuft weiterhin ruhig. Bestellungen fließen kontinuierlich herein. Daneben hält sich die Hoffnung auf günstigeres Heizöl hartnäckig unter den Preisbeobachtern. Sie wird durch die Rücknahme des jüngsten Preisanstiegs sicher noch zunehmen. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem mittleren Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem passablen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Hinter den Käufern gibt es offensichtlich wieder eine nennenswerte Gruppe kaufbereiter Beobachter.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung befindet sich nach unserer Einschätzung in einer 55/45 Situation für fallende Preise.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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