Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Finanzjongleure haben mehr Spaß als Verbraucher

Internationaler Markt

Der Drang zu steigenden Ölnotierungen dauert an. Das fehlende libysche Öl ist als Argument nachvollziehbar. Weitere Begründungen fallen in die Kategorie, Preisbewegungen brauchen eine Geschichte. So werden Ausfälle von US-Raffinerien bullisch verbucht. Für die Benzinpreise ist das akzeptabel, für die Rohölpreise nicht. Schließlich wird weniger Rohöl nachgefragt. Nach einer Reihe guter Konjunkturdaten, die dem bullischen Treiben der letzten Wochen nützlich waren, folgte am Freitag mal wieder die Relativierung in Form enttäuschender Zahlen zum US-Häusermarkt. Man verzichtete darauf, diese an den Börsen zur Kenntnis zu nehmen. Westliche Länder, allen voran die USA, hören Stimmen, die sie zur Teilnahme am syrischen Krieg aufrufen. Welcher Plan sich hinter einer möglichen militärischen Intervention verbirgt, bleibt verborgen. Wie auch immer dieser Plan aussieht, er wird die über den Nationalstaaten verortete militante Feindschaft zwischen Schiiten und Sunniten nicht auflösen. Er wird sie allenfalls temporär besänftigen, indem er ihre Feindschaft gegen westliches Hegemonialgehabe eint. Ein originäres Ölthema ist der syrische Krieg und seine Ausweitung in den Libanon nicht. Ein kriegerischer Auftritt der USA wird an den Börsen hingegen per se als ölrelevant betrachtet, unabhängig von der realen Ölbedeutung der Region. Der bullischen Stimmung zuträglich war am Freitag schließlich noch das Fehlen jedweder Klarheit zum Fortgang der lockeren US-Geldpolitik. Im Zweifel lebt die Finanzszene gut mit der praktizierten Planlosigkeit. Sie lässt sich auf die einfache Formel „kein Plan – keine Änderung“ reduzieren.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Von den Ölbörsen kam am Freitag zwar Auftrieb, aber der Dollar hielt dagegen. Außerdem wurde der vorauseilende Anstieg, den Vorlieferanten (Ölgesellschaften und Importeure) im Binnenmarkt Tags zuvor einpreisten, neutralisiert. Die Nachfrage ist weiterhin mäßig. Mäßig sind auch die kurzfristigen Aussichten. Und selbst die bisher für gute Stimmung sorgenden mittel- und längerfristigen Prognosen trüben sich ein. Die Preischarts drohen ihre Abwärtstrends zu verlieren, obwohl das reale Ölangebot weiterhin üppig zu bleiben scheint. Dass Heizöl im Herbst billiger wird, ist mittlerweile eine hoch spekulative Wette. Wer solche Wetten ablehnt, sollte tanken. Heizöl kostet deutlich weniger als vor 12 Monaten. Der Abstand beträgt rund zehn Prozent bei 3.000 Liter Liefermenge. Risikobereite Verbraucher mögen immer noch auf den weiteren Jahresverlauf setzen. Fünf Prozent Einsparung gegenüber den aktuellen Preisen könnten sie dabei möglicherweise einfahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor erneutem Ausfall Libyens als Öllieferant
USA und Alliierte tendieren zur Teilnahme am syrischen Krieg
Ein paar gute Konjunkturdaten aus China und der EU
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Gute Konjunkturzahlen schüren Sorge über Ende der lockeren US-Geldpolitik
US-Ölangebot wächst deutlich
Weitere Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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