Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Finanzszene macht ihr Ding

Internationaler Markt

Es war ein rasanter Preiseinbruch im letzten halben Jahr. Wir waren alle überrascht. Nun läuft ein noch rasanterer Preisanstieg zu unser aller Erstaunen. Zum Preiseinbruch wurde nach und nach die Geschichte geschrieben. Am Ende konnten ihn alle erklären. Die Geschichte zum Preisanstieg gibt es noch nicht. Es gibt nur die erste Szene, schnell abnehmende Explorationstätigkeit in den USA. Sie hat nichts mit dem aktuellen Ölmarkt zu tun. Wenn sie überhaupt einmal versorgungsrelevant wird, dann frühestens nach neun Monaten. Die Welt ist ein Tollhaus. Die Parallelwelt der Finanzwirtschaft ist noch toller. Unser aufgeklärtes Selbstbild, nach dem wir gesellschaftliche Entwicklungen mit herrschenden wissenschaftlichen Methoden vorhersehen können, entpuppt sich als Selbstbetrug. Wir wissen nicht, wir glauben nur. Damit befinden wir uns in einer immerwährenden menschlichen Tradition. Sie gibt uns immerhin die Freiheit, die soziale Ausprägung gesellschaftlichen Handelns unvoreingenommen zu wählen. In anderen Worten, weder Wirtschaft noch Geld und Finanzen sind gesetzte Leitsysteme, denen sich alles andere zu unterwerfen hat.

Die Ölpreise sind heute der Finanzszene unterworfen. Sie treibt es bunt, verfügt über allerlei wirtschaftswissenschaftlichen Hokuspokus, der ihrem Wesen Glauben stiften soll. Seit sie gestärkt aus ihrer schlimmsten Krise des Totalversagens in 2008 herausgekommen ist, hat sie die Alleinherrschaft über die Märkte übernommen. Mit der müssen wir nun leben, solange wir die Folgen von 2008 nicht korrigieren. Eine Konsequenz, krasse Preisentwicklungen für börsennotierte Produkte nehmen zu.

Nach abermals heftigem Preisanstieg gaben die Ölnotierungen in der Nacht nach. Grund, eine erste Meldung zu den heute anstehenden US-Bestandsdaten nennt hohe Aufbauten. Heute Morgen tendieren die Ölpapiere wieder aufwärts. Unbefriedigende Konjunkturdaten von der globalen Realwirtschaft haben keinen Einfluss auf die Preisbildung beim Öl. Dafür knickt der Dollar ein. Ist hoch gestiegen, kann tief fallen. Binsenweisheiten sind im Zweifel wertvoller als Wirtschaftserklärungen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 547,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 52,32 Dollar und in London zu 57,74 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8719 Euro . Damit kostet der Euro 1,1469 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen immer weiter aufwärts. Steigen hoch, können tief fallen, gilt auch hier. An der Tatsache, dass sie nun in einem selbstverstärkenden Aufwärtstrend stecken, kommt man aber nicht vorbei. Damit ist ein Zeichen für die zeitnahe Entwicklung gesetzt, das Verbrauchern nicht gefällt.

Der Binnenmarkt erlebt einen Kaufrausch als Reaktion auf die neue Preisentwicklung. Der Handel kommt damit und mit den im Winter vermehrt auftretenden Eilbestellungen noch recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen. Die Situation wird nicht lange anhalten. Ein Preisanstieg sorgt à la longue für Kaufzurückhaltung.

Viele Leser haben sich endgültig von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl mit einem Kauf verabschiedet. Es gibt sie aber noch, die Optimisten, die auf tiefere Preise setzten. Aktuell ist das Leserverhältnis zwischen Bullen und Bären 50/50. Bären, also Spekulanten auf tiefere Preise, brauchen nun gute Nerven. Die Handelsidee ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Bären fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es zeigt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Preise nicht unbedingt nahe. Nach Lage der Dinge am realen Markt könnte Heizöl im weiteren Verlauf des Winters zwar noch einmal billiger werden. Die Börsen sprechen derzeit aber eine andere Sprache. Der tiefe Fall der Ölpreise sorgt für eine starke Gegenreaktion, aus der eine grundsätzlich neue Handelssituation entstehen kann.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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