Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Frische Dollars fließen in Strömen

Internationaler Markt

Die Ölnotierungen drehten gestern kräftig aufwärts. Es gab eine Fülle von Wirtschaftszahlen, die US-Bestandsdaten und einen Spruch der FED zur weiteren Geldpolitik, also genug Material zur Legendenbildung. Die wahre Geschichte des Tages gibt es nicht. Es kann nur Meinungen dazu geben. Wir meinen, dass die Zwangslage der FED, den Markt immer weiter mit Geld zu fluten, erkannt und ergriffen wurde. Und dann folgte ein sich selbst verstärkender Lauf der Ölnotierungen, das heißt Charttechnik. Die lässt für die nächsten Tage leider nichts Gutes erwarten.

Die Wirtschaftszahlen liefern die hinlänglich bekannten Widersprüche. Auf eine gute Zahl folgt eine schlechte. Interessant ist allenfalls die Meldung zum BIP-Wachstum in den USA. Für das zweite Quartal wurden 1,7 Prozent ermittelt. Der Wert liegt deutlich über der Schätzung von einem Prozent. Die für das erste Quartal fixierten 1,8 Prozent wurden allerdings annulliert und auf 1,1 Prozent korrigiert. In Summe kommt für das erste Halbjahr ein Wachstum heraus, das die FED mit dem Wort „mäßig“ tituliert. Bisher sprach sie von „angemessen“. Weitere Worte über die Geldpolitik sind damit eigentlich überflüssig. Der Vollständigkeit halber sei dennoch erwähnt, dass das Kaufen von Staatsanleihen oder klarer ausgedrückt dass die Staatsfinanzierung durch die Notenbank in Höhe von 85 Milliarden Dollar pro Monat auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird. Die FED spricht lapidar von monetärer Lockerung. Die Finanzszene drückt ihre Freude durch Handelsaktivitäten an den Börsen aus. Der Wert des Dollars gibt selbstverständlich nach.

Die Ölbestandsdaten der USA zeigen wenig Veränderung zur Vorwoche. Aus den kleinen Verschiebungen können Finanzjongleure herauslesen, was sie wollen. Für jeden ist etwas dabei. Die Bedeutung der Daten ist gering. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, gaben folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,7 (DOE) bzw. 0,6 (API) Mio. Barrel. Die Gesamtbestände sind nach wie vor hoch. Die Raffinerieauslastung beträgt 91 Prozent. Der recht gute Wert ist möglich, weil sich der Produktenexport derzeit lohnt. Nicht in den Zahlen steht, dass die US-Benzinnachfrage in der letzten Woche zulegte. Diese Meldung passte zur Stimmung des Tages und wurde in den Ölnotierungen gewürdigt.

Heute Morgen ist noch nicht klar, wohin der Börsenhase laufen wird. Die Charttechnik legt leider einen Anstieg der Notierungen nahe. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 916,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,48 Dollar und in London zu 107,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,46 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise steigen. Die Ölnotierungen geben das vor. Der schwache Dollar kann es nicht verhindern. Damit ist zunächst klar, dass der kurzfristige Aufwärtstrend Gültigkeit behält. Der Binnenmarkt ist im Sommerloch. Er trägt nichts zum Preisgeschehen bei. Die weiteren Aussichten für den Jahresverlauf sehen wir trotz des aktuellen Trends positiv. Die physische Versorgungslage und die schwache Weltkonjunktur erlauben keine großen Kurskapriolen, die die Heizölpreise auf ein anderes Niveau hieven könnten. Nach unserer Ansicht gibt es ein wenig Abwärtspotenzial, das sie zu den alten Tiefpreisen des Jahres zurückführen könnte. Es sei noch erwähnt, dass Heizöl bereits jetzt deutlich billiger ist als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Ägypten ist ein Problemfall
Eine gute Wirtschaftszahl aus China
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Rohölbedarf soll deutlich steigen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
US-Ölnachfrage schwach
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Produktenangebot soll deutlich steigen
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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