Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Gut für Wintervorrat

Internationaler Markt

Goldman Sachs ist wieder in allen Medien. Mit ihrer Preisprognose, US-Rohöl der Sorte WTI werde im nächsten Jahr auf 75 Dollar pro Barrel fallen, haben sie die Nachrichtenszene ordentlich aufgemischt. Die Angelegenheit folgt dem bewährten Muster, mit extrem klingenden Preisnennungen Aufmerksamkeit zu erlangen. Vor einigen Jahren wurden Medienleuten 200 Dollar und mehr angeboten. Die Horde biss an. Nun werden 75 Dollar angeboten. Die Horde ist wieder aus dem Häuschen. Dabei gibt es seit geraumer Zeit diverse Tiefpreisnennungen. Goldman Sachs hat sich mit einem Satz an die Spitze gesetzt.

An den Ölbörsen reagierte man kurz, heftig und schließlich doch zurückhaltend. WTI-Papiere gaben marginal nach. Das ist durchaus plausibel. Die vielzitierte Überversorgung, die der Preisprognose zugrunde liegt, ist im Kern ebenfalls eine Prognose. Das Überangebot wird sich aufbauen, wenn der Ölmarkt seine aktuelle Entwicklung ungestört fortsetzt. Die Leute von Goldman Sachs scheinen dazu entgegen ihrer Pressemeldung eine ambivalente Meinung zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie vor wenigen Wochen noch das Gegenteil ihrer aktuellen Position vertraten. Eindeutiger positionieren sich einige große Lieferstaaten. So kalkuliert der Iran für seinen nächsten Haushalt nach zuvor 100 Dollar nun mit 70 Dollar für sein Öl. Das ist mal eine belastbare Annahme aus der Realwirtschaft.

Die Angabe 75 Dollar ist zwar extrem im Kontext anderer Nennungen aus der Finanzszene. Angesichts eines WTI-Preises von derzeit rund 80 Dollar ist sie aber keineswegs ambitioniert. Der Ölpreis ist bereits nahe dem scheinbar extremen Wert. Wenn von dem in den kommenden sechs bis neun Monaten weitere fünf Dollar abgegeben werden, ist nichts Spektakuläres passiert. Trendmäßig wird dazu eine ziemlich schwache Abwärtsbewegung benötigt. Angenommen die Prognose von Goldman Sachs sei seriös, dann können wir uns darauf einstellen, dass Öl und vor allen Dingen Heizöl im kommenden Jahr recht stabil auf dem aktuellen Niveau bepreist wird.

In dieser Betrachtung ist außer Acht gelassen, wie sich der Dollar entwickeln wird und noch kein Wort über die reale Wirtschaft gefallen. Die Ölförderung wird im kommenden Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zunehmen. Das schließen wir aus dem unvermindert zügigen Einsatz neuer Fördermethoden, die alten und neuen Quellen mehr Öl entlocken. Die Nachfrage wird auch im nächsten Jahr steigen. Diese Annahme steht im scheinbaren Widerspruch zur Konjunkturentwicklung, die sehr pessimistisch eingeschätzt wird. Das ist aus unserer Sicht vollkommen unverständlich, da die globale Wirtschaft nach wie vor wächst. Das wird sich vermutlich auch nicht ändern. Unzulänglich ist hier nicht das Wachstum, sondern die Erwartung an selbiges. Sie ist maßlos. Dollar und Euro werden sich vermutlich nicht mehr so stark zueinander bewegen wie in den letzten Monaten, da die Notenbanken beider Systeme permanent zum Eingriff bereit sind. Keine gönnt der anderen den wirtschaftlichen Vorteil der Abwertung.

Heute Morgen machen Börsianer dort weiter, wo sie gestern Abend aufhörten. Sie lassen die Kurse schwingen, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 735,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 80,94 Dollar und in London zu 85,73 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7864 Euro . Damit kostet der Euro 1,2716 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie folgen einer Konsolidierungstendenz. Dabei bleibt das grüne Band des steilen Abwärtstrends noch erhalten, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreistendenz zu entnehmen ist. Wir rechnen damit, dass wir das Band bald neu beschreiben müssen.

Der Binnenmarkt ist gut belebt. Die Fähigkeiten des Handels werden gleichwohl nicht überfordert. Die Lieferzeiten sind lediglich etwas länger als üblich. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht weiterhin auf der höchsten Stufe.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist wankelmütig. Die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung schwankt von Tag zu Tag deutlich. Sie folgt der Preisentwicklung selbst. Abwärts macht Hoffnung, aufwärts dämpft diese. Gestern reagierten die Leser wieder deutlich auf die Aufwärtsbewegung. Die Mehrheit der „Bären“, die tiefere Preise erwarten, ist groß.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal mehr. Das deckt sich nicht mit dem Verhalten der Käufer. Gleichwohl ist dieses Verhalten plausibel. Nun handeln diejenigen, die die Hoffnung auf tiefere Preise aufgeben. Wer diesem natürlichen Reflex trotzt und weiterhin auf tiefere Preise setzt, braucht starke Nerven und einen ausreichend gefüllten Tank. Das Auftreten eines neuen Preistiefs in diesem Winter ist alles andere als sicher.

Die Preistrends weisen in allen relevanten Bereichen abwärts. Das ist natürlich eine Einladung, weiter auf noch attraktivere Preise zu spekulieren. Man sollte diese Spekulation aber nicht übertreiben, sonst kann sie in einem persönlichen Misserfolg enden.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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