Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Gut gegenüber Vorjahr, freundlich in naher Zukunft

Internationaler Markt

Finanzjongleure blasen das befürchtete oder ersehnte Chaos in Venezuela ab. Um Hugo Chavez wird getrauert. Um sein Erbe wird nicht gestritten. Die Öl- und Finanzszene kehrte schnell zu anderen Themen zurück. Ganz oben auf der Agenda steht dabei die Lage am physischen US-Ölmarkt. Der wird seit geraumer Zeit mit Rohöl aus eigener Produktion geflutet. Die US-Ölindustrie bohrt sich gerade in einen Rausch. Sie weiß kaum noch wohin mit all dem Öl. In den heimischen Markt lässt es sich nicht drücken, da die Nachfrage zurückgeht. Auf den Weltmarkt darf es nicht, da das Gesetz das verbietet. Es könnte raffiniert und als Benzin, Diesel, Kerosin oder Heizöl auf den globalen Markt gepumpt werden. Dazu fehlt aber die nötige Infrastruktur. Die stammt aus der Zeit der großen Ölimporte. Die neue Zeit verlangt neue Transportwege, um die noch diskutiert wird.

Die aktuellen US-Bestandszahlen spiegeln die Situation in hohen Rohölaufbauten wider. Die Lage wird durch außergewöhnlich viele Wartungsarbeiten an den Raffinerien verschärft. Rohöl türmt sich in den Eingangslagern der heruntergefahrenen Einrichtungen. Das Verhältnis von Vorrat und Produktionsfähigkeit der Raffinerien ist so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. In den Ausgangslagern sinken die Produktenbestände logischerweise. Weil es sich um eine temporäre Erscheinung handelt, wird sie an den Börsen gelassen aufgenommen. Die Notierungen sanken gestern. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten für die abgelaufene Woche folgende Zahlen zur Bestandsänderung vor:

Rohöl: +3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,6 (DOE) bzw. ein Aufbau von 3,0 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung fiel auf lausige 82 Prozent. Das ist sehr gering, aber immer noch genug für die schwache US-Binnennachfrage.

Der US-Ölrausch beflügelt alte Phantasien von unbegrenzten Energieangeboten und neue Ideen der Selbstversorgung. Die werden nicht nur von Ölskeptikern angezweifelt. Selbst aus den Reihen der EIA (Informationsbüro des US-Energieministeriums) sind anders lautende Prognosen zu hören. Das Angebot werde in den nächsten Jahren noch stärker steigen als bisher angenommen, später aber schneller fallen. Zur Selbstversorgung der USA werde es dabei nicht kommen. Für den schnellen Anstieg sprechen Bemühungen der US-Ölindustrie, das Verkaufsverbot von Rohöl zu kippen. Aus kurzfristig orientierten Gründen der Gewinnmaximierung wollen ihre Manager ohne Beschränkungen fördern und abverkaufen. Dafür wären sie auch bereit, neue Transportwege bauen zu lassen. Je kürzer die Zeit des Returns of Invest dabei ist, das heißt, je mehr Öl in kurzer Zeit umgesetzt werden kann, um so höher ist der Anreiz, die Sache durchzuziehen. Da Öl unzweifelhaft ein endliches Gut ist, würde sein noch existierender Bestand in der Erde schneller verbraucht. Eine langfristige Ölzukunft ließe sich auf diese Weise nicht gestalten.

Der Preis für den Rohstoff könnte durchaus für eine gewisse Zeit sinken. Am Ende würde er allerdings noch teurer werden, als bisher in allen Prognosen angenommen wurde. Das grenzenlose Fluten mit neu gedrucktem Geld unterstützt die Tendenz. Heute Morgen ist dem Börsengeschehen noch keine Tageslosung zu entlocken. Abwärts hat aber gute Chancen gewählt zu werden. Für die Tonne Gasöl werden 930 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,52 Dollar und in London zu 111,07 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,84 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Der kurze Wechsel zu steigenden Preisen könnte damit schon beendet sein. Die Lage am physischen Markt spräche ohne Zweifel dafür. Das Angebot ist global und national gut. Die Nachfrage hält sich in Grenzen. Der Binnenmarkt ist ruhig. Die Margen bleiben daher niedrig. Heizöl kostet weiterhin spürbar weniger als vor 12 Monaten. Nach Lage der Dinge sollte sich das so schnell nicht ändern. Vor einem Jahr begann eine dreimonatige Abwärtsphase. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass eine ähnliche Phase auch in diesem Jahr eintreten wird. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
Kleine Probleme in der globalen Lieferkette
Gute US-Konjunkturzahlen
EIA sieht Nachfrage derzeit größer als das Angebot
Spannungen in Nordafrika und Nahost

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Förderung steigt rasant
USA fallen über Fiskalklippe
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Produzenten bauen Kapazitäten aus
Genug Öl am Markt
US-Raffineriekapazität steigt in Kürze wieder

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