Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Herbe Enttäuschung

Internationaler Markt

Der Berg kreißte und gebar … nichts, keinen Atomkonsens und kein neues Fördermaximum in den USA. Eine herbere Enttäuschung hätte der Tag kaum bringen können. Damit war sie dahin, die Osterruhe. Die Handelsideen der meisten Finanzjongleure schlugen fehl. Dieser Umstand verstärkte die Gegenreaktion zur ursprünglich eingeschlagenen Richtung der Ölpreise, die zeitweise über sieben Prozent im Plus lagen.

Der Reihe nach: Die Regierungen in Teheran, Washington, Peking, Moskau, Paris, London und Berlin wollen das Abkommen. Die Vorstellungen über die Bedingungen, unter denen es zustande kommen wird, sind aber offensichtlich unterschiedlich. Teheran wird à la longue nicht auf die Option der Bombe verzichten wollen. Washington will genau das verhindert wissen. Die Positionen zu einem gemeinsamen Abkommen zu führen, wäre eine Sternstunde der Diplomatie. Nun wird klar, dass Sternstunden echten Seltenheitswert haben. Der Finanzszene, und nicht nur ihr, dämmert, dass das ganze Theater ergebnislos und endgültig abgebrochen werden kann. Damit entginge dem Markt eine Menge Öl und der Welt die Chance auf eine gemeinsame Politik zur Stabilisierung der explosiven politischen Lage rund um den Persischen Golf.

Die US-Bestandsdaten warteten mit gemischten Ergebnissen aus den Erhebungen auf. Die Rohölvorräte erreichten tatsächlich einen erneuten Rekordwert. Die Benzinvorräte sanken hingegen deutlicher als prognostiziert. Die Osterzeit zeigt sich wieder einmal als Autofahrzeit. Dieser Umstand treibt die Benzinpreise aufwärts. Da ist es also wieder, das hoch emotional und missverständlich dargebotene Lieblingsthema der deutschen Boulevardmedien. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) ermittelten Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: +4,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,8 (DOE) bzw. 1,1 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung beträgt 89 Prozent. Soweit kann man die Daten neutral interpretieren. Die Kunde, dass die US-Förderung minimal sank, lässt den Komplex aber bullisch erscheinen.

Bullisch ist zudem eine Meldung des staatlichen mexikanischen Ölkonzern PEMEX. Eine ihrer Ölplattformen im Golf von Mexiko explodierte gestern. Es sind Tote zu beklagen. Genaues weiß man noch nicht. Das was man bisher weiß, deutet auf einen ähnlichen Fall wie vor fünf Jahren mit der Deepwater Horizon hin. Die ebenfalls explodierte Plattform versank schließlich im Meer und bedingte einen Austritt von mehr als drei Millionen Barrel Öl.

Das alles ist konträr zu den Erwartungen. Es ist gleichwohl kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen und eine vollkommen neue Sicht des Ölmarkts zu entwickeln. Er ist weiterhin überversorgt. Die US-Förderung ist nach wie vor sehr hoch. Sie kann weiter wachsen. Und die Atomverhandlungen könnten noch zu einem positiven Abschluss kommen. Aber auch ohne Abschluss gibt es ein Morgen. Das Beste wäre es wahrscheinlich, wenn sich die Finanzjongleure nun allesamt um ihre Ostereier kümmerten, um dabei Entspannung zu finden und danach geläutert an ihre Handelsplätze zurückzukehren.

Heute Morgen hält das gestern erreichte Preisniveau. An den Ölbörsen geht es sehr ruhig zu. Der Dollar lässt hingegen Federn. Das lindert den Anstieg der Heizölpreise ein wenig. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 531,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 49,55 Dollar und in London zu 56,64 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9236 Euro . Damit kostet der Euro 1,0828 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise zeigen nach den Enttäuschungen des Vortags einen misslichen Anstieg. Sie befinden sich damit in der Mitte des seitwärts gerichteten Trendkanals, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Da werden die Preise wohl bleiben, solange keine Erfolgsmeldung über die Atomverhandlungen mit dem Iran verbreitet wird.

Im Binnenmarkt geht es recht ruhig zu. Der Bestellfluss ist dennoch ordentlich. Hoffnungen auf tiefere Preise sind gleichwohl höher. Sie werden mit der aktuellen Entwicklung aber sinken. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf hohem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem sehr deutlichen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Preisbeobachter werden sich vermutlich vom mathematischen Tiefpreis-System in ihrer Kaufzurückhaltung bestätigt fühlen. Außer in der Region Berlin zeigt es keine Kaufsignale. Anderswo werden diese definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist wie immer nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung befindet sich nach unserer Einschätzung in einer 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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