Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Heute spricht Super Mario

Internationaler Markt

Die Finanzszene erwartet etwas. Deshalb zeigen sich die Kurse für Öl, Dollar und Aktien relativ unbeweglich. Was erwartet wird, weiß niemand so genau. Klar ist nur von wem und wo erwartet wird. Heute steht Mario Draghi in Frankfurt im Fokus, der am Nachmittag die neue Geld- und Zinspolitik der EU bekanntgeben wird. Unser Tipp: Es wird die alte Politik sein. Das würde der Finanzindustrie nicht gefallen, wenngleich sie kaum etwas anderes erwarten dürfte. Allenfalls darf sie hoffen, auf lockeres Geld, am liebsten unbeschränkt geschöpft, und negative Zinsen. Unser aller Schreck zu ihrem Vergnügen. Außerdem erwartet die Finanzszene von der Realwirtschaft Wachstum überall auf der Welt. Das bekommt sie sogar. Es reicht ihr aber nicht. Die Konjunkturdaten sind ihr zu verhalten, zu gemischt, zu durchwachsen. Sie will die Wirtschaft und den Konsum fliegen sehen. Die Menschen sollen kaufen, viel mehr kaufen.

In der Türkei haben sie es gemacht. In Istanbul zum Beispiel kauften die Menschen in den letzten Jahren so hemmungslos und so lustvoll wie kaum an einem anderen Ort der Welt. Das Geld für den Konsumrausch haben sie sich geliehen, von der Finanzszene. Die gab es gerne her. Heute stellt sie erschrocken fest, dass die gelobte Konjunktur der Türkei in den letzten Jahren nur auf Pump hoch flog. Ach.

Im physischen Ölmarkt ist die Lage nicht ganz so absurd. Zumindest downstream, das ist der Bereich zwischen dem Bohrloch und dem Verbraucher, weiß man einigermaßen verlässlich, was geht und was nicht geht. In den USA geht gerade viel Heizöl, weil es dort ungewöhnlich kalt ist. Das bringt die Versorgung momentan an ihre Kapazitätsgrenzen. Insofern wäre eine deutliche Teuerung des Brennstoffs plausibel. Die wird aber vom guten Rohölangebot ausgebremst. Einen Teil des Geschehens erkennt man in den US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebung zuständigen Institutionen, beziffern die Veränderung zur Vorwoche wie folgt:

Rohöl: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,5 (DOE) bzw. 2,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt bei 86 Prozent. Die genannten Zahlen klingen bullisch. In ihnen ist aber nicht zu erkennen, dass die Heizölnachfrage trotz des kalten Wetters zurück geht und dass die Rohölimporte gering waren. Beide Aspekte sind bärisch. Insgesamt fallen die Bestandsdaten also neutral aus.

Abschließend können wir noch von einem neuen bullischen Vorgang berichten. In Kuwait, das Land ist die weltweite Nummer vier unter den Ölexporteuren, wird ein Streik der Ölarbeiter vorbereitet. Der könnte, wenn es schlecht läuft, für einen nennenswerten temporären Rückgang des Angebots sorgen.

Heute Morgen ist an den Ölbörsen noch keine Tagesrichtung zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 903,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,57 Dollar und in London zu 106,36 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,95 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise stehen fest im Abwärtstrend. Das heißt nicht, dass jeden Tag ein tieferer Preis auftaucht. Zwischenzeit steigt er auch. Aktuell gibt er wieder moderat nach. Die Vorgaben durch die Öl- und Dollarnotierungen tragen einen kleinen Teil dazu bei. Der unausgelastete Binnenmarkt mit seinen teilweise deutlichen Rabatten bringt den Rest. Kurzfristig erwarten wir keine klare Richtung der Preisbewegung. Mittelfristig sehen wir den Trend aber intakt. Wer darauf spekulieren will, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Für einen guten Einkauf ist Spekulieren allerdings nicht zwingend nötig, da die aktuellen Preise bereits attraktiv sind. Heizöl ist erheblich günstiger als in den letzten beiden Jahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Kältewelle in den USA
Streik in Kuwait angedroht
Libyen liefert weiterhin kaum Öl
US-Notenbank pumpt immer noch viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Konjunkturdaten aus China und den USA schwach
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
US-Notenbank drosselt die Geldpumpe weiter
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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